Pandemie
Kanton zündet den Turbo und flexiblere Impfungen sind geplant – und so sieht die Durchimpfungsrate nach Altersgruppen aus

Die Warteliste für die Covid-Impfung schrumpft im Aargau. Ab Juli soll es neue, flexiblere Möglichkeiten für Impfwillige geben. Damit könnte auch die Registrierung wegfallen.

Eva Berger, Sandra Meier
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Im Impfzentrum beim Kantonsspital Aarau wird fleissig gepikst.

Im Impfzentrum beim Kantonsspital Aarau wird fleissig gepikst.

Britta Gut

Auf der Warteliste für die Aargauer Impfkampagne befinden sich derzeit etwa 75'000 Personen. Noch im Juni werden diese alle ihre Termine erhalten, versichert das Gesundheitsdepartement gestern in einer Mitteilung an die Medien – allerdings nur, sofern die vom Bund angekündigten Impfstofflieferungen auch tatsächlich eintreffen.

Zurzeit erhalten jene Personen ihre Termine für die Impfung, die sich im März registriert haben, an einigen Standorten schon jene, die sich im April für die Impfung entschieden haben. Allein am vergangenen Mittwoch hätten im Aargau 7400 Personen ihre erste oder zweite Impfung erhalten, schreibt das Gesundheitsdepartement. Wegen des höheren Impftempos, das durch die grösseren Liefermengen ausgelöst wurde, schrumpfe die Warteliste. Und sind dereinst alle Willigen geimpft, brauche es auch die Impf-Infrastruktur nicht mehr.

Impfzentrum Laufenburg schliesst

Darauf ist der Kanton gefasst. «Die kantonale Impfkampagne ist auf diese Entwicklung vorbereitet und plant den Rückbau der Kapazitäten, um leerstehende Impfkapazitäten abzuwenden», schreibt das Gesundheitsdepartement in der Medienmitteilung. Als Erstes stellt der Impfstandort Laufenburg Ende Juli den Betrieb ein, dann läuft der Mietvertrag für die Räumlichkeiten aus. Wer sich bis jetzt dort angemeldet hat, werde bis zur Schliessung seine Termine für die erste und die zweite Impfung erhalten.

Der zweite Fricktaler Standort in Rheinfelden bleibt vorläufig in Betrieb. Es sei aber absehbar, dass vor allem die kleineren Impfstandorte früher oder später ihren Betrieb stark reduzieren oder einstellen müssen, hält der Kanton fest. In erster Linie hänge dies von der Nachfrage nach Impfungen ab.

Ob der Betrieb in bis dahin geschlossenen Impfzentren Anfang nächstes Jahr für die sogenannte Boosterimpfung wieder aufgenommen wird, sei derzeit noch nicht klar. Diese Nachimpfung soll einen längeren Impfschutz bewirken.

Impfungen im Drive-in, in Betrieben, an Schulen

Trotz der Schliessung des Standorts Laufenburg will der Kanton voraussichtlich ab Juli neue bewegliche Impfstandorte anbieten. Die etablierten Prozesse in den Impfzentren behalte man weiterhin bei. Mit den neuen Angeboten sollen aber vor allem Kurzentschlossene abgeholt werden, sagt Andreas Obrecht, der Leiter der kantonalen Impfkampagne. Niederschwellige, unkomplizierte Angebote könnten die Bereitschaft erhöhen, sich doch noch impfen zu lassen.

Andreas Obrecht.

Andreas Obrecht.

Britta Gut

Vorgesehen seien etwa Impfungen in Betrieben oder die Schaffung von Drive-ins, wie jener in Grenchen, oder auch sogenannte Walk-in-Angebote in den bisherigen Impfzenten. Damit wäre auch eine Impfung ohne Voranmeldung denkbar, schreibt der Kanton, weitere Einzelheiten gibt er noch nicht bekannt.

