Lenzburg

Zweites Leben für Telefonkabinen: Sie mutieren zu Kultur-Schaufenstern

Die früheren Fernsprechhäuschen in Lenzburg ermöglichten Gastarbeitern den Kontakt zu den zu Hause gebliebenen Familien. Nun werden sie zu Schaufenstern des aktuellen Geschehens in der Stadt.

Stadtrat Martin Stücheli hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass Lenzburg die drei ausrangierten Telefonkabinen nicht einfach so auf dem Müllhaufen der Geschichte zu deponieren gedenkt, sondern ihnen ein zweites Leben einhauchen möchte.

Im Frühling wurde klar: Die einstigen Fernsprechhäuschen bei der ehemaligen Post, dem Kronenplatz und auf dem Seifi-Parkplatz werden zu Kultkabinen.

In Zukunft sollte darin aktuelle Geschichte geschrieben werden.

Die Kultkabinen als Schaufenster für das städtische Leben: Gewerbe, Vereine, aber auch Privatpersonen können die Kleinstflächen eine gewisse Zeit lang nach eigenem Gusto bespielen.Im Rahmen der Jugendfest-Aktivitäten in Lenzburg haben die Stadt Lenzburg und die SWL Energie AG, welche das Projekt gemeinsam realisieren, die ersten Mieter präsentiert: Im Gehäuse an der Poststrasse winkt ein Astronaut und lädt zur Sonderausstellung zum Jubiläum «50 Jahre Mondlandung» ins städtische Museum Burghalde ein.

Ebenfalls eine gelungene Aktion zeigt Bürokonzept Schaller auf dem Seifi-Parkplatz. In der Kabine wurde kurzerhand ein Arbeitsplatz eingerichtet: «Willkommen im kleinsten Co-Work-Office der Welt: Treten Sie ein, nehmen Sie Platz», wirbt ein Schild an der Tür.

Die Zelle beim Kronenplatz belegt Nadja Baur mit ihrem Blachenwerk Lenzburg.

Sie stellt Gebrauchsgegenstände aus, die sie aus Blachen gefertigt hat. Dafür hat sie das Material verarbeitet, welches in den vergangenen Monaten die Kabinen verhüllte.

Weshalb man in Lenzburg die Telefonkabinen nicht einfach entfernte, hat nicht zuletzt einen nostalgischen Hintergrund. Bei der Stadt macht man unter anderem soziokulturelle Gründe geltend.

«Für die Gastarbeiter, welche einst in der Lenzburger Industrie und im Baugewerbe tätig waren, war das öffentliche Telefon die einzige Möglichkeit, mit ihren Familien direkt zu kommunzieren», erklärte Stadtrat Stücheli bei der Eröffnung.

Die Kultkabinen sind mit kostenlosem W-Lan und mit Defibrillatoren ausgerüstet. Wer ein Häuschen mieten möchte, meldet sich bei info@swl.ch.

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