Spital Zofingen

Nur Anlage auf Zeit: Nach zwei Jahren sollen 170 Asylbewerber weg sein

Das alte Pflegezentrum des Spitals in Zofingen.

Das alte Pflegezentrum des Spitals in Zofingen.

Ab Dezember sollen bis zu 170 Asylbewerber in das alte Pflegezentrum in Zofingen einziehen. Vermieterin ist das Spital Zofingen. Dessen CEO will das Pflegezentrum so bald wie möglich wieder für eigene Zwecke verwenden.

Für Ordnung muss die Regionalpolizei an diesem Abend beim Zofinger Stadtsaal nicht sorgen. Dabei geht es um ein Thema, das die Zofinger so bewegt wie seit langem keins mehr. Ja, die Botschaft der Aargauer Sozialvorsteherin Susanne Hochuli hat gesessen.

Maximal 170 Asylbewerber sollen ab Dezember für maximal zwei Jahre im alten Pflegezentrum Zofingen einziehen. Aufgestanden sind in der Folge viele, sie äusserten Bedenken und Kritik. Zum Zofinger Stadtsaal gepilgert sind dann rund 300 bis 400 Interessierte aus der Region. Im direkten Kontakt mit den Verantwortlichen von Kanton, Stadt und Spital wollen sie besser verstehen, offene Fragen klären oder auch nur ihren Unmut äussern.

«Wir sind hier nicht an einer Diskussions-, sondern an einer Informationsveranstaltung», macht Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger gleich zu Beginn deutlich. «Bitte formulieren Sie Ihre Fragen prägnant, damit wir möglichst viele Voten behandeln können.»

Stadtrat Dominik Gresch (rechts) erläutert, flankiert von Susanne Hochuli (links) und Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger,wie er die 30 bis 50 Kinder unterzubringen gedenkt. mif

Stadtrat Dominik Gresch (rechts) erläutert, flankiert von Susanne Hochuli (links) und Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger,wie er die 30 bis 50 Kinder unterzubringen gedenkt. mif

Was darauf folgt, ist zuerst einmal nahrhafte Information zum Asylzentrum im alten Pflegeheim Zofingen. Ab 10. Dezember soll es die ersten Familien aufnehmen. Die Körpersprache von Regierungsrätin Susanne Hochuli, Cornelia Breitschmid (Kantonaler Sozialdienst), Spital-CEO Christian Reize, Gastgeber Hans-Ruedi Hottiger und des für Soziales zuständigen Stadtrats Dominik Gresch ist leicht angespannt, abwartend. Die Veranstaltung dauert zwei Stunden. Das Wesentliche in geraffter Form:

1. Sind es 170 Asylbewerber, die ab 10. Dezember nach Zofingen ins alte Pflegezentrum kommen werden?

Susanne Hochuli relativiert: «Es sind ja Familien vorgesehen. Bei deren Platzbedarf rechnen wir insgesamt mit 150 oder gar noch weniger Personen.»

2. Wie lange bleiben die Asylbewerber nun wirklich? Werden sie nach Ablauf von maximal 2 Jahren das Pflegezentrum wirklich wieder räumen?

Christian Reize, CEO des Spitals Zofingen, erntet viel Geraune, als er sagt: «Wir haben einen Vertrag für ein Jahr abgeschlossen. Die Verlängerungsmöglichkeit besteht für ein Jahr respektive bis zur definitiven Umnutzung.» Er antwortet aber auch prompt auf die Stimmung im Saal. «Wir sind Vermieter. Am liebsten wär es uns, wir hätten das Gebäude schon nach einem Jahr wieder zur Verfügung. Wir haben konkrete Pläne mit dem Gebäude und möchten dieses für den Spitalbetrieb nutzen können.» Hans-Ruedi Hottiger bestätigt unmissverständlich: «Wir werden extrem Druck machen, dass das Bauvorhaben rasch in die Umsetzung geht. Wir brauchen ein gut ausgebautes Spital Zofingen. Für uns ist das ein entscheidender Standortfaktor. Wenn nicht spätestens in zwei Jahren die Bagger auffahren, haben wir ein Problem.» Die Stimmung im Saal beruhigt sich wieder etwas.

