Fernwärme
«Mit Refuna muss sicher kein Bezüger frieren»

Beznau-Fernwärme: Diskussion über die Folgen eines Atom-Ausstiegs für das Fernwärmenetz im unteren Aaretal.

Hans Lüthi
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Alois Felber

Für saubere Luft sorgen die Atomkraftwerke Beznau im doppelten Sinn: Durch die Produktion von jährlich 6 Milliarden Kilowattstunden CO-freiem Strom und durch die Fernwärme im 132 Kilometer langen Refuna-Netz. Die atomare Katastrophe in Japan hat unabsehbare Konsequenzen, plötzlich ist es jetzt nicht mehr sicher, ob es für weitere Jahrzehnte Abwärme aus Atomkraftwerken gibt.

Die Sistierung des Gesuchs für Beznau 3 lässt diese Optionen als wahrscheinlich erscheinen: Entweder verzichtet das Schweizer Volk ganz auf neue Atomkraftwerke oder jenes in Döttingen kommt zu spät für einen lückenlosen Betrieb der Fernwärme. Eine weitere Unsicherheit: Der Ausstieg wird immer lauter gefordert, ebenso eine verfrühte Abstellung der ältesten drei AKW Beznau1, Beznau2 und Mühleberg.

Szenarien für jede Situation

So oder so: Es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass die grossen Öfen wegfallen könnten. Von den zweimal 365 Megawatt elektrische Leistung der Beznau-Blöcke werden an den kältesten Wintertagen bis zu 70 Megawatt für Refuna ausgekoppelt. «Bis vor drei Wochen gingen wir davon aus, dass auch in Zukunft genügend Wärme aus der nuklearen Erzeugung zur Verfügung steht», sagt VR-Präsident Kurt Müller aus Würenlingen. Jetzt wird dem Unternehmen so richtig bewusst, dass es keine eigene Wärmequelle in der nötigen Grössenordnung besitzt. «Der Refuna-Verwaltungsrat wird alle Szenarien diskutieren und vorbereiten, um für jede Situation gewappnet zu sein», betont Müller. Wie es wirklich weiter gehe, wisse derzeit niemand, denn die Energiezukunft werde politisch gesteuert und sei darum kaum einschätzbar. Doch der Präsident versichert den 4000 Besitzern der Wärmeanschlüsse: «Mit Refuna wird sicher kein Bezüger frieren müssen.» Genau wie die AKW-Betreiber auch sei die Fernwärme dem Spielball der Politik ausgesetzt.

Umstellung auf Öl nur in der Not

Vereinzelt gebe es zwar schon Fragen, aber eine grosse Unruhe bei den Wärmebezügern sei nicht feststellbar, meint auch Kurt Hostettler, Geschäftsleiter von Refuna. Bei einem kurzfristigen Wegfall der atomar erzeugten Wärme «müssten wir auf Öl umstellen, das ist klar», erklärt Hostettler. Eine Verschmutzung der Luft und ein zusätzlicher CO-Ausstoss wären die Folge eines Szenarios, das bei der sauberen Fernwärme niemand anstrebt. Aber mit dem Reserveheizwerk beim Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen/Würenlingen und mit dem starken Heizwerk Nord in der Nähe der Beznau-Insel könnte die wegfallende Wärme auch kurzfristig kompensiert werden. «Wir sind schon seit längerer Zeit daran, nach alternativen Wärmequellen zu suchen», so Hostettler.

Hoffnung auf die Geothermie

Mittelfristig könnte es zumindest theoretisch auch ein Gas-Kombi-Kraftwerk sein, «aber das ist nicht mehr emissionsfrei», unterstreicht der Refuna-Geschäftsleiter. Abgesehen von Gas, das bei den umweltbewussten Bezügern wohl auf wenig Begeisterung stiesse, würde auch die Stromerzeugung mit Holz oder Biogas Abwärme liefern. Sie alle sind jedoch mit mehr CO-Ausstoss am Ort verbunden (wobei Holz insgesamt neutral ist, aber bei der Verbrennung in der Region fällt es hier an). Mittel- bis langfristig kann auch die Geothermie ein Thema sein, die als einzige Alternative die Luft nicht belasten würde. Die Bohrung in eine Tiefe von 3000 bis 5000 Meter müsste nicht auf der Beznau-Insel erfolgen: «Eine Einspeisung ins Hauptnetz wäre überall möglich, von Leuggern bis nach Untersiggenthal und Riniken – falls die Geologie das erlaubt und die Netzhydraulik stimmt», beschreibt Hostettler diese Option. Genauere Abklärungen unternimmt der Verein geothermische Kraftwerke Aargau, zu dem auch Axpo, ABB, Refuna und viele weitere Unternehmen aus der Energiebranche gehören.

Möglichst ohne Luftbelastung

Emissionsfrei ist nur die Geothermie und CO-neutral Holz und Biogas, alles andere verursacht eine zusätzliche Luftbelastung. Das ist im unteren Aaretal höchst ungern gesehen, weil die atomfreundliche Region für die Fernwärme ab Beznau lange sehr viel bezahlt hat und erst in jüngster Zeit von einem tiefen Preis profitieren kann. Damit hat auch der heftige Kampf von Würenlingen gegen das Holzkraftwerk zu tun, das die Axpo nun gestrichen hat.