Parteitag
Bei Duft nach Grillrauch und Bratwurst: Die Aargauer Mitte sagt Ja zur Ehe für alle

Zwei Parolen fasste Die Mitte am ersten «richtigen» Parteitag seit 2019. Beide Entscheidungen fielen deutlich aus. Die 99-Prozent-Initiative wird von der Partei abgelehnt und die Ehe für alle angenommen.

Toni Widmer
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Peter Sutterlüti, Markus Dieth, Christoph Nyfeler und Marianne Binder-Keller am Parteitag der «Mitte Aargau».

Peter Sutterlüti, Markus Dieth, Christoph Nyfeler und Marianne Binder-Keller am Parteitag der «Mitte Aargau».

Toni Widmer

Der Duft nach Grillrauch und Bratwurst empfing die Delegierten von «Die Mitte Aargau» auf dem Bözer Söhrenhof. Christine Amsler hatte rechtzeitig eingeheizt und nicht wenige nützten die Gelegenheit, sich vor dem Parteitag noch etwas zu stärken. Man (und frau) hat sich lange nicht mehr gesehen. Fast zwei Jahre ist es her, seit dem letzten «richtigen» Parteitag, im Herbst 2019. Seither konnte coronabedingt nur online kommuniziert werden.

Parteiinternes Lob für Regierungsrat Dieth

Parteipräsidentin Marianne Binder-Keller freute sich, «ihre» Frauen und Männer endlich wieder physisch begrüssen zu können. 65 Delegierte waren ins Fricktal angereist, unter ihnen Regierungsrat Markus Dieth, den Binder speziell begrüsste: «Du hast in der Pandemie als Landammann Grosses geleistet und unsere Regierung durch die schwierige Zeit geführt. Wie hast Du das selber erlebt?»

Dieth sprach über die Führungsverantwortung, die er wahrgenommen habe und darüber, dass in der Krise «fasch echli militärische Strukturen» hätten angewendet werden müssen. Corona sei für die Regierung eine grosse Herausforderung gewesen und sie sei es immer noch. Die Regierung, gab er sich überzeugt, hätte das Thema bisher aber gut gemeistert.

99-Prozent-Initiative wird abgeschmettert

Der Parteitag zu den Abstimmungsparolen für den 26. September war eine kurze und klare Sache. Weder über das Referendum zum Thema Ehe für alle noch zur Volksabstimmung über die 99-Prozent-Initiative wurde lange diskutiert. Die Delegierten folgten Grossrat Michael Wetzel, der die Juso-Initiative faktisch in der Luft zerrissen hatte, mit 63 Nein und 2 Enthaltungen überaus deutlich.

Ehe für alle: Deutliches Ja trotz Vorbehalten

Die von den Grünliberalen initiierte Vorlage Ehe für alle präsentierte Präsidentin Binder selbst. Die Zeit sei reif dafür, dass auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten könnten.

Weil das Zusatzanliegen Samenspende sich für lesbische Paare in letzter Minute noch in die Gesetzesvorlage kam, wurde das Referendum ergriffen. Das sei bedauerlich, sagte Binder. «Ich habe aber auch hier zugestimmt. Denn was für heterosexuelle Paare gilt, soll auch für lesbische Paare möglich sein.» Die Ja-Parole wurde mit 50 Ja und 10 Nein bei 3 Enthaltungen beschlossen.

Den ersten Partei-Oscar mit dem Namen «Mitte» verlieh Marianne Binder-Keller anschliessend Walter Zumstein, dem Ortsparteipräsidenten von Stein. Zumstein, lobte Binder, setze sich seit vielen Jahren unermüdlich und an vorderster Front für die Partei ein und habe diese Auszeichnung mehr als verdient.

Wirtschaftsgipfel mit zwei Überzeugungstätern

Am anschliessenden Wirtschaftsgipfel präsentierten zwei Vollblutunternehmer ihre innovativen Projekte. Beide erwiesen sich als Überzeugungstäter, die allen Hindernissen zum Trotz ihren Weg gegangen sind und noch gehen.

Peter Sutterlüti, Verwaltungsratspräsident der CST AG, brachte den Anwesenden das Logistiksystem Cargo Sous Terrain näher. CST hat sich zum Ziel gesetzt, Güter unterirdisch zu transportieren und damit Strassen und Umwelt zu entlasten. Eine erste, 70 Kilometer lange Teilstrecke zwischen Härkingen und Zürich soll in rund 10 Jahren in Betrieb genommen werden. Die Finanzierung dafür (knapp 3 Milliarden Franken) ist gesichert, auch die gesetzlichen Hürden glaubt Sutterlüti in absehbarer Zeit nehmen zu können.

Der Lenzburger Christoph Nyfeler wiederum hat in kürzester Zeit eine Mälzerei realisiert, die in wenigen Wochen in Wildegg den Betrieb aufnimmt. Schweizer Malz gibt es seit bald 60 Jahren nicht mehr.

Bereits dieses Jahr haben 50 Landwirte Braugerste, Weizen oder Dinkel angebaut, das in Nyfelers Unternehmen weiterverarbeitet wird. Der von ihm produzierte Malz geht nicht nur in die Bierproduktion, er wird auch bei der Herstellung von Whisky eingesetzt und in der Backwaren- und Müesliherstellung sowie als Fleischersatz verwendet.

Endlich wieder Geselligkeit mit Wurst auf dem Grill

Fleischersatz gab’s nach den zwei spannenden Vorträgen keine: Auf dem Grill vor dem Versammlungslokal lagen echte Bratwürste und gegrillte Cervelats. Der Zuspruch war rege und die Mitte genoss nach langen Monaten mit virtuellen Zusammenkünften die erste Möglichkeit zum geselligen Zusammensein in vollen Zügen.

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