Zofingen
Mordfall Brittnau: Haben sich Beschuldigter und Mordopfer gekannt?

Der mutmassliche Mörder des Brittnauers Willi M. muss sich vor dem Bezirksgericht verantworten. Ihm droht lebenslange Haft.

Nora Bader
Merken
Drucken
Teilen
Willi M. wurde im April 2012 in seinem damaligen Haus an der Fennernstrasse in Brittnau auf brutale Art und Weise umgebracht.

Willi M. wurde im April 2012 in seinem damaligen Haus an der Fennernstrasse in Brittnau auf brutale Art und Weise umgebracht.

ran

In der Nacht auf den 15. April 2012 soll der damals 63-jährige Willi M. in seinem Haus an der Fennerstrasse in Brittnau von einem heute 31-jährigen Asylsuchenden aus Marokko brutal niedergeschlagen worden sein. Willi M. erlag in derselben Nacht seinen Verletzungen. Gemäss «Blick» von gestern sollen die Motive für die Tat Sex und Geld gewesen sein.

Das Bezirksgericht Zofingen gab auf Anfrage Details aus der Anklageschrift bekannt. In der Tatnacht habe der Beschuldigte das Opfer in seinem Haus aufgesucht. In der Küche habe man gemeinsam Bier getrunken. Darüber, ob sich die beiden schon vorher kannten, wird aber erst an der Gerichtsverhandlung Klarheit geschaffen.

«Schnell haben sich Willi M. und der Asylsuchende geeinigt, ‹geschlechtlich miteinander zu verkehren›», steht in der Anklageschrift. Im Schlafzimmer habe Willi M. sich entkleidet. Darauf habe ihn der Beschuldigte überraschend attackiert. Er soll Willi M. mehrere heftige Schläge verpasst und ihn mit einem Leintuch gefesselt haben.

Mit einem Holzstück habe er dann auf das Opfer eingeschlagen bis es am Boden lag. «Darauf schleifte der Beschuldigte Willi M. in ein angrenzendes Büro, um dort nach Wertsachen zu suchen», steht weiter in der Anklageschrift.

Schliesslich habe der Beschuldigte den Brittnauer in den Boilerraum befördert und ihm weitere Schläge verpasst, «um ihn zu töten». Der Beschuldigte brachte aber laut Aussage der Staatsanwaltschaft vom Dezember gegenüber dieser Zeitung vor, «in Notwehr» gehandelt zu haben. Das Bezirksgericht kann sich dazu derzeit nicht äussern.

Nachdem der Beschuldigte weiter brutal auf das Opfer eingeschlagen und es gefoltert habe, sei der Täter mit einer Geldkassette, Bankkarten und einem Bankschliessfachschlüssel geflüchtet. Das Opfer habe den Todeskampf nach mehreren Minuten verloren.

Die Staatsanwaltschaft erhob beim Bezirksgericht Zofingen Anklage gegen den Beschuldigten wegen Mord, Raub und weiteren Delikten wie illegale Einreise oder Konsum von Betäubungsmitteln.

Verhaftet worden war der Marokkaner in der Asylunterkunft in Muri im Freiamt, vier Tage nach dem Tötungsdelikt. In einem vorherigen Verfahren hatte der Asylbewerber seine Fingerabdrücke abgeben müssen. Die Abdrücke führten bei den Ermittlungen auf die Spur des Mannes. Er befindet sich seit Januar 2013 im vorzeitigen Strafvollzug.

Dem Täter droht wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft wird erst an der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Zofingen bekannt gegeben. Die Verhandlung findet voraussichtlich am 24. und 25. Juni statt.