Alle Schülerinnen und Schüler kennen den Paragrafen 38 des Schulgesetzes des Kantons Aargau: Sie haben Anspruch auf einen freien Schulhalbtag pro Quartal.

Nun hat der Regierungsrat enschieden, dass es zu einer Flexibilisierung des Paragrafen 38 kommt. «Die Schulpflege kann bestimmen, dass die pro Schuljahr anfallenden freien Schulhalbtage zusammengefasst bezogen werden dürfen», heisst es in einer Stellungnahme.

Irène Richner vom Departement Bildung, Kultur und Sport erklärt, was sich für Schüler konkret ändert. «Bisher galt, dass Schüler einen halben Tag pro Quartal unbegründet frei machen dürfen. Die Schulpflegen können nun aber gemäss Verordnung erlauben, dass alle vier Halbtage des Jahres am Stück bezogen werden können. Konkret können Schülerinnen und Schüler also zwei Tage am Stück frei machen.» Sie ergänzt: «Jeder Schulpflege steht es aber frei, zu entscheiden, ob die neue Möglichkeit angewandt werden soll.» Eine weitere Einschränkung: Die Schulpflege kann bestimmen, dass bei besonderen Schulanlässen oder an Prüfungstagen keine freien Schulhalbtage bezogen werden dürfen.

«Motion vergeblich eingereicht»

Eine Motion zum Paragrafen 38 eingereicht hatte im Grossen Rat Barbara Portmann-Müller von der Grünliberalen Partei (GLP). Der Regierungsrat hat diese Motion nun entgegen genommen - und gleich wieder abgeschrieben. Denn die neue Verordnung über die Volksschule trat bereits am 1. August 2013 in Kraft.  «Es handelt sich um eine Doppelspurigkeit, die Motion und die neue Verordnung wurden gleichzeitig erarbeitet», erklärt Irène Richner. «Im Prinzip haben wir die Motion vergeblich eingereicht», sagt Motionärin Portmann-Müller. «Da diese Bestimmung im Rahmen des Pakets Stärkung der Volksschule politisch nicht diskutiert wurde, war diese geplante Änderung weder mir noch meinen Mitunterzeichnenden noch weiteren involvierten Personen bewusst.» Die Kosten für die Beantwortung des Vorstosses betragen gemäss Mitteilung des Regierungsrates 956 Franken.

Portmann: «Grundsätzlich zufrieden mit Entscheid»

Grundsätzlich zeigt sich Portmann zufrieden mit dem Entscheid des Regierungsrates. Sie und die Motionäre hätten eine Gesetzesänderung bevorzugt. «Nun ist aber bloss die Verordnung geändert worden. Jede Schulpflege kann selber bestimmen, ob die Schulhalbtage kumuliert bezogen werden dürfen. In unserem Vorschlag wäre das gesetzlich erlaubt gewesen. Die Folge ist nun, dass nicht in allen Gemeinden des Kantons dieselben Regeln gelten müssen.»

In einem Punkt sei der Regierungsrat aber sogar weiter gegangen, als dies in der Motion gefordert gewesen war. Die Motion sah vor, dass Schüler nicht nur wie bisher einen halben Tag pro Quartal, sondern kumuliert einen ganzen Tag pro Semester frei machen dürfen. «Die Schulpflegen können nun gemäss Verordnung bestimmen, dass sogar alle vier Halbtage am Stück bezogen werden. Es ist also möglich, zwei Tage am Stück frei zu machen.»