Massnahmen
Corona-Schutz von Kindern nicht nur an Schulen – sondern auch an Tagesstrukturen

Der Dachverband Tagesstrukturen/Mittagstische Aargau fordert Massnahmen vom Kanton um auch die Kinder in Tagesstrukturen zu schützen. Sonst würde eine Durchseuchung in Kauf genommen, heisst es in einer Mitteilung.

Philipp Herrgen
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Tagesstrukturen werden bei aktuellen Corona-Massnahmen zu wenig berücksichtigt.

Tagesstrukturen werden bei aktuellen Corona-Massnahmen zu wenig berücksichtigt.

Hanspeter Baertschi

Nach den Sommerferien ging es für knapp 80'000 Schülerinnen und Schüler zurück in die Aargauer Klassenzimmer. Dies auch weiterhin unter Einhaltung bestimmter Corona-Schutzmassnahmen. Die Maskenpflicht wurde zwar aufgehoben, dafür gibt es nun das Angebot des repetitiven Testens auf freiwilliger Basis und auch mobile Impfangebote auf dem Schulareal. Das hat der Kanton so geplant.

Tagesstrukturen würden bei den geltenden Massnahmen jedoch fast durchwegs ausgeklammert. Das moniert der Dachverband Tagesstrukturen/Mittagstische Aargau (DTMA) am Donnerstag in einer Mitteilung. Nach den Ferien seien die Betreuungsmodule vieler Tagesstrukturen wieder voll. Damit würden Kinder verschiedener Klassen wieder gemeinsam in einem Raum betreut, dessen Belüftung zudem oftmals nicht optimal sei.

Testen allein genügt nicht

Dabei werde die Testrate der teilnehmenden Kinder nicht berücksichtigt, bemängelt der DTMA weiter. Da sich vor den Schulferien nur rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler im Aargau testen liess, sei nicht davon auszugehen, dass dies nun «sprunghaft in einen wirklich wirkungsorientierten Prozentbereich» wechsle. «Eine Testrate von gerade einmal 30 Prozent ist wenig aussagekräftig», sagt Béa Bieber, GLP-Grossrätin und Vizepräsidentin des DTMA. Eine Durchseuchung der Kinder würde in Kauf genommen. «Dies ist für uns weder für die Schule noch für Tagesstrukturen tragbar.»

Bea Bieber, Grossrätin GLP

Bea Bieber, Grossrätin GLP

Bild: Roland Schmid

Zum Schutz der Kinder unter 12 Jahren, die noch kein Impfangebot haben, müsse der Kanton nun schnellstmöglich Lösungen finden — nicht nur für Schulen, sondern ausdrücklich auch für Tagesstrukturen. Es brauche wirkungsvolle Massnahmen, die Ansteckungen wirkungsvoll verhindern und Kinder nicht belasten. Dazu gehörten neben dem Testen auch C02-Messgeräte, die Lehrpersonen Hinweise auf die Luftqualität liefern. «So geht das regelmässige Lüften nicht vergessen», erklärt Bieber. Das sei gerade auch in Hinblick auf die kältere Jahreszeit wichtig.

Schulpflege bereits im «Abschaffungsmodus»

Der Einbau von Luftfiltern sei sicher auch eine Möglichkeit, jedoch eher zu einem späteren Zeitpunkt, da Beschaffung und Einbau wohl einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Zudem müsste die Einführung einer Maskenpflicht geprüft werden. Es gebe Erkenntnisse, dass dies bereits ab dem Kindergartenalter Wirkung zeige, so Bieber weiter. Ab welchem Alter genau das sinnvoll sei, müsse schliesslich der Kanton mit seinen Experten festlegen. Der DTMA sei zu einem konstruktiven Austausch bereit.

Gleichzeitig übt der DTMA scharfe Kritik an den Schulpflegen. Man habe diesbezüglich einerseits festgestellt, dass sich die Schulpflegen bereits in einem «Abschaffungsmodus» befänden und bis Ende Jahr nicht mehr viel unternehmen wollten. Andererseits verliessen sich die Schulpflegen beinahe ausschliesslich auf die Vorgaben und Empfehlungen des Kantons ohne selbst proaktiv Lösungen zu suchen.

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