Pascale Bruderer

Pascale Bruderer: Die SP-Frau kandidiert für den Ständerat

«Mir entspricht die überparteiliche Suche nach Lösungen, wie sie im Ständerat ausgeprägter ist.» Freudiger

«Mir entspricht die überparteiliche Suche nach Lösungen, wie sie im Ständerat ausgeprägter ist.» Freudiger

«Gegenseitiger Respekt ist für mich zentral»: Die Aargauer SP-Nationalrätin sagt im Exklusivinterview, dass und warum sie in den Ständerat will.

Frau Bruderer, warum wollen Sie Ständerätin werden?
Pascale Bruderer
: Mir liegt der Aargau sehr am Herzen. Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, hier daheim. Auch unser Land liegt mir am Herzen. Die Konkordanz, unsere politische Kultur des Brückenbauens, entspricht mir. Genau dieses Verständnis möchte ich als Ständerätin für alle Aargauerinnen und Aargauer einbringen.

Glauben Sie wirklich, dass Sie als SP-Frau im bürgerlichen Kanton Aargau eine Wahlchance haben?
Die Aargauerinnen und Aargauer wählen in den Ständerat nicht Parteienvertreter, sondern Personen. Und zwar solche, die sie als verlässlich und lösungsorientiert einstufen. Deshalb bin ich guter Dinge, dass meine Kandidatur eine Chance hat.

Trotzdem spielt auch die Parteizugehörigkeit eine Rolle. Warum soll Ihnen gelingen, was im Aargau erst einmal – 1943 – einem SP-Kandidaten gelungen ist?
Im Zentrum meiner Wahlkampagne werden die Aargauerinnen und Aargauer stehen und nicht meine Partei. Darüber habe ich bereits mit der Parteileitung gesprochen.

Damit ist die Partei einverstanden?
So weit ja. Entscheiden wird aber natürlich die Parteibasis am Parteitag vom 26. Februar. Sie sagt, wen sie ins Rennen schickt.

Warum haben Sie auch nach dem Nationalratspräsidium so lange gewartet mit Ihrer Kandidatur?
Der Zeitpunkt ist genau richtig. Die Frist meiner Partei lautet Ende Januar. Mir war es sehr wichtig, das Nationalratspräsidium nicht für die Lancierung einer nächsten Kandidatur zu benützen. Es geht ja nicht darum, Amt an Amt zu reihen. Sondern um die Frage: Habe ich die Kraft, die Freude, das Engagement für ein neues Amt, für den Ständerat, für den Aargau? Diese Frage wollte ich mit meinem engsten Umfeld beantworten. Jetzt kann ich die Antwort geben. Sie lautet klar: Ja, ich will.

Sie haben sich sicher schon früher Gedanken gemacht.
Ich habe mit meiner Partei Mitte Legislatur eine Standortbestimmung vorgenommen und dort gesagt, dass ich für eine Ständeratskandidatur nicht zur Verfügung stünde, falls es keine Vakanz gäbe. Jetzt gibt es eine Vakanz und ich trete an – überzeugt und motiviert.

Es könnte nun aber auch passieren, dass Sie Christine Egerszegi aus dem Amt verdrängen, mit der Sie sich gut verstehen...
Ich verstehe mich mit Christine Egerszegi und mit den anderen Kandidierenden sehr gut. Welche zwei Vertreter den Aargau im Ständerat vertreten werden, entscheidet die Stimmbevölkerung.

Wie stark hilft bei den Wahlen Ihr Präsidialjahr?
Ich frage mich eher, was ich im Präsidialjahr persönlich gewonnen habe, das ich im Ständerat für den Aargau einbringen könnte. Ich durfte – und musste – mich als Nationalratspräsidentin in die ganze Breite an politischen Themen einarbeiten, um den Rat kompetent leiten zu können. Diese Breite käme mir im Ständerat, wo man mehr Kommissionen und Themen abzudecken hat, sehr entgegen. Zudem entspricht mir die überparteiliche Suche nach Lösungen, wie sie im Ständerat ausgeprägter ist.

Die SP hat sich die Überwindung des Kapitalismus ins Parteiprogramm geschrieben. Wird das für Sie nun zum Handicap?
Das glaube ich nicht. Als moderate, aufgeschlossene Sozialdemokratin habe auch ich mit dieser Formulierung meine liebe Mühe. Den Leuten sind meine Positionen und mein Stil bekannt: Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, aber auch für eine starke, gesunde und nachhaltige Wirtschaft. Mir ist der Ausgleich in unserer Gesellschaft wichtig. Ausserdem sind für mich Anstand und gegenseitiger Respekt in der politischen Auseinandersetzung zentral. Ich höre gern zu, bilde mir meine Meinung und setze mich anschliessend im Dialog für die Suche nach einem gemeinsamen Nenner ein.

Sie würden also im Ständerat nicht einfach die Positionen der SP vertreten?
Ich bilde mir schon heute meine eigene Meinung – auch gegen meine Partei. Das wird sich nicht ändern. Natürlich habe ich eine politische Heimat, die SP. Mit ihr teile ich meine Grundwerte. Aber für eine Ständerätin sollen mehr noch als für eine Nationalrätin die Aargauerinnen und Aargauer im Vordergrund stehen.

Werden Sie sich für Aargauer Standesinitiativen einsetzen – zum Beispiel für ein nationales Verhüllungsverbot, inklusive Burkaverbot?
Diese Diskussion im Grossen Rat habe ich mit Interesse verfolgt. Und ich teile die Sicht, dass es im öffentlichen Leben Bereiche gibt, in denen es sehr wichtig ist, das Gesicht des Gegenübers zu sehen. Nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen. Sinnvoll erachte ich deshalb nicht das Verbot einer einzelnen Form der Verhüllung – wie der Burka –, sondern das generelle Verhüllungsverbot in bestimmten Situationen.

Kandidieren Sie gleichzeitig für den Nationalrat?
Gemeinsam mit meiner Partei bin ich zum Schluss gekommen, dass nichts gegen eine Doppelkandidatur spricht.

Alles auf eine Karte setzen ist Ihnen zu riskant?
Doppelkandidaturen sind in unserem Kanton üblich und akzeptiert. Auch die anderen Kandidaten, die nicht im Ständerat sind, machen das so.

Was, wenn Sie nicht gewählt werden?
Als Politikerin und Bürgerin akzeptiere ich alle politischen Entscheide des Souveräns.

Sie sind Geschäftsführerin der Krebsliga Aargau. Hätte dies neben einem Ständeratsmandat noch Platz?
Es war mir immer wichtig, neben der Politik ein berufliches Standbein zu haben. So führe ich in der Krebsliga ein 20-köpfiges Team und sammle wichtige Berufserfahrung. Ich bin und bleibe überzeugte Milizpolitikerin. Im Ständerat ist man gewiss noch stärker gefordert als im Nationalrat. Ich bin aber sicher, dass dieses Miteinander auch künftig möglich ist.

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