3. Wo werden die Asylbewerber nach Aufgabe des Pflegezentrums platziert? Gibt es bereits Überlegungen dazu?

Susanne Hochuli verdeutlicht, dass die vorläufig Aufgenommenen in die Gemeinden verteilt werden, sofern sich dort für sie erschwinglicher Wohnraum findet. «Die abgewiesenen Bewerber müssen die Heimreise in ihr Ursprungsland antreten.» Der Kanton nötige den Gemeinden – abgesehen von den kantonalen Unterkünften – mit der aktuellen Praxis keine Bewerber auf. Eine Verschärfung der gesetzlichen Grundlage für die Unterbringung sei aber vorgesehen.

4. Wie werden die Räumlichkeiten möbliert und ausgestattet? Wer bezahlt?

Helping Man Marcel Steffen ärgert sich: Er hat für das Asylzentrum Zofingen Möbel angeboten, ist aber auf taube Ohren gestossen, Einwohnerrat Mike Müller stösst ins selbe Horn. Weder Susanne Hochuli noch Cornelia Breitschmid vom KSD wissen davon. Susanne Hochuli betont, dass sie gerne Spenden von Kleidern, Spielsachen und Möbeln entgegennehme. «Viele Möbel sind leider nicht mehr modern und schwer einsetzbar.» Diese Bemerkung erntet Gemurmel im Saal. Aber Hochuli fährt unbeirrt fort. «Es ist nicht das, was Sie meinen.» Für die optimale Ausnutzung im Pflegezentrum könne der Kanton keine massiven Wohnwände und schwere Betten einsetzen. «Da braucht es eher einfache und platzsparende Kajütenbetten.»

5. Wie gedenkt der Kanton, das Zusammenleben mit den Asylsuchenden zu gestalten und zu koordinieren?

Laut Cornelia Breitschmid ist eine Begleitgruppe mit Stadtbehörden, Schule, Polizei, Kirchenvertretern und Bevölkerung vorgesehen. «Unsere Erfahrungen damit sind positiv, so auch in Suhr, wo die kantonale Unterkunft mit 130 Asylbewerbern mitten in einem Quartier platziert ist. Wir haben dort sogar gemeinsam mit der Bevölkerung einen Spielplatz realisiert.» Probleme hätten sie dort kaum. «Und wenn es welche gibt, ist das Betreuungsteam für Sie da.» Sie sei sowohl am Tag wie auch nachts im Einsatz. Eine verunsicherte Votantin, die um ihre Sicherheit fürchtet, fordert Breitschmid dazu auf, aktiv bei der Begleitgruppe mitzumachen.

6. Wie werden die Kinder eingeschult? Wer bezahlt die Kosten für die Schüler und Räumlichkeiten?

Dominik Gresch betont, dass die Kinder und Jugendlichen zuerst einen drei- bis sechsmonatigen Einschulungsvorbereitungskurs (EVK) durchlaufen. Dieser finde in Aarau und Untersiggenthal statt. Erst dann kämen sie nach Zofingen. Hier gelte es dann, spezielle Klassen zu bilden, da die aktuellen Regelklassen voll seien. Er weiss Positives zu berichten: «Wir haben bezüglich der Finanzen eine für Zofingen sehr vorteilhafte Lösung ausgehandelt. Der Kanton hat sich dazu bereit erklärt, die Kosten der Lehrpersonen zu übernehmen.»

7. Wann genau ist der Stadtrat informiert worden?

Hans-Ruedi Hottiger dazu: «Regierungsrätin Susanne Hochuli hat mir das Vorhaben am 21. 10. am Abend telefonisch mitgeteilt. Also nach der Einwohnerratssitzung tags zuvor. Am 22. Oktober habe ich die Stadtratskollegen informiert. Anschliessend haben wir die Sache während Stunden diskutiert.» Der Stadt sei es wichtig gewesen, dass vor allem Familien nach Zofingen kommen.

8. Hat Susanne Hochuli Spital-CEO Christian Reize unter Druck gesetzt?

Sie sagt: «Auf unsere Anfrage mussten wir mit einem negativen Bescheid rechnen.» Christian Reize erläutert: «Wir haben aus freien Stücken entschieden. Wir waren bereit, das alte Pflegezentrum gegen Miete für eine Zwischennutzung zur Verfügung zu stellen.»

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