Aargau
Nur der Kanton bekommt noch Salz

Zwei Monate lang war im letzten Winter das Salz knapp. Obwohl die Rheinsalinen im Sommer toujours produzierten, liefern sie bereits wieder zurückhaltend. Denn die Werkmeister haben ihre Lektion gelernt und kauften zur Sicherheit mehr Salz denn je.

Sabine Kuster und Toni Widmer
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 Winterdienst auf einem Trottoir in Lenzburg Foto Walter Christen
25 Bilder
 Winterdienst in Kuettigen Foto Walter Christen 17
 Schneepflug auf einer Aarauer Quartierstrasse Foto Walter Christen
 Schneepflug Telli Aarau Foto Walter Christen
 Schnee verwandelt diese Sitzbaenke und das Velo in Lenzburg in Skulpturen Foto Walter Christen
 Schneepflug in der Aarauer Telli Foto Walter Christen
 Schuelerinnen in der Aarauer Telli auf schneebedeckter Quartierstrasse unterwegs Foto Walter Christen
 Handarbeit ist gefragt hier bei einer Hauseinfahrt in Lenzburg Foto Walter Christen
 Hinter einer Schneemauer abgestellte Autos auf einem Parkplatz in Hunzenschwil Foto Walter Christen
 Hubsaplerschneepflug in Hunzenschwil Foto Walter Christen
 Freie Fahrt fuer den Intercity zwischen Lenzburg und Othmarsingen Foto Walter Christen
 Firmenparkplatz in Aarau wird vom Schnee befreit Foto Walter Christen
 Dino im Fricker Dinokreisel mit einem weissen Mantel und einer weissen Muetze Foto Walter Christen
 Es wird gepfluegt und gesalzen in der Lenzburger Altstadt Foto Walter Christen
 Dorfstrasse in Oberhof tief verschneit Foto Walter Christen
 Fahrzeuge im Schneegestoeber auf der Zufahrtsstrasse in die Aarauer Telli Foto Walter Christen
 Eingeschneites Auto in Hunzenschwil Foto Walter Christen
 Auf dem Zubringer zur Aarauer Telli Foto Walter Christen
 Auf dem Benken bei Oberhof im dichten Schneegestoeber Foto Walter Christen
 Autospur auf der Anfahrt zum Benken oberhalb von Kuettigen Foto Walter Christen
So sah der Aargau nach dem Schneesturm aus

Winterdienst auf einem Trottoir in Lenzburg Foto Walter Christen

«Unsere Lieferkapazitäten bei Auftausalz in den Säcken 25 kg und 50 kg sind für die Monate Dezember bis Februar weitgehend ausgeschöpft.» Dies schreiben die Schweizer Rheinsalinen auf der Internetsite «Winterdienst Schweiz». Bestellungen nehmen sie erst wieder für den März entgegen. Zudem heisst es: «Wir behalten uns vor, überdimensionierte Bestellungen zu kürzen!» Einzig nicht abgepacktes Auftausalz ist noch innert nützlicher Frist (25 Tagen) zu haben.

Erstaunlich, denkt der Laie, haben die Rheinsalinen aus dem letzten Winter nichts gelernt? Lag man im Sommer auf der faulen Haut? Keineswegs: «Die Salzproduktion lief den Sommer über auf Hochtouren», hatte Direktor Jürg Lieberherr letzte Woche gegenüber dem «Sonntag» gesagt. Während normalerweise in der warmen Saison nur eine von zwei Produktionslinien in Betrieb ist, wurde während des ganzen Sommers 2010 voll produziert; in den Salinen Schweizerhalle BL und Riburg AG täglich rund 2000 Tonnen.

