Arbeitslose
Nicht zwischen Stuhl und Bank fallen

Die Stiftung Wendepunkt sormt mit neuer Beschäftigung für Ausgesteuerte.

Urs Moser
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Städte und Gemeinden standen der Revision der Arbeitslosenversicherung skeptisch gegenüber, weil durch die Leistungskürzungen eine Verlagerung von Kosten auf die Sozialhilfe zu befürchten ist. Jetzt soll zumindest verhindert werden, dass nicht auch noch der Anreiz wegfällt, Sozialhilfebezüger in Beschäftigungsprogrammen zu platzieren.

Kein Arbeitslosengeld mehr

Bis jetzt war es nämlich so, dass mit einer 12-monatigen Teilnahme an einem Programm eine neue Rahmenfrist bei der Arbeitslosenversicherung erarbeitet werden konnte. Auch wenn es nicht gelang, jemanden wieder in den freien Arbeitsmarkt zu integrieren, war es für viele Gemeinden attraktiv, solche Programme zu finanzieren: Die Teilnehmer hatten dann neben der Arbeitstagesstruktur wieder Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung, was die Sozialhilfebudgets entlastete. Damit ist nach Annahme der Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes Schluss.

«Es besteht die Gefahr, dass auf Sozialhilfe angewiesene Personen jetzt noch weniger Chancen bekommen, ihre beruflichen Qualifikationen unter Beweis zu stellen, um sich wieder in den Arbeitsmarkt integrieren zu können», sagt Sascha Lang, Geschäftsführer der Stiftung Wendepunkt. Die Stiftung Wendepunkt gehört zu den Anbietern entsprechender Programme und hat sich überlegt, wie auf ein Ja des Stimmvolks zur Revision der Arbeitslosenversicherung reagiert werden kann.

Ab nächstem Jahr stellt sie eine modifizierte Angebotspalette zur Verfügung, deren Grundstruktur mit den anderen Anbietern zusammen erarbeitet wurde. Neben einem neuen, niederschwelligen Arbeitsangebot geht es um die so genannten Teillohnstellen.

Sie sind gedacht für Ausgesteuerte, die selbst bei guter Wirtschaftslage keine Anstellung im Arbeitsmarkt finden, da sie beim in der freien Wirtschaft geforderten Tempo der Auftragserfüllung nicht mithalten können. Sie sollen dennoch einer geregelten Arbeit nachgehen und sich einen ihrer Leistungsfähigkeit entsprechenden Lohn selbst erarbeiten können.

Solche Leute erbringen erstaunliche Leistungen. Zum Beispiel fertigen sie beim Verein Lernwerk aufwendige Seidenkrawatten-Kollektionen. Die Stiftung Wendepunkt bietet Arbeitsplätze unter anderem im Recycling, Zügelservice oder bei der Montage an. Der neu aufgetauchte Haken an der Sache: Die erwirtschafteten Erträge reichen meistens nicht aus, um die Arbeitsplatzkosten zu decken.

Die Gemeinden müssen deshalb einen so genannten Strukturbeitrag von 800 bis 1000 Franken pro Monat und Programmteilnehmer bezahlen. Fällt die Möglichkeit weg, sich in den Programmen wieder einen Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung zu erarbeiten, dürfte auch das Interesse der Gemeinden sinken, Sozialhilfebezüger in die Programme zu vermitteln.

Neue Partner gefunden

Deshalb bietet die Stiftung Wendepunkt ab nächstem Jahr Teillohn-Stellen an, ohne dass die Gemeinden dafür einen Strukturbeitrag leisten müssen. Möglich ist das, weil man einen neuen Partner in der Privatwirtschaft gefunden hat. Die auf die Herstellung von Aluminium-Gussteilen spezialisierte Firma Metalyss aus dem bernischen Lyss zum Beispiel holt ins Ausland ausgelagerte Arbeiten in die Schweiz zurück und lässt bei Wendepunkt Verputzarbeiten von Gussstücken durchführen. Das Angebot daraus entstehender Teillohn-Arbeitsplätze ist vorerst auf gewisse Arbeitsbereiche beschränkt.

Wendepunkt-Geschäftsführer Sascha Lang ist aber guter Dinge, dass dem guten Beispiel weitere folgen werden und das Angebot ausgebaut werden kann.