Brittnau
Polizei als Passion: Statt zu schlafen, hörte er den Polizeifunk ab

Seit über 20 Jahren hat Thomas Herzig eine grosse Leidenschaft – die Aargauer Kantonspolizei. Er ist ihr grösster Fan und wurde deswegen gar mal verhaftet.

Elia Diehl
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Mit seinem Polizeiroller darf Thomas Herzig zur Arbeit fahren, das echte Polizeihemd und -cap darf er nur zu Hause anziehen.

Mit seinem Polizeiroller darf Thomas Herzig zur Arbeit fahren, das echte Polizeihemd und -cap darf er nur zu Hause anziehen.

Chris Iseli

Im Polizeihemd öffnet Thomas Herzig die Tür seiner Eigentumswohnung in Brittnau. Hier hat der 49-Jährige sich ein kleines Polizeimuseum eingerichtet. Die Türen sind voller Polizeikleber, an den bunten Wohnzimmerwänden hängen unzählige Polizeicaps, Absperrbänder, Polizeiwesten und Handschellen – alles Originale. Dazwischen Bilderrahmen mit Fotos und Widmungen von Polizisten oder einem eigenen Fahndungsfoto mit Fingerabdrücken. Daneben zwei Blaulichter. Seine grossen Schätze sind in einer Vitrine: echte Polizeiabzeichen und -hemden, unzählige Automodelle, ein Funkscanner und seine selbst gemachten Polizeiausweise.

Das müsse aber alles in der Wohnung bleiben, er sei ja kein Polizist, sagt Thomas Herzig, «ich will doch keinen Ärger mit meinen Polizeikollegen.» Von diesen hat er viele. Immer wenn möglich geht er an öffentliche Polizei-Events oder an Übungen der Polizeischule in Hitzkirch, um weitere Beamte kennen zu lernen. Einige langjährige Kollegen kamen wiederum an sein Fest zum 40. Geburtstag. Zwei Ordner mit hundert Visitenkarten von Polizisten und Polizistinnen hat er in über 20 Jahren gesammelt, zu jedem weiss er etwas zu erzählen – er kennt sie alle.

Und sie kennen ihn, wie Kapo-Sprecher Bernhard Graser, der ihm die Uniform schenkte: «Ich habe Thömu damals während meiner Zeit auf dem Polizeiposten Zofingen kennen und schätzen gelernt.» Oft habe es damals nur wenige Minuten gedauert, bis Thomas Herzig mit seinem Fahrrad verschwitzt an einer Unfallstelle eintraf und beim Aufstellen der Signale mithalf.

Über 15 Jahre hörte Thomas Herzig verbotenerweise den Polizeifunk mit, nächtelang. So gross ist seine Leidenschaft. «Ich war richtig gut informiert», sagt er schelmisch. Davon profitierten nicht selten auch die Medien. Wegen des Scanners in seiner Jackentasche wurde er in Olten sogar verhaftet. Die Solothurner Polizisten verstanden keinen Spass. «Ich musste eine halbe Stunde in die Zelle», erzählt Thomas Herzig. Nach Rücksprache mit den Kollegen in Zofingen, die versicherten, man kenne ihn gut und er sei ungefährlich, liessen sie ihn – ohne Gerät und mit 500 Franken Busse – wieder frei. Mit der Einführung des abhörsicheren Digitalfunks 2003 war es mit dem Zuhören aber sowieso vorbei. «Das tut ihm heute noch weh», weiss Bernhard Graser.

Bonsai statt Polizeifunk

Ist Herzig nun nachts langweilig? «Nein, ich bleibe dennoch Polizeifan», sagt er und scherzt: «Eine Polizeifreundin wäre ein guter Ersatz.» Statt vor Ort zu sein, schaut er heute Kriminalserien und Polizeireportagen im Fernsehen. Zudem hat er mit seinem kleinen Bonsai-Gärtchen mit Biotop ein weiteres Hobby für sich entdeckt, denn seit bald 20 Jahren arbeitet Thomas Herzig in der Gärtnerei des Arbeitszentrums für Behinderte in Strengelbach.

Seine Leidenschaft für die Polizei, besonders die Autos, wurde schon Anfang der 80er-Jahre geweckt, als er seine Bäcker-Anlehre in Oftringen machte. Wenn er morgens um 2 Uhr mit dem Fahrrad zu Arbeit fuhr, sah er immer wieder die Polizeistreife. «Sie kamen jeweils danach zu uns Gipfeli kaufen», erinnert er sich – die Polizisten beeindruckten ihn sehr. Heute fährt Thomas Herzig mit seinem «Polizeiroller» zur Arbeit. Sein Töff, beschriftet und beklebt wie die Polizeiautos, ist sein ganzer Stolz. Bald soll noch ein passender Helm dazukommen.

Auch wenn Thomas Herzig im nächsten März 50 wird, bleibt er der grösste Polizeifan im Kanton. Noch immer funkeln seine Augen vor Freunde, wenn er aufgeregt von der Polizei erzählt. «Eine Polizeikelle fehlt mir noch», sagt er verschmitzt, zum Geburtstag wünsche er sich aber auch, unbedingt mal von der Mobilen Einsatzpolizei auf Streife mitgenommen zu werden. «Und den Polizeifunk», fügt er lachend an, «das kannst Du aufschreiben!»