Lager nicht voll

Dennoch waren die Lager der Rheinsalinen nicht voll, als im Oktober die ersten Schneeflocken bis ins Mittelland fielen. Der Grund: Die Grossisten und Werkmeister schweizweit hatten aus dem Salzdebakel gelernt und ihre Lager im Sommer bis unters Dach gefüllt. Viel Salz aus dem 200 Millionen Jahre alten Trias-Meer rieselte deshalb statt in den Saldome Riburg in Möhlin direkt in Salzsäcke und wurde verkauft.

Der Auffüllrückstand in den Rheinsalinen beträgt gegenüber dem Vorjahr 30 000 Tonnen, 45 000 Tonnen sind noch an Lager. Deshalb haben die Rheinsalinen schon jetzt die Kontingentierung wieder eingeführt. Pro Tag werden nur noch 3000 Tonnen ausgeliefert, und zwar nur an die kantonalen Werkhöfe, nicht mehr an Gemeinden.

Fridolin Vögeli, Leiter Strassenunterhalt beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, ist der «Mr. Salz» im Aargau. Er kriegt das gefragte Gut als Einziger im Kanton. Pro Arbeitstag sind es maximal 50 Tonnen, die er möglichst gleichmässig auf die sieben kantonalen Werkhöfe verteilt. «Ich schöpfe das Kontingent voll aus und hole, was zu holen ist», sagt er mit Blick auf den laufenden Monat, der bloss ein Vorgeschmack auf den restlichen Winter sein könnte.

Pech hat, wer kein eigenes Silo hat

Obwohl alle kantonalen Werkhöfe vor dem Winter randvoll mit Salz waren, sind sie nun schon zur Hälfte leer. «Es war ein ausserordentlicher Winterbeginn», sagt Vögeli, «ähnlich wie die Monate Januar und Februar im letzten Winter.»

Pech für jene Werkhöfe, die nicht über ein Silo oder bloss kleine Lagerräume verfügen - dort schielt man mit einem unguten Gefühl auf die schwindende Reserve.

Werner Huber, Bauverwalter in Würenlos, wollte bei den Rheinsalinen 15 Tonnen Salz nachbestellen, worauf man ihm beschied, die nächste Lieferung erfolge erst im März. Schneit es weiterhin so oft wie in den letzten Tagen, geht Würenlos Mitte Januar das Salz aus.

Vorsichtshalber lässt man dort schon jetzt den Nebenstrassen ihre weisse Decke und salzt vor allem noch die Bushaltestellen und Wege des öffentlichen Verkehrs. Zudem hat der Werkmeister in der Landi Würenlos eingekauft, was an Salz noch zu haben war.

Landi hat noch Salz

Doch nicht nur die Werkhöfe, auch die Landi-Filialen selbst haben sich im Dezember mit viel Salz eingedeckt, weil ungute Erinnerungen an den letzten Winter wach wurden: «Wir haben schon nur im Dezember 40 Prozent mehr Salz in die Schweizer Landi-Filialen geliefert als im ganzen Vorjahr», sagt Urs Moll, Vizedirektor der Landi Schweiz. Die Rheinsalinen haben der Landi Schweiz Lieferungen noch bis Mitte Januar zugesichert.

«Sollte sich dieser Winter ähnlich wie der letzte entwickeln, ist erneut mit Engpässen zu rechnen», heisst es beim «Winterdienst Schweiz». Mit dieser Meldung blasen die Rheinsalinen Wind auf die eigenen Mühlen, beziehungsweise können sie nun umso mehr damit rechnen, dass ihr Baugesuch für ein zusätzliches Salzlager in Riburg nächstens bewilligt wird.

Gegenwärtig beträgt die totale Lagerkapazität der Rheinsalinen 130 000 Tonnen. Mit dem Saldome 2 würden zusätzliche 100 000 Tonnen Lagerkapazität hinzukommen. Direktor Jürg Lieberherr sagt, damit werde die Schweiz künftig gewappnet sein. Selbst wenn zwei harte Winter aufeinander folgen. Der aktuelle Winter will aber erst noch überstanden sein mit weniger Reserve.

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