Fahrländer
Mehr Macht für die Verwaltung

Hans Fahrländer
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Löste einen Radquerboom aus: Bernhard Woodtli.
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Löste einen Radquerboom aus: Bernhard Woodtli.

Löste einen Radquerboom aus: Bernhard Woodtli.

Bild: zvg

Am nächsten Dienstag ist «Gmeind» in Spreitenbach. Der Souverän ist aufgefordert, einem neuen Modell zur Gemeindeführung zuzustimmen: Er soll einen Verwaltungsleiter wählen. Die operative Leitung der Verwaltung geht vom Gemeindeammann an diesen neuen Chef über. Der Ammann ist noch für strategische Aufgaben zuständig. Anlass für diesen Schritt: Der im Mai gewählte Gemeindeammann Marcel Lang ist nach bloss 22 Tagen wegen «ausserordentlicher Belastung» wieder zurückgetreten. Mit dem neuen Modell soll diese Last für Langs Nachfolger gemildert werden. Dafür wird dieser mit einem reduzierten Pensum arbeiten.

Ich will mich hier nicht in Spreitenbacher Angelegenheiten einmischen. Mich irritiert bloss ein bisschen eine Tendenz. Auch andere Aargauer Gemeinden haben dieses Verwaltungsmodell schon eingeführt. Zum Beispiel Obersiggenthal im Jahr 2018. Dort steht ein Dreiergremium der Verwaltung vor, das Pensum des Ammanns wurde reduziert. Oder Wohlen. Dort lesen wir auf der Website der Gemeinde: «Der Geschäftsleitung der Wohler Gemeindeverwaltung gehören fünf Mitglieder an. Vom Gemeinderat angestellt, sind diese für die operative Führung jeweils eines Verwaltungsbereichs zuständig.»

Läuft demokratiepolitisch nicht etwas falsch, wenn in immer mehr Gemeinden die Trennung von strategischer und operativer Führung stattfindet? Nimmt damit nicht die Macht der vom Gemeinderat angestellten Verwaltung gegenüber dem vom Volk gewählten Gemeinderat zu? Lassen sich auf dieser Stufe «strategisch» und «operativ» überhaupt scharf trennen? Nimmt nicht einfach das Wissen des Ammanns (Frau Gemeindeammann immer mitgemeint) über seine Gemeinde ab? Greift man zu diesem Modell, weil es heute schwierig ist, willige Personen für ein Exekutiv-Vollamt zu finden?

Natürlich, grössere Verwaltungen können nicht mit der linken Hand geführt werden. Trotzdem. Hier findet eine grundsätzliche Verschiebung statt. Die Menschen wünschen sich direkten Zugang zum Ammann, ohne zwischengeschaltete Verwaltung. Was strategisch und was operativ ist, schert sie einen Deut. Darin unterscheidet sich eine Gemeinde von einem Unternehmen mit Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Ein Wechsel zum neuen Modell ist hochpolitisch und nicht bloss ein Verwaltungsakt.