Fünfte Welle
Infektionen stiegen innert einer Woche um 40 Prozent – so sieht die Corona-Lage im Aargau aus

Die Fallzahlen steigen im Aargau. Der Überblick über die aktuelle Situation.

Mark Walther
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Die aktuellen Fallzahlen

Der Kanton Aargau meldet am Montag 703 Neuinfektionen für Freitag, Samstag und Sonntag. Das ist ein Anstieg von rund 40 Prozent im Vergleich zum vergangenen Montag. Die Reproduktionszahl (R-Wert) – die aktuellste datiert vom 31. Oktober – liegt bei 1,32 (Vorwoche: 1,42). Sie gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt.

Der Sieben-Tages-Durchschnitt steigt weiterhin stark, allerdings nicht mehr ganz so schnell wie Anfang November. Die Kurve wird den Höhepunkt der vierten Welle in den nächsten Tagen überschreiten.

Am meisten Fälle bei Kindern und Jugendlichen

Die 10- bis 19-Jährigen verzeichneten in der vergangenen Woche erneut am meisten Neuinfektionen.

Die Zunahme in den einzelnen Altersgruppen war nicht mehr ganz so rasant wie Anfang November. Bei den 60- bis 69-Jährigen haben die Infektionen im Vergleich zur Vorwoche am stärksten zugenommen (plus 53 Prozent). Bei den 10- bis 19-Jährigen beträgt die Zunahme 50 Prozent. Letzte Woche hatte sich ihre Fallzahl mehr als verdoppelt.

Die Situation an den Schulen

Vergangene Woche waren 73 Mischproben positiv (Vorwoche: 49), wie das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) mitteilt. Der Anteil positiver Mischproben liegt bei 2,22 Prozent. Zum Vergleich: Letzte Woche lag dieser Wert bei 1,96 Prozent und vor den Herbstferien bei 0,5 Prozent. Höher war er nach den Sommerferien mit 3 Prozent. Die Folge waren überlastete Test-Teams und Verspätungen bei den wichtigen Nachtests.

Senioren wieder stärker betroffen

Auf den ersten Blick beruhigend ist, dass bei den über 70-Jährigen am wenigsten Fälle auftreten. Doch der Schein trügt: Das Infektionsgeschehen verlagert sich derzeit nicht nur zu den Schülerinnen, sondern auch zu den Senioren. Die über 70-Jährigen wiesen letztmals im Januar so hohe Infektionszahlen wie vergangene Woche auf. Das ist von Bedeutung, weil diese Altersgruppe ein grösseres Risiko trägt, wegen einer Corona-Erkrankung hospitalisiert zu werden oder daran zu sterben.

Im Sommer war sie wesentlich weniger stark betroffen als jetzt. Das zeigt der folgende Vergleich: Zu Beginn der vierten Welle im Sommer ging weniger als ein Prozent der Fälle auf das Konto der über 80-Jährigen. In der jetzigen fünften Welle, die Mitte Oktober begann, liegt dieser Wert bei 3,3 Prozent.

Markant ist die Abnahme des Infektionsgeschehens unter den 20- bis 29-Jährigen: Im Juli waren fast vier von zehn Ansteckungen in dieser Gruppe. Im letzten Monat waren es noch 14,5 Prozent.

So alt sind die Hospitalisierten

Seit die Delta-Variante kursiert, ist auch das Risiko für jüngere Menschen gestiegen, wegen Corona im Spital zu landen – primär für Ungeimpfte. Das zeigte sich Ende Oktober, als von den 22 neu Hospitalisierten zehn unter 60 Jahre alt waren. Doch das Alter der Spitaleintritte schwankt von Woche zu Woche. So war in der ersten Novemberwoche nur noch eine von elf hospitalisierten Personen unter 60 Jahre alt. Eine Tendenz lässt sich aus diesen Zahlen nicht herauslesen.

