Feuerbrand
Nur die Südstaaten stehen noch in Flammen

Dieses Jahr wurden im Aargau insgesamt 32 Gemeinden Fälle von Feuerbrand entdeckt. Das scheint viel. Aber fakt ist: Ein Jahr zuvor waren es fast doppelt so viele.

Toni Widmer
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Feuerbrand breitet sich nur dann nicht weiter aus, wenn befallene Pflanzen, wie hier oberhalb von Muri, rigoros vernichtet werden. zvg Feuerbrand breitet sich nur dann nicht weiter aus, wenn befallene Pflanzen, wie hier oberhalb von Muri, rigoros vernichtet werden. zvg

Feuerbrand breitet sich nur dann nicht weiter aus, wenn befallene Pflanzen, wie hier oberhalb von Muri, rigoros vernichtet werden. zvg Feuerbrand breitet sich nur dann nicht weiter aus, wenn befallene Pflanzen, wie hier oberhalb von Muri, rigoros vernichtet werden. zvg

Mit dem überdurchschnittlich warmen Mai waren die klimatischen Bedingungen für eine weitere Ausbreitung des Feuerbrandes dieses Jahr auch im Aargau optimal. Dennoch kann Geri Busslinger, Leiter Pflanzenschutz im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, von einem ruhigen Jahr sprechen: «Im Rahmen der kantonsweit flächendeckenden Feuerbrand-Kontrollen haben wir bisher in 32 Gemeinden einen Befall entdeckt. 2010 waren bis Ende Jahr 63 Gemeinden vom Feuerbrand betroffen.»

Das Bakterium, erklärt Busslinger weiter, habe sich in Gebieten verbreitet, in denen schon in den vergangenen Jahren ein stärkerer Befall festgestellt worden sei. In der Einzelherdzone im nördlichen Teil des Kantons werde jede mit Feuerbrand befallene Pflanze von Gesetzes wegen gerodet und verbrannt. Mit dieser strikten Strategie könne der Feuerbrand wirksam kontrolliert werden.

Feuerbrand wütet im Freiamt

Dem Experten ist klar, dass Rodungen für die Besitzer mit Emotionen verbunden sind. Doch: «Wer sich darüber im Klaren ist, dass nur mit der Rodung die Pflanzen des Nachbarn oder die gesunden eigenen Obstbäume geschützt werden können, bringt Verständnis dafür auf.»

Sehen Sie, wo es überall den Feuerbrand gab

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Aargauer Zeitung

Nach wie vor nicht unter Kontrolle ist der Feuerbrand in den Aargauer Südstaaten: «Seit den starken Feuerbrandinfektionsjahren 07/08 konnte in den Befallszonen im südlichen Aargau das Bakterium nicht mehr ausreichend reduziert werden», erläutert Geri Busslinger.

Krankheit hat sich eingenistet

Im Sommer 2008 sei entschieden worden, dass in der Befallszone nicht mehr generell gerodet werden müsse, sondern auch mit Rückriss und Rückschnitt versucht werden könne, die Krankheit im Schach zu halten. Seither werde versucht, stark anfällige und befallene Obstsorten zu roden und weniger befallene Bäume zu sanieren.

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«Durch diesen Wechsel der Strategie», erklärt der Experte, «konnten zwar sehr viele befallene Bäume, insbesondere Hochstammbäume stehen gelassen werden. Das Bakterium wird jedoch damit weit weniger konsequent bekämpft. Die Krankheit ist eingenistet und führt bei jeder Infektionsmöglichkeit wieder zu neu befallenen Pflanzen.» Vom Feuerbrand befallene Bäume würden nie mehr gesund, sondern langsam absterben und seien bis zu ihrem endgültigen Tod in ein paar Jahren hochgefährliche Bakterienschleudern.

Bereitschaft zum Roden sinkt

Gerade im Oberfreiamt, wo der Befallsdruck aus dem stark betroffenen Kanton Luzern sehr hoch sei und dieses Jahr bisher am meisten Rodungen hätten vorgenommen werden müssen, sinke die Bereitschaft, befallene Bäume zugunsten der noch gesunden in der Umgebung auszumerzen. «Eine Rodung kann von Gesetzes wegen in der Befallszone nicht verfügt werden, es braucht die Einsicht vom Besitzer.

Nur mit gemeinsamer Strategie und konsequenten und massvollen Massnahmen zur Feuerbrand-Bekämpfung gibt es für den Obstbau im Freiamt eine Zukunft und macht die Neupflanzung von Kernobstbäumen Sinn», ist Busslinger überzeugt.

Streptomycin-Einsatz kaum nötig

Dank dem Erfolg der konsequenten Bekämpfungsstrategie musste im nördlichen Teil des Kantons 2011 keine Bewilligung für das umstrittene Spritzmittel Streptomycin erteilt werden. Trotzdem wurde in keiner Obstanlage mehr Feuerbrand festgestellt. Im südlichen Teil des Kantons wurde Streptomycin eingesetzt, allerdings auf einer vergleichsweise kleinen Fläche von 5,8 Hektaren.

Wie die anschliessenden Kontrollen zeigten, blieb dieser Einsatz ohne Auswirkungen auf die Bienenvölker. Aargauer Blütenhonig kann ohne Einschränkung vermarktet werden. Im Gegensatz zu anderen Kantonen, wo dieses Jahr grosse Mengen Honig wegen Streptomycin-Rückständen vernichtet werden musste. Davon 7,5 Tonnen allein im Kanton Thurgau.

Der Aargau agiert bei der Bekämpfung des Feuerbrandes bisher sehr erfolgreich. 2011 mussten nur 3,7 Prozent der Obstanlagen mit Streptomycin behandelt werden. In anderen Kantonen kam das Mittel in bis zu 80 Prozent der Anlagen zum Einsatz.

Keine Entwarnung

Dennoch geben die Pflanzenschützer keine Entwarnung. Zurzeit sei das Augenmerk neben den Kernobstbäumen besonders auf Weissdorn und Cotoneaster zu richten, sagt Busslinger. Die Hagelschläge in den vergangenen Wochen würden weitere Infektionen über die entstandenen Wunden am Holz begünstigen.

In Hagelschlag-Gebieten seien die Pflanzen deshalb von ihren Besitzern in den nächsten Wochen besonders gut zu beobachten und allfälliger Feuerbrandbefall dem zuständigen Kontrolleur in der Gemeinde zu melden. Infos: www.feuerbrand.ch.

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