Aargau
Lieni Füglistaller auf dem Weg zum SVP-Outlaw

Mit seiner «wilden» Kandidatur schafft sich Lieni Füglistaller keine Freunde. Es sieht jedenfalls nicht so aus, als ob die Aktion in den eigenen Reihen zu einer Solidarisierung mit Füglistaller und gegen seine Widersacher führen wird.

Urs Moser
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Noch-Ständerat Maximilian Reimann glaubt zwar nicht unbedingt, dass Lieni Füglistaller mit seiner «wilden» Kandidatur dem offiziellen Ständeratskandidaten Ulrich Giezendanner schaden wird. Walter Schwager

Noch-Ständerat Maximilian Reimann glaubt zwar nicht unbedingt, dass Lieni Füglistaller mit seiner «wilden» Kandidatur dem offiziellen Ständeratskandidaten Ulrich Giezendanner schaden wird. Walter Schwager

Solothurner Zeitung

Mit seiner «wilden» Ständeratskandidatur wolle Lieni Füglistaller auch ein Zeichen setzen gegen eine Politik der Diffamierungen, die in der Aargauer SVP mit einzelnen Exponenten Einzug gehalten habe und mit der ihn seine Widersacher aus der eigenen Bremgarter Bezirkspartei aus der Bundespolitik drängen wollen. Mit ihnen wie mit der aktuellen Aargauer Parteiführung, die sich nicht schützend hinter ihn stellte, hat er endgültig gebrochen. Dennoch betont er aber, dass er selber ein SVP-Mann «durch und durch» bleibe, daher eben auch die Kandidatur als Ständerat und nicht auf der Nationalratsliste einer anderen Partei.

Nur: Es sieht nicht so aus, als ob die Aktion in den eigenen Reihen zu einer Solidarisierung mit Lieni Füglistaller und gegen seine Widersacher um Grossratsfraktionspräsident Andreas Glarner führen würde. Er erntet damit eher Kopfschütteln und riskiert, ausserhalb seines ganz engen Zirkels in der Partei auch bei denen das Verständnis zu verlieren, die bisher zu ihm standen, so bei den Kollegen der Bundeshausfraktion.

Eine «aussichtslose Aktion»

Noch-Ständerat Maximilian Reimann glaubt zwar nicht unbedingt, dass Lieni Füglistaller mit seiner «wilden» Kandidatur dem offiziellen Ständeratskandidaten Ulrich Giezendanner schaden wird. Dennoch habe er «wenig Verständnis» für sein Vorgehen, das sei eine «aussichtslose Aktion».

Nationalrat Hans Killer kann sich «keinen Reim machen» auf das Vorgehen. «Die Kandidatur ist absolut chancenlos, Lieni Füglistaller gewinnt damit für sich nichts und schadet nur der Partei», so Killer. Er sehe auch nicht, was die «wilde» Kandidatur mit den «privaten» Auseinandersetzungen Füglistallers mit seinen Widersachern im Bezirk Bremgarten zu tun habe, sie löse bei ihm nur Kopfschütteln aus.

Der offizielle SVP-Ständeratskandidat Ulrich Giezendanner nimmt es halbwegs sportlich. Er kaufe Füglistaller ab, dass er sich nicht überlegt habe, mit seiner «wilden» Kandidatur ihm zu schaden, so Giezendanner. Hingegen will er von einer «grossen Empörung» über das Vorgehen innerhalb der SVP wissen, was aus zahlreichen Mails und SMS hervorgehe, die er erhalten habe. Lieni Füglistaller erweise sich deshalb mit seiner Aktion einen Bärendienst. Giezendanner: «Es tut mir für ihn leid, dass er sich so einen ganz schlechten Abgang verschafft.» Zu bedenken ist: Auch wenn er sich zu Recht über mangelnden Support der Parteiführung beklagen mag; für die Aargauer SVP-Spitze wäre eine neuerliche Nationalratsnomination Füglistallers ausser Frage gestanden, er nahm sich selbst aus dem Rennen.

Giezendanner war derjenige, der darauf im Vorfeld der Nominationsversammlung im Parteivorstand auf die Pauke gehauen hatte und auf eine Beilegung des innerparteilichen Streits pochte. Füglistaller und seine Bremgarter «Freunde» kamen darauf überein, das Kriegsbeil zu begraben und die öffentlichen Anfeindungen einzustellen. Heute konstatiert Giezendanner: «Fairerweise muss man festhalten, dass sich Glarner und Co. daran gehalten haben.»

«Das ist nicht zu akzeptieren»

Was den offiziellen Ständeratskandidaten aber wirklich auf die Palme bringt, ist der Auftritt des Zürcher Nationalrats Toni Bortoluzzi an der Seite von Lieni Füglistaller bei der Bekanntgabe der «wilden» Kandidatur. Bortoluzzi wird zum inneren Machtzirkel der SVP Schweiz gezählt. Dass er in den höchsten Tönen für die Kandidatur seines Freundes Füglistaller wirbt, könnte daher leicht dahingehend interpretiert werden, die nationale Parteizentrale stehe hinter dem Vorgehen und zweifle an der Kandidatur Giezendanners. Er sei zwar sicher, dass dem nicht so ist, sagt Giezendanner. Dennoch habe sich Bortoluzzi nicht in inneraargauische Angelegenheiten einzumischen: «Das ist nicht zu akzeptieren.»