Immer wieder griff die 29-jährige Kosovarin D. zum Taschentuch. Als ihr 33-jähriger Ehemann M. die Fragen der Gerichtspräsidentin zu beantworten hatte, stützte sie sich schluchzend auf ihre Hände. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft waren happig: so soll das Paar vom Januar bis März 2007 per Auto fünf Kilogramm Heroin im Auftrag eines Drogenhändlers namens «Rita» transportiert haben. Bei den Fahrten sass jeweils Ehefrau D. am Steuer. Dies, da ihr Mann keinen Führerausweis hat. Von Tennwil aus ging es in allen vier Fällen erst an einen Treffpunkt, wo M. nach einem Telefonanruf die Drogen abzuholen hatte. Schliesslich führte die Fahrt zweimal nach Horw an den Vierwaldstättersee, einmal in den Kanton Basel-Landschaft und einmal nach Olten. Dort seien die Pakete an weitere «Mittäter» des «internationalen Drogenhandels» übergeben worden.

Lange Freiheitsstrafen gefordert

Obwohl M. den Sachverhalt mehrheitlich anerkannte, stand ihm und seiner Frau ob der drohenden Strafen die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Im Fall der 29-jährigen D. forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, für den Ehemann eine fünfeinhalbjährige Freiheitsstrafe. Für die Anklage war die «Bandenmässigkeit» klar gegeben. Drahtzieher soll «Rita» gewesen sein, der von Kosovo aus die Geschäfte lenkte und dort auch M. für Kurierfahrten in der Schweiz angeworben habe, als dieser in der Heimat Familienmitglieder besucht hatte.

Was würde mit Kindern passieren?

Auf die Frage, was denn mit seinen drei Kindern passieren würde, falls sowohl er als auch deren Mutter ins Gefängnis müssten, antwortete M.: «Sie müssten zu Verwandten nach Kosovo.» Die 29-jährige D. meinte, sie habe gar nicht die Kraft, daran zu denken.

Sie selber verteidigte sich, sie habe von den Drogengeschäften keine Ahnung gehabt. «Ich bin nur gefahren. Von Heroin habe ich nie etwas gewusst», sagte die 29-Jährige mit Tränen in den Augen. Hinters Steuer habe sie sich gesetzt, da sie ihrem Ehemann einen Gefallen tun wollte. Was auch M. bestätigte. Er selber hingegen räumte ein, einen grossen Fehler gemacht zu haben. So habe er sich in der Heimat von «Rita» aus «Dummheit» für die Dienste einspannen lassen. «Mir war klar, dass das illegal ist. Ich wusste aber nie, was genau in den Paketen drin war.»

Freispruch für die Ehefrau

Nach der Urteilsverkündung wich beim Paar die Verzweiflung den Freudentränen. Für Ehefrau D. resultierte ein Freispruch. Ihr Ehemann erhielt zwar eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon muss er allerdings «nur» ein halbes Jahr absitzen. Und der Fabrikarbeiter darf sogar hoffen, dass er die Strafe in Halbgefangenschaft verbüssen darf. Strafmildernd sei im Fall von M. gewesen, dass er schnell ein Geständnis abgelegt und sich kooperativ gezeigt habe.