Murgenthal
Murgenthalerin wird 102 Jahre alt: Vor zwei Jahren las sie noch ohne Brille

An der Geburtstagsfeier von Josefa Graber-Pendl im Alterszentrum Moosmatt in Murgenthal waren vier Generationen anwesend. Sie feierte ihren 102. Geburtstag.

Klaus Plaar
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Josefa «Josy» Graber-Pendl nimmt die Grüsse zum 102. Geburtstag von Gemeindeammann Max Schärer und Gemeinderätin Andrea Combertaldi entgegen.K.P.

Josefa «Josy» Graber-Pendl nimmt die Grüsse zum 102. Geburtstag von Gemeindeammann Max Schärer und Gemeinderätin Andrea Combertaldi entgegen.K.P.

Josefa «Josy» Graber-Pendl wurde am 16. März 1911 in einem kleinen Dorf in der Steiermark geboren.

Nun durfte sie im Alterszentrum Moosmatt ihren 102. Geburtstag feiern.

Die Jubilarin konnte selbst keine Kinder haben, hatte aber Pflegekinder und die Adoptivtochter Anni, die von der Jubilarin und ihrem zweiten Ehemann Otto Graber adoptiert worden ist. An der Geburtstagsfeier in der «Moosmatt» waren mit den Enkelkindern Fabiola und Patrick und dem Urenkel Silas vier Generationen anwesend.

Gemeindeammann Max Schärer und Gemeinderätin Andrea Combertaldi überbrachten die Grüsse der Gemeinde Murgenthal, verbunden mit einem Blumen-Bouquet und einem offiziellen Gratulationsschreiben. Geschenke und Geburtstagsgrüsse kamen auch von der Familie und den Bekannten in der Schweiz und in Österreich.

Josefa «Josy» Graber-Pendl war das Drittälteste von zwölf Kindern und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Die Geschwister mussten ihre Eltern noch per Sie anreden.

Da es im Haus nur eine Petrollampe gab, gingen die Kinder immer früh ins Bett, und zwar sechs Kinder pro Schlafzimmer und je zwei pro Bett. Der Schulweg zu Fuss dauerte eine Stunde. Bei viel Schnee im Winter fiel die Schule aus.

Als Schulkind hat die Jubilarin gerne bei Theateraufführungen mitgemacht. Alle Kinder mussten tatkräftig helfen auf dem kleinen Bauernhof.

Das Gras und Heu für das Vieh wurde auf dem Kopf nach Hause getragen. Die Mutter hatte meistens acht bis zehn Roggenbrote für zirka 14 Tage gebacken; es wurde erst wieder gebacken, wenn alles Brot aufgegessen war.

«Heiraten oder heim»

Nach der Schule arbeitete die Jubilarin als Dienstmädchen auf verschiedenen Bauernhöfen. Mit 24 Jahren kam sie in die Schweiz, wobei ihre Habseligkeiten in einer Tasche Platz hatten.

Im «Dörfli» Riken pflegte sie zunächst die Mutter ihres späteren Gatten Samuel Siegrist und half auf dessen Hof. Als nach einem Jahr die Aufenthaltsbewilligung abgelaufen war, hiess es: «Heiraten oder heim».

So kam es zur ersten Ehe mit Samuel Siegrist, der neun Jahre später verstarb. Danach führte die Jubilarin drei Jahre lang alleine den Hof in Riken, mit Unterstützung von Nachbarn und Pflegekindern. 1949 heiratete sie ihren zweiten Mann Otto Graber.

Josy Graber-Pendl hegte speziell ihre Blumen, den Garten und ihre Hühner. Nach einem Oberschenkelhalsbruch kam sie 2004 ins Alterszentrum Moosmatt. Seit zwei Jahren ist sie auf den Rollstuhl angewiesen, bewegt sich damit aber gekonnt.

Bis zu ihrem 100. konnte sie noch ohne Brille lesen, hingegen hat die Hörkraft stark nachgelassen. Das Tagesgeschehen und Sendungen über Mensch und Natur verfolgt die Jubilarin immer noch aufmerksam am Fernseher.

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