Bezirksgericht Zofingen
Messerstiche in Asylunterkunft – zwei Algerier erhalten Haftstrafen

Ein Algerier verletzte vor einem Jahr einen Landsmann in der Asylunterkunft Oftringen mit einem Messer. Der revanchierte sich mit einem Schwedenkuss. Nun hat das Bezirksgericht Zofingen beide Männer verurteilt.

Nora Bader
Merken
Drucken
Teilen
Ein Algerier verletzt einen Landsmann mit Messerstichen, der wehrt sich mit einem Schwedenkuss. (Symbolbild)

Ein Algerier verletzt einen Landsmann mit Messerstichen, der wehrt sich mit einem Schwedenkuss. (Symbolbild)

Keystone

In der Küche der Asylunterkunft Langern in Oftringen gerieten sich im August 2013 zwei Algerier in die Haare. Einer soll den anderen beleidigt haben. Es kam zu einer tätlichen Auseinandersetzung, bei der ein Küchenmesser als Waffe eingesetzt wurde.

Ali fügte Emre (alle Namen geändert) Schnitt-/Stichverletzungen zu am Unterbauch sowie am rechten Unterarm. Emre wollte sich wehren und soll im Gegenzug Ali, als der auf ihn zukam, mutwillig einen Schwedenkuss verpasst haben.

Die beiden mussten sich vor Bezirksgericht verantworten wegen der Vorwürfe der versuchten schweren Körperverletzung sowie Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, da die Asylgesuche der beiden abgewiesen worden waren.

Unklar war, was in der Küche und was draussen passierte und ob die beiden nach draussen rannten oder liefen. Klar ist: Emre hat sich zusätzliche Verletzungen an der Handfläche zugezogen, als er sich gegen die Angriffe mit dem Küchenmesser wehrte. Ali soll dann vor der Unterkunft versucht haben, Emre das Messer in den Rücken zu rammen.

Emre betonte mehrfach, er sei Opfer und nicht Täter und verstehe nicht, weshalb er vorgeladen worden sei. Er habe nach dem Vorfall einen Psychologen verlangt, weil er Angst gehabt habe, wegen der Angriffe auf ihn mit dem Messer. Und in Sachen Verstoss gegen das Ausländergesetz: Er habe ja versucht, auszureisen, nachdem sein Gesuch abgewiesen worden sei. «Aber niemand hat mir geholfen.» In der Schweiz lebt er seit 2008.

Zu seinem vierseitigen Strafregister-Auszug sagte Emre, das sei Vergangenheit. «Ich habe viel gelernt im Leben und will wieder Arbeit finden», sagte er.

Verständigungsprobleme

Die Befragung von Ali, der in Fussfesseln von Gericht erschien, stellte sich anfangs etwas schwieriger dar, weil er einen Dialekt sprach, den die Dolmetscherin nicht verstand. Plötzlich funktionierte es dann aber doch mit der Verständigung. Ali ist seit 2010 in der Schweiz. «Dass ich nicht hier sein dürfte, das weiss jeder», sagte er. Und: «Wie es mit mir weitergeht, das weiss Gott.»

Die Staatsanwaltschaft forderte für Emre zwei Jahre und für Ali drei Jahre unbedingt unter Anrechnung der bisher abgesessenen Haftstrafe – beide waren mit dem Gefängnis nicht unvertraut.

Die Anwältin von Emre sowie der Anwalt von Ali plädierten auf Freispruch im Punkt versuchte schwere Körperverletzung. Der Verstoss gegen das Ausländergesetz könne nicht dementiert werden.

Das Bezirksgericht Zofingen sprach Emre der versuchten schweren Körperverletzung frei und verurteilte ihn wegen rechtswidrigen Aufenthalts zu 12 Monaten Haftstrafe unter der Anrechnung der bereits abgesessenen 320 Tage.

Ali wurde der einfachen Körperverletzung schuldig gesprochen sowie des Verstosses gegen das Ausländergesetz. Er bekam eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten unbedingt unter Anrechnung der 416 abgesessenen Tage. Das Küchenmesser wird eingezogen und vernichtet.