Auch die Jugendlichen nimmt das Gesundheitsdepartement bei den Impfungen jetzt in den Fokus. In Betrieben und in Schulen will man ab nach den Sommerferien impfen. In Schulen nur, falls dann ein Impfstoff für Kinder zugelassen ist. Das könnte aber durchaus der Fall sein, sagt Obrecht. «Es ist realistisch, dass bis nach den Sommerferien ein Impfstoff für Jugendliche zugelassen ist. Dann wollen wir vorbereitet sein.» Wie genau das Impfen an Schulen oder auch in Betrieben und Drive-ins ablaufen könnte, kann Obrecht hingegen noch nicht sagen. «So weit sind wir definitiv noch nicht», meint er.

Neue Konzepte in der Ausarbeitung

Daran, dass die Impfung freiwillig ist, änderten auch Impfungen in Schulen oder Betrieben nichts, versichert Obrecht. Auch würden die bewährten Prozesse in den Impfzentren grundsätzlich beibehalten.

«Wir überlegen uns aber verschiedene Konzepte, um gezielt weitere Personengruppen zu erreichen.»

Stand Mittwoch haben im Aargau 242'464 Personen eine erste Impfdosis verabreicht bekommen. 160'259 waren bereits ein zweites Mal geimpft. Das entspricht knapp 23,1 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung im Kanton. Diese Quote will der Kanton erhöhen. Ausser auf die Menge des verfügbaren Impfstoffs hängt das auch von der Impfbereitschaft der Aargauerinnen und Aargauer ab.

Wer noch auf der Impf-Warteliste ist

Viele Impfwillige hätten gewartet, weil sie älteren Menschen oder Risikogruppen den Vortritt lassen wollten. Das sei heute nicht mehr nötig, schreibt der Kanton. Personen über 65, Mitarbeitende im Gesundheitswesen und auch Vorerkrankte sind seit April 2021 geimpft. Über 70-Jährige hat es derzeit keine auf der Warteliste für die erste Impfung. 81 Prozent der über 80-Jährigen und 83 Prozent der 70–79-Jährigen sind mindestens einmal geimpft.

Auf den Wartelisten befinden sich derzeit vor allem Personen zwischen 30 und 60 Jahren. Von den 50–59-Jährigen sind 42 Prozent bereits mindestens einmal geimpft, 25 sind noch auf der Warteliste. Bei den 40–49-Jährigen sind 32 Prozent mindestens einmal geimpft und 23 Prozent auf der Warteliste ohne Termin. Von den 20–29-Jährigen sind erst 20 Prozent einmal geimpft. Erst weitere 17 Prozent sind auf der Warteliste. Wer noch nicht registriert ist, solle das noch nachholen, appelliert der Kanton.

Tests für Impfzertifikat laufen

Der Bund testet noch in diesem Monat erste Lösungen zur Einführung eines Impfzertifikats; auch der Kanton Aargau beteiligt sich an diesen Tests, wie der Kanton schreibt. Ziel dieser Tests ist die Klärung von offenen Fragen und der Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Ab dem 30. Juni findet schrittweise die Einführung des neuen Zertifikats statt. Es dokumentiert eine Covid-19-Impfung, eine durchgemachte Erkrankung und auch ein negatives Testresultat. Mehr dazu gibt die Impfkampagne ab Mitte Juni bekannt.

Mit einer zweiten App des Bundes soll das digitale Impfzertifikat überprüft werden können.

Mit einer zweiten App des Bundes soll das digitale Impfzertifikat überprüft werden können.

Bild: watson.ch

Derweil nehmen die Ansteckungen mit dem Coronavirus im Kanton weiter ab. Gestern meldete das Gesundheitsdepartement 30 laborbestätigte Neuansteckungen vom Vortag. Zum Vergleich: Eine Woche vorher meldete der Kanton 57 Fälle, vor zwei Wochen waren es 92. Am Mittwoch lagen insgesamt 21 Covid-Patientinnen und Patienten in Aargauer Spitälern, das sind drei weniger als ein Tag zuvor. Sieben Personen lagen wegen Covid-19 auf Intensivstationen. Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus wurden keine weiteren verzeichnet.