Als gefährdet erschienen ihm die persönliche Integrität als Menschenrecht und die geistige Grundlage einer Gesellschaft, insbesondere das Vertrauen, sagte Leuenberger laut Redetext.

So seien die mediale Verurteilung und Vorverurteilung, das Mobbing im Internet bei weitem einschneidender und vernichtender als etwa eine gerichtlich verhängte Busse oder bedingte Freiheitsstrafe. Leuenberger sprach in diesem Zusammenhang von einem «medial existierenden Absolutismus».

Er stellte auch eine zunehmende Unmöglichkeit der Bürger fest, ihr Vaterland gestalten zu können. Die globalisierten, kaum kontrollierten Finanzmärkte beraubten Bürgerinnen und Bürger ihres demokratischen Selbstbestimmungsrechtes.

Der alt Bundesrat erinnerte daran, dass ohne Vertrauen unter den Menschen kein Staat funktionieren könne. Nur Kultur, Tradition oder auch Religionen könnten die Menschen zu treuem Verhalten bringen. Deswegen seien in diesen Bereichen Freiräume zu gewähren.

«Demokratiepreis» zum Jubiläum

In einer Zeit polarisierender Auseinandersetzung sei es wichtig, eine Forum der Diskussion zu erhalten und damit den Gemeinsinn zu fördern, sagte die NHG-Präsidentin, alt Ständerätin Christiane Langenberger, bei ihrem letzten Auftritt in dieser Funktion.

An der Versammlung vom Samstag wurde per Akklamation Ständerat Hans Stöckli (SP/BE) zu ihrem Nachfolger gewählt. Seine Ziele präsentiert der neue Präsident im April, wie er auf Anfrage sagte.

Zum 250-Jahr-Jubiläum rief die NHG den «Demokratiepreis» ins Leben. Er soll mindestens alle zwei Jahre für besondere Verdienste, innovative Beiträge zum Funktionieren der rechtsstaatlichen Demokratie ausgerichtet werden.

Der Preis trägt den Namen Albert Oeri. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges war Oeri Chefredaktor der «Basler Nachrichten» und Nationalrat. Er habe in dieser Funktion, wie Wenige seiner Zeitgenossen, Zivilcourage bewiesen im Einsatz für eine humanere Flüchtlingspolitik und im Kampf gegen die Pressezensur, hiess es.

Aufklärerisch gesinnte Köpfe

Die Helvetische Gesellschaft wurde im Jahr 1762 von aufklärerisch gesinnten Köpfen der alten Eidgenossenschaft in Bad Schinznach AG gegründet. Sie vereinigte zahlreiche Anhänger aus unterschiedlichen konfessionellen und politischen Lagern.

Ihre Ideen gewannen bei den Umwälzungen im Nachgang zur Französischen Revolution bis hin zur Gründung des Bundesstaats von 1848 grossen Einfluss bei der Erneuerung und Demokratisierung des Staats.

Die Neue Helvetische Gesellschaft trat im vergangenen Jahrhundert in die Fussstapfen der Helvetischen Gesellschaft. Diese will gemäss Programm den Dialog zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Sprachgemeinschaften und Sozialpartnern fördern.

Die NHG nehme damit ihre historische Aufgabe wahr und trage dazu bei, die Schweiz vorwärts zu bringen, sagte der Aargauer Landammann Urs Hofmann an der Jubiläumsfeier: «Viele der demokratischen Errungenschaften sind aber gefährdet, wenn wir sie nicht stets von neuem einfordern und dafür einstehen». (sda)