AKW
Mehrheit der Aargauer will Beznau 3

Die Akzeptanz für Beznau 3 im Aargau ist gross. Gemäss einer Axpo-Umfrage sagen 55 Prozent der Aargauer und 77 Prozent in der Kernregion Ja. «So deutlich haben wir das nicht erwartet», sagt Axpo-CEO Heinz Karrer.

Hans Lüthi
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Kernkraftwerk

Kernkraftwerk

Überraschend ist die Kernaussage zur Kernenergie nicht, aber die Axpo will präzis wissen, wie stark die Aargauer zu Beznau stehen. Denn: «Bei einem Nein des Kantons oder der Standortregion müssten wir sagen, das kann man nicht machen», betont CEO Heinz Karrer. Darum hat Demoscope im Axpo-Auftrag 1077 Personen befragt, fast die Hälfte davon in Böttstein, Döttingen, Klingnau, Leuggern, Tegerfelden, Villigen und Würenlingen. Seit Ende 2008 liegt das Gesuch um eine Rahmenbewilligung für Beznau3 – wie jenes für Mühleberg2 und Gösgen 2 – beim Bund, nach Prüfung durch das Ensi ist das Bundesamt für Energie zuständig.

Mehrheit befürchtet Stromlücke

Eine erstaunlich grosse Mehrheit von 67 Prozent im Aargau und 76 Prozent in der Region Beznau befürchtet Engpässe in der Versorgung, «ohne zusätzliche Investitionen in Kraftwerke aller Art». Von diesen Befragten sind 55 und 71 Prozent der Überzeugung, die erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Geothermie) seien nicht in der Lage, die Stromversorgung zu sichern.

Aber die Befragten glauben, deren Anteil werde sich bis 2030 auf bis zu 40 Prozent erhöhen. Aus Sicht der Axpo ist das Wunschdenken, «wir gehen von 10 Prozent des heutigen Verbrauchs aus, wegen des Wachstums werden es 2030 nur 6 bis 7 Prozent sein», erklärt Karrer. Die Widerstände gegen viele Projekte seien enorm, bei den Gewässern durch die Fischer, bei Wind und Holz durch andere Gegner.

Hoher Anteil von Atomstrom

Atomstrom sei notwendig für das tägliche Leben, glauben 72 Prozent der Aargauer, in der Beznau-Region sind es gar 89 Prozent. Das ist nicht weit von der Realität entfernt, denn in allen Axpo-Kantonen von Appenzell über St.Gallen, Thurgau, Zürich bis in den Aargau kommt der Strom im Jahresmittel zu rund 70 Prozent aus nuklearer Quelle – inklusive Import aus Frankreich.

Im Winter ist der Anteil noch höher, dann laufen die im Sommer revidierten Kraftwerke pausenlos auf Volllast. 57 Prozent im Aargau und 75 in der Kernregion befürworten einen AKW-Ersatz, fast alle am heutigen Standort.

Zum konkreten Projekt Ersatzkernkraftwerk Beznau sind 43 Prozent der Aargauer «sehr positiv oder eher positiv» eingestellt, 27 Prozent «eher negativ oder sehr negativ». In der Standortregion bekennen sich 68 Prozent zu Beznau3.

Hoch eingeschätzt wird die wirtschaftliche Bedeutung in den Gemeinden rund um Beznau, am höchsten mit 89 Prozent in Döttingen. Das AKW Beznau ist für 63 Prozent der Aargauer und für 86 Prozent in der Kernregion «ziemlich bis sehr sicher», 2 bzw. 4 Prozent sagen «überhaupt nicht sicher».

Entscheid durch Schweizervolk

Über die Strombefindlichkeit der Aargauer sagt die Umfrage fast alles, über die Zukunft des Atomstroms weniger aus. Denn darüber entscheidet das Schweizervolk – voraussichtlich 2013, laut Umfragen steigt die Akzeptanz, aber das Urteil ist offen. Bei einem Nein «haben wir keinen Plan B», bekennt Karrer.

Mehr Import zu massiv höheren Preisen wäre eine Option, aber die Kapazität der Leitungen ist beschränkt. Übrigens: Eine grosse Mehrheit der Aargauer wünscht auch Strom aus Sonne, Wasser, Wind und Holz, noch vor Atom – ausser in der Beznau-Region.