Fall Pablo S.

Pablos Chef: «Er muss in zwei Welten leben»

Pablo S. - Der Entführer

Pablo S. - Der Entführer

Der Chef von Pablo S. kann es kaum fassen, dass sein Angestellter ein Mädchen vergewaltigte und entführte. Der Elektromonteur erledigte seine Arbeit tadellos und war eine begabte Führungskraft.

W. ist schockiert und kann es nicht glauben. «Er war doch so ein Top-Mann auf der Baustelle. Immer bestens organisiert und gut im Team integriert», sagt der ehemalige Chef W. über seinen langjährigen Mitarbeiter Pablo S. Am letzten Freitag wurde aber die dunkle Seite des Angestellten einer Elektroinstallationsfirma in Schlieren publik. Mit einem Babysitter-Auftrag lockte der 32-jährige Elektromonteur die 14-jährige M. am vergangenen Samstag in seine Wohler Wohnung und vergewaltigte sie . Pablo S. gab zu, dass er ein junges Mädchen missbrauchen wollte.

Pablos Chef W. schüttelt den Kopf und sagt: «Es gab keinerlei Anzeichen für so eine grausame Tat. Er muss in zwei Welten leben.»

«Gestörte Entwicklung»

Dieser Meinung ist auch der Zürcher Psychologe Thomas Steiner: «Pablo S. hat einerseits eine gestörte Entwicklung in der Beziehung zu Frauen und andererseits ein hohes Aggressionspotenzial.» Offenbar sei es ihm gelungen, dieses Problem im Berufsleben zu kontrollieren: «Er wusste, dass er viel Anerkennung bekommt, wenn er in diesem Bereich vorbildlich funktioniert.»

Trotzdem: Die gestörte Beziehung zu Frauen sei geblieben: «Es ist nicht normal, wenn sich ein 32-Jähriger für 14-jährige Mädchen sexuell interessiert.» Gleichaltrige Frauen machten ihm wohl Angst. «Als er die 14-jährige M. traf, konnte er sein aggressives Potenzial nicht mehr unter Kontrolle halten.» Das Mädchen hätte sich optimal Verhalten, meint Steiner: «Denn die Geschichte hätte auch tragisch enden können.»

Soll Kindsentführer Pablo S. verwahrt werden?

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Das Scheidungskind Pablo S. hatte schon eine schwierige Jugend. Trotzdem machte er eine Lehre in der Schlieremer Elektroinstallationsfirma, wo er bis vor kurzem arbeitete, wie sein Chef W. sagt: «Er ist in der Lehre nie negativ aufgefallen.» Nach seiner Ausbildung verliess er das Unternehmen vorerst, wurde Offizier in der Armee und geriet auf die schiefe Bahn: Im Kanton Zürich und Aargau beging er zahlreiche bewaffnete Raubüberfälle und weitere Delikte.

Er gab sich als Offizier aus

Bei einer seiner Taten in Oberrüti gab er sich 2002 als Offizier aus, fesselte sein 40-jähriges Opfer ans Bett und erpresste den PIN-Code ihrer Postkarte. Motiv: Geldnot. Nur zwei Wochen später überfiel er in Bad Zurzach einen Geschenkshop. Noch während des laufenden Strafverfahrens wurde er in Deutschland bei einem weiteren Überfall geschnappt. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte ihn schliesslich Ende 2005 zu drei Jahren Gefängnis.

Entführer Pablo S.: Das sagen ein ehemaliges Opfer und eine Babysitterin

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Als Pablo S. 2007 entlassen wurde, verhielt er sich über Jahre unauffällig. Seine ehemalige Lehrfirma stellte in wieder ein. «Man wollte ihm nochmals eine Chance geben», sagt W. Von Anfang an habe er sich gut integriert, so sein Chef: «Viele Mitarbeiter wussten von seiner kriminellen Vergangenheit. Das war aber kein Thema.» Pablo S. wurde auf grosse Baustellen geschickt, dort fiel er durch seine selbstständige und gut strukturierte Arbeitsweise auf: «In seinem Büro hatte er immer eine top Ordnung.» Zuletzt hatte er sogar sechs Mitarbeiter unter sich: «Das hat gut funktioniert. Er galt als streng.» Man habe gemerkt, dass er ein ehemaliger Offizier gewesen sei: «Pablo war sehr ehrgeizig. Er hätte sicher Karriere machen können.»

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