Preisaufschlag
Haushalte zahlen fünf Prozent mehr: AEW erhöht die Strompreise – das sind die Gründe

Nach der letztjährigen Preissenkung von mehr als zehn Prozent erhöht die AEW Energie AG die Strompreise für das Jahr 2022 nun wieder.

Mathias Küng
Drucken
Teilen
AEW-Kundinnen und -Kunden müssen nächstes Jahr mehr für Strom bezahlen. (Symbolbild)

AEW-Kundinnen und -Kunden müssen nächstes Jahr mehr für Strom bezahlen. (Symbolbild)

Hanspeter Baertschi

Wie die AEW am Dienstag mitteilt, müsse das Unternehmen die Strompreise «aufgrund der gestiegenen Beschaffungskosten» auf den 1. Januar 2022 erhöhen. «Durch die Erhöhung der vorgelagerten Netzkosten verteuert sich auch das Netznutzungsentgelt», lässt sich die AEW zitieren.

Ein durchschnittlicher Haushalt werde um die 4,8 Prozent mehr für seinen Stromverbrauch bezahlen ab dem kommenden Jahr. Umgerechnet sind dies ca. 42 Franken pro Jahr. Dies, nachdem die AEW die Preise im vergangenen Jahr um 10 Prozent gesenkt hat.

Höhere Vergütung für Solarstrom-Produzenten

Wer selber, zum Beispiel mit einer Anlage auf dem Dach, Solarstrom produziert, kann diesen seit 2021 an die AEW verkaufen. Produzenten erhalten so nicht nur für den selbst produzierten und ins Netz der AEW eingespeisten Strom eine Vergütung, sondern können auch den ökologischen Mehrwert an die AEW verkaufen.

Wer Solarstrom produziert, soll in Zukunft mehr Geld erhalten.

Wer Solarstrom produziert, soll in Zukunft mehr Geld erhalten.

zVg

Für den ökologischen Mehrwert soll die Vergütung ab 2022 um 5,5 Prozent steigen, sodass Solarstrom-Produzenten in Zukunft mehr Geld für den produzierten Strom erhalten werden. Die AEW begründet dies damit, dass sie die Sonnenenergieproduktion im Kanton Aargau steigern und so einen Beitrag zur Energiestrategie 2050 leisten wolle.

Die AEW Energie AG beliefert einerseits rund 100'000 Aargauerinnen und Aargauer direkt mit Strom, andererseits liefert sie rund 100 lokalen und regionalen Versorgern Strom, die ihrerseits wiederum rund 450'000 Aargauerinnen und Aargauer mit Strom beliefern.

Marc Ritter, Leiter des Geschäftsbereichs Energie, sagt, woher die Preissteigerung im Grosshandel rührt: «Haupttreiber für die gestiegenen Preise sind die markant teurer gewordenen CO2-Zertifikate. Mit dem zusätzlichen Anstieg der Gas- und Kohlepreise steigen in der Folge auch die Strompreise.»

Die Zeiten tiefer Strompreise sind vorläufig vorbei. Seit Ende des letzten Jahres haben die Grosshandelspreise kräftig angezogen, sie sind sogar nahe dem Allzeithoch der letzten zehn Jahre.

Im Grosshandel kostet eine Megawattstunde 84 Euro

Aktuell bezahlt die AEW Energie AG (und nicht nur sie), wenn sie auf dem Grossmarkt Strom für das Jahr 2022 einkauft, 84 Euro (bzw. über 90 Franken) für eine Megawattstunde. Das heisst umgekehrt aber auch, dass sich der Schweizer Kraftwerkspark derzeit rechnet.

Interessanterweise seien die Preise für 2023 mit 70 Euro/Megawattstunde tiefer, sagt Ritter weiter. Entsprechend decken sich viele Energieversorger bzw. Kunden schon für 2023 ein. Die AEW verteilt die Beschaffung – wie viele andere auch – jeweils über drei Jahre, um Beschaffungspreisspitzen zu brechen.

Verband: Für eine Prognose ist es noch zu früh

Im Aargau sind auch rund 100 regionale und lokale Energieversorger tätig, die im Verband Aargauischer Stromversorger (VAS) zusammengeschlossen sind. Dessen Präsident Markus Blättler (CEO der SWL Energie AG in Lenzburg) sagt, für eine Prognose sei es zu früh, da die Werke ihren Preis erst Ende August melden müssen: «Die meisten warten damit bis zum letzten Moment.»

Das höhere Netznutzungsentgelt werde man aber wohl auch weitergeben müssen, ebenso rechnet er mit einem «moderat höheren Preis» für die reine Energie: «Wir von der SWL Energie AG beschaffen den Strom strukturiert über mehrere Jahre, so wie die meisten andern auch. So kann man Beschaffungspreisspitzen brechen, wie wir sie gerade erleben.»

Blättler erinnert sich, dass der Grosshandelspreis 2008 bei rund 80 Euro/Megawattstunde lag, danach immer tiefer – zum Teil viel tiefer – jetzt über 80 Euro: «Solche Preise habe ich seit 2008 nie gesehen.» Markus Blättler ist sehr froh über die strukturierte Beschaffung. Gut dran sind Versorger, die schon 2019 und 2020 für nächstes Jahr viel Strom eingekauft haben. Einen Teil Strom müsse man aber auch dieses Jahr zukaufen, so Blättler. Denn man wisse erst am 1. November, welche Kunden man hat, und braucht dann je nachdem zusätzlichen Strom.

Falls hingegen irgendwo ein Versorger jetzt allen Strom für nächstes Jahr einkaufen müsste, müsste er Preissteigerungen von bis 50 Prozent weitergeben, sagt Blättler mit Schaudern.

Aktuelle Nachrichten