Spitäler: Keine fünfte Welle – noch nicht, sagt KSA-Fux

Die Intensivstationen sind im Aargau zu 74 Prozent besetzt (Vorwoche: 82 Prozent). Auf dem Höhepunkt der vierten Welle lag dieser Wert bei 94 Prozent. Das Kantonsspital Aarau verschob nicht-dringliche Operationen und schuf zwei zusätzliche Intensivbetten. Covid-Fälle belegen derzeit 17,4 Prozent der Intensivbetten. Diese Angabe stammt vom Bundesamt für Gesundheit, das montags aktuellere Zahlen liefert als das Aargauer Gesundheitsdepartement.

Christoph Fux, Infektiologe des kantonsärztlichen Dienstes und am Kantonsspital Aarau, schrieb letzte Woche zur Situation in den Spitälern: «Der Anstieg der Fallzahlen ist auf den Intensivstationen im Aargau noch nicht spürbar.» Er relativierte jedoch: «Die Hospitalisierungen hinken jeweils den Fallzahlen hinterher, das war bisher in jeder Welle so.»

Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am KSA.

Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am KSA.

Britta Gut

Wo der Aargau im Kantonsvergleich steht

Intensivstationen: Der Aargau liegt am Montag mit einer Belegung von 74 Prozent knapp unter dem Durchschnitt aller Kantone. Am höchsten ist die Auslastung in Schaffhausen mit 100 Prozent, am tiefsten in Uri mit 17 Prozent. Es handelt sich hierbei allerdings um eine Momentaufnahme, die von Tag zu Tag schwankt.

Neuinfektionen: Hier ist der Aargau ebenfalls unter dem Durchschnitt platziert. Zentral- und Ostschweizer Kantone weisen die höchsten Fallzahlen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner auf.

Impffortschritt: Der Aargau liegt auch beim Impfen knapp unter dem Schweizer Durchschnitt. 73,1 Prozent der über 12-Jährigen sind doppelt geimpft. Schweizweit sind es 73,8 Prozent.

Wie viele Menschen sich für die Impfung entscheiden

Der Sieben-Tages-Durchschnitt der Erstimpfungen liegt bei 434 – und damit etwas höher als letzte Woche. Die nationale Impfwoche hatte also einen Effekt, allerdings nur einen geringen.

Vor zwei Monaten sah das noch anders aus: Am 8. September verhängte der Bundesrat die Zertifikatspflicht. Am darauffolgenden Tag bekamen 2680 Menschen ihre erste Dosis verabreicht.

In den sieben Tagen nach dem Bundesratsentscheid liessen sich rund 14'000 Menschen erstmals impfen. An diesen Wert kommt die Impfwoche bei weitem nicht heran.

Wie es mit den Impfdurchbrüchen aussieht

Während die Neuinfektionen zunehmen, wiesen die Verantwortlichen der Covid-19-Kampagne in einem Newsletter darauf hin, dass es bisher im Aargau nur sehr wenige Impfdurchbrüche gegeben hat. Zwischen dem 1. Januar und dem 31. Oktober dieses Jahres wurden kantonsweit gut 423'000 Personen vollständig geimpft. Im selben Zeitraum gab es 1550 bestätigte Infektionsfälle bei geimpften Personen.

Setzt man diese Impfdurchbrüche ins Verhältnis zu den total 32'435 Corona-Infizierten im Aargau zwischen Jahresbeginn und Ende Oktober, ergibt sich eine Quote von 4,8 Prozent. Die Dunkelziffer dürfte jedoch beträchtlich sein. Zum einen haben doppelt Geimpfte oft nur milde Symptome und lassen sich weniger testen. Zum anderen übermitteln Testzentren und Apotheken den Impfstatus nicht ans BAG. Ärzte und Spitäler liefern diese Information - behandeln in der Regel aber nur schwerere Fälle.

Von den 51 Erkrankten, die seit dem 21. August auf eine Intensivstation eingeliefert wurden, waren zwei vollständig geimpft (Stand 8. November).

Welche Gemeinden die höchsten Fallzahlen aufweisen

Obersiggenthal verzeichnete letzte Woche 68 Neuinfektionen und damit am meisten aller Gemeinden. In Suhr und Baden nahm die Zahl der Neuinfektionen ab.

Die Werte der einzelnen Gemeinden finden Sie auf dieser Karte:

Dieser Artikel erschien erstmals am 8. November und wurde am 15. November mit den neusten Zahlen aktualisiert.

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