Büttikon

Mittags in der «Linde»: das allererste Essen auswärts nach den Lockerungen

Eine Bestellung der etwas anderen Art: Mit möglichst viel Abstand wird jetzt in den Restaurants bedient. Das Mittagessen nach Corona ist anders, die Gäste stört es nicht. Sie lassen es sich einfach schmecken.

Endlich, am Montag dürfen die Restaurants ihre Türen nach der langen Coronapause wieder öffnen. So auch die «Linde», das Panoramarestaurant in Büttikon. Alle Tische an den begehrten Panoramafenstern, von denen aus man weit übers Freiamt blicken kann, sind zur Mittagszeit besetzt. Eine Gruppe Senioren geniesst dort gleich am ersten Mittag die schöne Aussicht, das feine Essen und das Beisammensein nach der langen Coronapause. «Normalerweise essen wir gemeinsam an einem grossen Tisch. Jetzt mussten wir uns eben auf mehrere ­Tische aufteilen, um den Coronavorschriften zu entsprechen. Aber es freut uns dennoch, dass wir endlich wieder gemeinsam essen können», erzählt eine der Seniorinnen strahlend. Fotografin Sandra Ardizzone und ich erhalten dafür ein lauschiges Plätzchen im Cheminée-Stübli und haben dieses ganz für uns alleine.

Servicepersonal wechselt nach dem Mittagsservice die Kleidung

Das Servicepersonal steht zwei Meter vom Tisch entfernt, um die Bestellung aufzunehmen, – natürlich mit Schutzmaske. Doreen Helbig, Chef de Service, überspielt die ungewohnte Situation mit viel Charme. Sie reicht uns zu zweit eine Menükarte, denn die müssen nach jedem Gast vernichtet werden. Servieren muss das Personal natürlich trotzdem am Platz. Es ist ein komisches Gefühl, wenn einem Fremden auf einmal wieder so nah kommen. Ich finde es interessant, denn ich merke, dass ich mich daran gewöhnt habe, Abstand zu halten. «Wir wechseln nach jedem Service die Kleidung komplett», erklärt Helbig. Also nicht nach jedem Kunden, präzisiert sie lachend, sondern nach dem Mittagsservice beispielsweise.

Immer wieder kommen Leute zur Eingangstür herein, deren Handlauf ständig desinfiziert wird. Die Ankommenden betrachten neugierig die angeklebten Abstandsmarkierungen am Boden und die Tischchen mit Desinfektionsspendern direkt beim Eingang. Nicht alle scheinen zu verstehen, wie diese funktionieren, aber alle geben sich Mühe, die Regeln zu befolgen. «Unsere Gäste haben sehr viel Verständnis», ist Helbig froh. «Schon, als wir nicht mehr als 50 einlassen durften, und auch nachher, als wir ganz schliessen mussten.»

Alles, was zählt, sind Gespräche und Himbeerdressing

Jetzt freuen sich die «Linde»-Mitarbeiter spürbar, dass sie ihre Gäste wieder verwöhnen dürfen. Ich bin überzeugt, dass die Köche sich auch sonst viel Mühe geben, aber dieses erste Auswärtsessen nach acht Wochen scheint mit noch mehr Liebe gekocht zu sein als sonst. Haben wir aber erst einmal mit dem Essen begonnen, fühlt es sich schon bald an wie immer. Und das, obwohl wir uns zur Begrüssung nicht haben umarmen dürfen, die Serviceangestellten maskiert sind und wir auf Distanz bestellen mussten, was Kunden wie Gastgeber des öfteren zum Lachen gebracht hat. Nach wenigen Minuten haben wir Corona vollkommen vergessen. Ein schönes Gefühl von Normalität nach acht Wochen Isolation macht sich in mir breit. Alles, was jetzt noch zählt, sind die Tischgespräche und das unglaublich feine Himbeerdressing.

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