Er sieht aus wie der ideale Schwiegersohn und lächelt stets in die Kamera. Beim Moderieren von Tele M1 Aktuell rutscht ihm auch immer wieder mal ein lockerer Spruch über die Lippen. Doch damit ist es nun vorbei. Der Moderator David Kaufmann verlässt den Regionalsender Tele M1. «Ich habe mich in den letzten Jahren mit zwei Jobs überarbeitet. Ich möchte nun auch mal wieder freie Tage geniessen und meine sozialen Kontakte auffrischen», sagt Kaufmann mit einem gequälten Lächeln.

Vor 1,5 Jahren hat Kaufmann Radio Inside gegründet. Seitdem arbeitete er sowohl für das Radio wie auch Tele M1. Diese Doppelbelastung setzte ihm je länger, je mehr zu. Er arbeitete sieben Tage in der Woche und merkte, dass es so nicht mehr weitergeht. «Das Radio lief gut an, aber ich brauche mehr Zeit. Davon habe ich jetzt auch wieder mehr für mich selbst. Es war die richtige Entscheidung, denn man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist», so der langjährige Newsmoderator. Er habe mit einem Höhepunkt, den National- und Ständeratswahlen 2011, aufgehört. Bereits als er sein Radio gestartet hatte, war der Rückzug aus dem Fernsehen ein Thema. Er sprach damals mit dem Chefredaktor, und «wir einigten uns darauf, dass ich bis zu den Wahlen 2011 weitermachen werde», erklärt Kaufmann.

Abgang fällt nicht leicht

Man merkt schnell, dass ihm dieser Abschied nicht leicht fällt. Er war während fast 4,5 Jahren bei Tele M1 aktiv, zuerst als VJ, «das war ich aber nur drei bis vier Monate, dann bin ich bei der Moderation eingestiegen», so der 28-Jährige. Insgesamt zieht der Radiobesitzer eine positive TV-Bilanz. Vor allem das Team hat es ihm angetan. Die Arbeitskollegen werden ihm am meisten fehlen. «Ich hatte das Glück und die einmalige Chance, beim Fernsehen zu arbeiten. Ich gehe nicht gern. Ich gehe, weil es vernünftig ist. Ich habe beim Radio angefangen und kehre gern zu meiner ersten Liebe zurück», wirkt Kaufmann traurig. Sein Team wird ihn zwar auch vermissen, aber auf sein stetiges Zuspätkommen können sie gut verzichten. «Ich bin ein ganz schlechter Frühaufsteher, ich kam regelmässig zu spät», schmunzelt Kaufmann bereits wieder.

Den Rummel um seine Person wird er nicht vermissen. «Natürlich ist es schön, auf der Strasse angesprochen zu werden und Komplimente zu bekommen. Aber ich brauchte lange, bis ich mich daran gewöhnte», so Kaufmann. Jetzt wolle er mehr Privatleben. Denn der Rummel hatte auch seine Schattenseiten. Er wurde häufig kritisiert, wegen Lappalien wie seiner Frisur oder seinen Anzügen. Neben viel Fanpost bekam er auch anonyme und verletzende Mails. «Es fehlte teilweise an Anstand und Respekt gegenüber einer öffentlichen Person wie mir. Ich hätte von meinen Eltern eins kassiert, wenn ich mich so ausgedrückt hätte. Doch ich habe allen immer persönlich zurückgeschrieben», ist der 28-Jährige zu Recht stolz auf seine Reaktion.

Was waren die Ausrutscher?

Angesprochen auf einen seiner grössten Ausrutscher, überlegt der abtretende TV-Moderator lange. «Bei den Nationalratswahlen 2007 im Kanton Solothurn war ich Aussenreporter. Ich nannte Heinz Müller, Präsident der Solothurner SVP, vor laufender Kamera beim falschen Vornamen. Dieser korrigierte mich, und ich erwiderte: ‹Das ist doch aber auch ein schöner Name›». Sagt es und lacht so, wie er es immer in die Tele- M1-Kamera getan hat.