Outdoor-Partys
Partys am Rande der Legalität

Partys im Freien liegen im Trend, die Nachfrage ist gross. Olivier Magnin veranstaltet mit seinem Verein «RK-Kult» gerne Outdoor-Feten – und kommt dabei immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt.

Sebastian Hagenbuch
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Solothurner Zeitung

Olivier Magnin liegt das Feiern im Blut: Seit je ist er bei Festen tatkräftig mit dabei. Sein Spezialgebiet ist die Dekoration. Seit einigen Jahren organisiert er unter dem Label «RK-Kult» selbstständig Partys – mit grossem Erfolg: An der offiziellen «Walddisko» im Juli in Unterlunkhofen wurde die Feier trotz miesem Wetter förmlich überrannt. Nicht alle von Magnins Partys sind jedoch offiziell und bewilligt. «Im Sommer organisierten wir zwei oder drei Partys im Freien. Dazu gehören elektronische Musik, Dekoration, Spiel und Spass», so Magnin. Wieso lässt er diese nicht bewilligen?

Outdoor-Partys sind stark wetterabhängig. Da kann es schon mal sein, dass erst drei Tage vorher Ort und Datum festgelegt werden. «Dank Facebook erreichen wir so immer noch unsere Anhänger», weiss Magnin. Die Zeit für
den Amtsweg ist dann aber zu knapp. «Wir informieren allfällige Anwohner und bringen ihnen eine Flasche Wein», erklärt Magnin. Offiziell eine Bewilligung zu erhalten, sei aber schwierig: «Wenn wir Gemeinden oder private Landbesitzer wegen einer Location fragen, heisst es oft: ‹Eine Elektro-Party? Vergessen Sie’s!›»

Vergangenes Wochenende fand am Bellevue in Zürich eine illegale Party statt. Die Polizei musste eingreifen, Sachschaden entstand. Für Magnin negativ: «Die illegale Partyszene gerät in Verruf und wird fast schon gleichgesetzt mit Krawallmachern und dem schwarzen Block», ärgert er sich. Ihm und seinen Freunden geht es aber nicht um Exzesse oder Provokation. Viel eher glaubt Magnin, dass es wichtig ist, lokalen DJs
eine Plattform zu bieten. «Auch lernen Jugendliche bei uns, zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen», ist er überzeugt. So wird oftmals im Vorfeld gebastelt, designt, kommuniziert oder ein Abfallkonzept ausgearbeitet. «Wir wissen, dass wir uns am Rande der Legalität bewegen. Deshalb legen wir besonders Wert darauf, die Plätze so zu hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben», beteuert Magnin.

Für den Naturschutz bringen Partys im Freien nebst Littering auch andere Probleme mit sich: «Diverse Arten und Biotope sind empfindlich, was Lärm betrifft», erklärt Josef Fischer, Geschäftsführer der Stiftung Reusstal. Anders als Menschen könne sich die Natur allerdings nicht bei der Polizei beschweren.

In den Augen der Polizei ist hingegen Littering das grösste Problem. Manfred Tschannen, Chef der Regionalpolizei Bremgarten, meint zu den illegalen Partys: «Wir hatten diesen Sommer vor allem in Bremgarten einige Probleme.» Vor allem bei der neuen Promenade kam es ab und zu zu Beschwerden der Anwohner. Anders bei «RK-Kult»: «Wenn die Jugendlichen feiern, greifen wir nur im Falle von Beschwerden ein.» Wenn die Party nicht ausartet, wird sie in
der Regel laufen gelassen. «Wir nehmen aber die Personalien der Verantwortlichen auf», sagt Tschannen. Das erhöht den Druck auf die Organisatoren, keine Spuren zu hinterlassen.

Magnin und seine «RK»-Crew haben aber auch schon gute Erfahrungen mit Behörden gemacht. Für die «Walddisko» in Unterlunkhofen haben die Organisatoren das Bewilligungsgesuch zu spät gestellt. Dumm nur, dass Flyer bereits gedruckt und Einladungen versandt worden sind. Der Gemeinderat lenkte ein und half den «RK»-Leuten, die Party dennoch zu veranstalten. «Sie hatten ein Konzept mit Shuttlebus, Abfallentsorgung und Sicherheit», so Claudia Nick. Da hätten viel Herzblut und Freiwilligenarbeit dahintergesteckt, was man nicht zunichtemachen wollte. Die Party war ein Erfolg, Beschwerden blieben aus. Vermutlich auch, weil in der Morgendämmerung alle Spuren der Nacht beseitigt wurden. «Das erhöht unsere Chancen, vielleicht nochmals eine legale Party zu organisieren», hofft Magnin.

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