Die letzte Ruhestätte

Nach 25 Jahren endet die ewige Ruhe

Friedhofsgärtner Beat Frei : «Die 57 Gräber müssen bis Mitte April geräumt sein.»

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Friedhofsgärtner Beat Frei : «Die 57 Gräber müssen bis Mitte April geräumt sein.»

Seit 1980 gibt es den Friedhof Papprich; bei einigen Gräbern ist die Grabesruhe von 25 Jahren abgelaufen. Deshalb kommt es dieses Jahr zur zweiten Räumung nach 2009.

Das Leben ist vergänglich. Ebenso ist es in den meisten Fällen mit den auf den Friedhöfen sichtbaren Erinnerungen an einen Menschen. Denn in vielen Gemeinden des Kantons Aargau endet die Grabesruhe nach rund 20 bis 25 Jahren. Nach Ablauf der Grabesruhe werden die Gräber geräumt, die Grabsteine entfernt und wieder neuer Rasen angesät.

So auch in Neuenhof, wo die Besucher des Friedhofs Papprich bei den betroffenen Gräbern mit weissen Hinweistafeln über die bevorstehende Räumung informiert werden. «Damit wollen wir den Angehörigen ermöglichen, die Gräber selber zu räumen, falls dieser Wunsch besteht», erklärt Raffaele Briamonte, stellvertretender Gemeindeschreiber von Neuenhof und zuständig für das Bestattungswesen. Doch so oft käme das gar nicht vor. «Bei der ersten Räumung vor zwei Jahren - betroffen waren 63 Grabfelder - wurden nur gerade 6 Grabsteine von Privaten mitgenommen», sagt Briamonte. «Für die Räumung der 57 Gräber dieses Jahr sind noch gar keine Anfragen eingegangen.»

Angehörige reagieren mit Verständnis

Eine private Räumung muss der Gemeinde bis Ende März gemeldet werden. Wichtig: «Angehörige, die den Grabstein durch Dritte entfernen lassen, haben diesen einen schriftlichen Auftrag zu erteilen, welcher der Gemeinde vorzuweisen ist», so Briamonte. «Grabfelder, die bis Ende März nicht entfernt worden sind, werden durch die Gemeinde geräumt.» Das koste die Privaten jedoch nichts, ergänzt Briamonte.

Bereits im Oktober habe man die Hinweistafeln angebracht. «Wir wollen auch die Angehörigen informieren, die das Grab nur sehr selten besuchen», sagt Briamonte. Sei die Gemeinde im Besitz der Adresse, schreibe man die Angehörigen aber direkt an. Die Reaktionen der Angehörigen fielen meist verständnisvoll aus, so Briamonte. «Natürlich gibt es auch solche, die die Grabesruhe gerne verlängern würden, aber da sind uns leider die Hände gebunden.» Erstaunlich: Laut Briamonte gebe es auch das Gegenteil - Angehörige, die für ihre Verstorbenen lieber eine kürzere Grabesruhe anstatt der 25 Jahre hätten.

Ausgegraben wird nicht

Alle Zwei Jahre sollen nun auf dem Friedhof Papprich Gräber geräumt werden, die das 25-Jährige erreichen. Betroffen sind dieses Jahr 32 Erdbestattungs-, 23 Urnen- und 2 Kindergräber. «Das Ziel ist, immer gleich ganze Reihen zu entfernen, damit der Friedhof auch nach der Räumung eine gute Gattung macht», erklärt Briamonte.

Ausführen wird die Arbeiten Beat Frei, der in Neuenhof seit knapp zwei Jahren als Friedhofsgärtner verantwortlich zeichnet. «Wir entfernen nur die Grabsteine und -platten sowie die Bepflanzung», sagt Frei. Damit hat es sich. Ausgegraben werde nicht. Selbst wenn man das tun würde, käme nach 25 Jahren fast nichts mehr zum Vorschein. «Vom Holzsarg würde man nach so einer langen Zeit nichts mehr sehen», hält Friedhofsgärtner Frei fest.

Doch was passiert mit den geräumten Grabfeldern? Es wächst sprichwörtlich Gras darüber. «Die geräumten Felder besäen wir mit Gras und lassen sie für die nächsten 10 bis 20 Jahre unbenutzt», sagt Frei. Weil der Friedhof 2003 erweitert worden sei, habe man genügend Freiflächen. Die Gräber werden nach dem Prinzip der «Wechselnutzung» angebracht, erläutert Frei. «In 10 bis 20 Jahren wird aus einem Urnen- ein Erdbestattungsgrab und umgekehrt.»

Grabstein im Garten

Seit 1980 sind auf dem Friedhof Papprich 1098 Menschen beerdigt worden. Fast ebenso viele Grabsteine stehen im Friedhof. «Bei der letzten Räumung hat ein Angehöriger den Stein geholt und bei sich in den Garten gestellt», sagt Raffaele Briamonte. Andere Angehörige hätten auch schon die Gravuren aus dem Stein gebrochen.

Steine, die von den Angehörigen nicht selber geräumt würden, entsorge die Gemeinde - und zwar fachgerecht, wie Friedhofsgärtner Frei betont. «Die Steine werden zu grobem Kiesel verarbeitet, der dann für den Strassenunterbau Verwendung findet.»

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