Wintertournee des Jugend-Sinfonieorchester
Mit seiner Posaune spielte er gegen den Corona-Blues an

In der Klassik hat die Posaune wenig zu tun. Tobias Lang zeigt mit dem Jugend-Sinfonieorchester Aargau, dass es auch anders geht.

Sibylle Ehrismann
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Die Posaune begleitet Tobias Lang seit seiner Kindheit – Dank seinem Götti.

Die Posaune begleitet Tobias Lang seit seiner Kindheit – Dank seinem Götti.

Wenn Buben sich für ein Blechblasinstrument interessieren, dann ist das meist die Trompete. Tobias Lang aber, seit 2015 stellvertretender Solo-Posaunist im Philharmonia Orchester der Oper Zürich, war schon als Kind fasziniert von der Posaune: «Mein Götti Walter Lang war Berufsposaunist, er spielte schon an meiner Taufe. Der weiche warme Klang der Posaune hat mir schon immer gefallen, aber ich fand es auch cool zum Zuschauen, wie er beim Spielen mit dem Zug hantierte.»

Jugend-Sinfonieorchester Aargau

Glück auf Tour

Glück ist das simple, aber ehrliche Motto, das sich das Jugend-Sinfonieorchester Aargau (JSAG) für den Jahresauftakt gesetzt hat. Hugo Bollschweiler hat mit den jungen Musikerinnen und Musikern ein reichhaltiges Programm einstudiert. Nicht nur das Posaunenkonzert von Nino Rota, soll «beglücken». So lässt Paul Dukas «Fanfare pour précéder La Péri» Alexander den Grossen sein Glück in der Unsterblichkeit suchen. Sanfter klingt es da in Witold Lutosławskis «Kleinen Suite», die polnische Volksweisen aufnimmt. Das Konzert abrunden wird die 1. Sinfonie in e-Moll von Nikolai Rimski-Korsakow. (ray)

Eigens für Kinder gibt es kleinere Posaunen, denn für dieses Instrument «muss man die richtige Grösse haben, vor allem genug lange Arme», wie Lang ausführt. Das war für ihn kein Problem.

Bereits mit 14 Jahren wurde er Gesamtsieger über alle Kategorien am Schweizerischen Solo- und Ensemble Wettbewerb in Langenthal, 2008 gewann der 1991 Geborene den Prix Musique, ein Jahr später den ersten Preis mit Auszeichnung beim Schweizer Jugendmusikwettbewerb. Auch international stellte sich Tobias Lang der Konkurrenz, 2019 kam er gar beim legendären Tschaikowsky Wettbewerb in St.Petersburg in die Endrunde.

Mit einem Berufsposaunisten als Götti bekam Lang natürlich auch die beste Förderung. Er studierte klassische Posaune bei Branimir Slokar, einer internationalen Grösse seines Fachs, und machte alle seine Studienabschlüsse mit Auszeichnung.

Auf Tournee mit der Musik eines Oscarpreisträgers

Doch wenn man so gut Posaune spielt, welche Möglichkeiten bieten sich einem da? Im klassischen Bereich spielt dieses Instrument keine «solistische» Rolle. «Das ist schon richtig,» meint Lang, «aber aus der Renaissance und dem Barock gibt es interessante Stücke, ich spiele dazu teilweise eine historisch-authentische barocke Posaune.»

Erst als der Jazz auch in der Klassik seine Spuren hinterliess, wurde der Posaune wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das «Concerto in C», das Lang mit dem Jugend-Sinfonieorchester Aargau (JSAG) unter der Leitung von Hugo Bollschweiler spielt, stammt vom berühmten Filmmusiker Nino Rota (1911–1979).

Der italienische Komponist hat für die grossen Filmklassiker von Federico Fellini und Luchino Visconti die Musik geschrieben, für die Filmmusik «Der Pate – Teil II» erhielt er 1975 gar den Oscar. Es ist ein Lieblingsstück von Tobias Lang: «Für uns Posaunisten haben wenig Meisterkomponisten Musik geschrieben, Nino Rota aber war genial. Seine «Concerto» ist sehr gut auf die Möglichkeiten der Posaune zugeschrieben. Und es ist auch für das Orchester interessant, denn es ist ein interaktives Stück, die Stimmführer im Orchester reagieren ständig auf meine Soli.»

Langs Atem reicht von Klassik bis Latin

Gerade weil die Posaune im Orchester vor allem zur Farbgebung dient und nur wenig zu tun hat, spielt Tobias Lang auch gerne Unterhaltungsmusik und Volkstümliches. «Diese stilistische Bandbreite hat mir schon immer gefallen,» sagt Lang.

So spielt er etwa in der ausgezeichneten Brassband Bürgermusik Luzern. «In einer Brassband kommt man auch als Posaunist voll zum Zug, man kann so richtig aufspielen, und es macht Spass.» Daneben spielt Lang in zwei festeren Ensembles. Das Aruba Trio hat die ausgefallene Besetzung Posaune, Gitarre und Perkussion, für die sie selbst Stücke arrangieren – ursprünglich Volksmusik, aber auch asiatische und Latin. Mit dem Slobone Posaunenquartett, das ein breites musikalisches Spektrum bis hin zum Jazz hat, gewann Lang mehrere internationale Preise.

Wie alle Berufsmusiker hatte auch Tobias Lang im ersten Lockdown plötzlich sehr viel Zeit. So begann er, auf Social Media aktiv zu werden. Er organisierte kurzerhand jeden Mittwoch einen Treff mit einigen Musikerkollegen, den sie per Video ins Netz stellten. «Damit gaben wir uns eine fixe Struktur, einen gemeinsamen Termin.»

Diese «Covid-Videos» hätten überraschend viele Leute angeschaut, so Lang weiter, «wir hatten gegen 10000 Klicks». Diese originellen Einblicke in den Musikeralltag muntern auch dieser Tage auf.

Winter-Tournee «Glück» des JSAG: 8.1. St.Jakob in Zürich, 9.1. Alte Kirche in Boswil, 14.1. Friedenskirche in Olten, 16.1. Konzert- und Kongresshaus (KuK) Aarau

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