Die az-Lokaljournalistin Sabine Kuster gewinnt eine der bedeutendsten Auszeichnungen der hiesigen Medienbranche: Gestern Abend würdigte die Fondation Reinhardt von Graffenried ihre Artikelserie «Armut im Aargau» mit dem «Diamanten», dem Schweizer Preis für Lokaljournalismus in der Kategorie Print. Die Preisverleihung fand im Stadttheater Bern vor mehreren hundert Gästen statt.

Während eines ganzen Jahres begleitete die im Ressort Aargau West tätige Journalistin eine alleinerziehende Mutter und ihre drei Töchter. In neun Artikeln beschrieb Kuster akribisch, wie die vierköpfige Familie alleine mit dem Geld des Sozialamts ihren Alltag meistert. Die Artikel-Serie löste in der az-Leserschaft ein unerwartet grosses Echo aus. «Ich habe wirklich nicht mit dem Preis gerechnet», sagte Kuster überrascht, als ihr Jurypräsidentin Sylvia Egli von Matt den «Diamanten» überreichte.

TeleM1-Reporter sahnte ebenfalls ab

Ein zweiter Aargauer räumte in der Kategorie «Lokaljournalismus TV» ab und erhielt ebenfalls einen «Diamanten»: Tele-M1-Reporter Matthias Achermann überzeugte die TV-Jury mit einem Enthüllungsbericht über eklatante Sicherheitsmängel am Eidgenössischen Schützenfest in Aarau im Sommer 2010. Mit Aufnahmen von einer versteckten Kamera konnte Achermann nachweisen, dass es ohne weiteres möglich ist, Waffen und Munition vom Festgelände zu entwenden.

Kuster und Achermann erhalten je ein Preisgeld von 20 000 Franken, und das mehr als verdient, wie Stiftungsratspräsident Guido Albisetti bemerkte: Die Lokalberichterstattung sei die «Königsdisziplin des Journalismus».

Auch az-Chefredaktor Christian Dorer ist hoch erfreut über den Erfolg seiner Mitarbeiterin: «Ich bin stolz auf Sabine Kuster! Die Kreativität, Hartnäckigkeit und Akribie, mit denen sie diese Serie realisiert hat, zahlen sich nun aus. Einmal mehr zeigt sich: Tiefgreifende journalistische Recherchen haben Zukunft.»

Tele M1-Chef Stephan Gassner ist nicht minder stolz: «Ich freue mich sehr für Matthias Achermann. Wir haben uns die Ausstrahlung gut überlegt, weil der Widerstand der Schützengesellschaften sehr gross war. Die Entscheidung war sicher richtig.»

Weitere Auszeichnungen

In der Kategorie Radio wurde der DRS-Journalist Stefan Kohler für sein Porträt über eine Örgeli-Familie ausgezeichnet. Fotograf Christian Lutz erhielt für seine Fotoreportage über die Schattenseiten des ausufernden, globalen Energiekonsums den Preis «Swiss Press Photographer of the Year» verliehen. Berufskollege René Burri erhielt den Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk.

Es ist das erste Mal, dass die Fondation Reinhardt von Graffenried den Preis für Lokaljournalismus als nationale Auszeichnung ausgeschrieben hat. Charles von Graffenried, Verleger der «Berner Zeitung» (BZ), hatte die Verleihung zusammen mit dem Ehepaar Franziska und Erwin Reinhardt-Scherz vor mehr als zwei Jahrzehnten als «BZ-Preis für Lokaljournalismus» ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es auch heute noch, das lokale schweizerische Medienschaffen zu fördern. (cfo)