Lenzburg

Zweiter Anlauf: Die Stadt möchte das ehemalige Herrschaftshaus verkaufen

Das Bündner Herrschaftshaus dient heute als Ferienhaus.

Das Bündner Herrschaftshaus dient heute als Ferienhaus.

Vor 14 Jahren verhinderten die Lenzburger die Veräusserung des Lagerhauses in Samedan an der Urne. Bereits nächstes Jahr soll die Liegenschaft auf den Markt gebracht werden.

Gemeinden, welche heute noch ein eigenes Ferienhaus besitzen, werden immer rarer. Zu ihnen gehört Möriken-Wildegg, das sein Berghaus auf der Bettmeralp derzeit für über eine Million Franken saniert. Ende Jahr soll es wieder eröffnet und zur Vermietung freigegeben werden.

Auch in Lenzburg war man jahrzehntelang stolz darauf, ein eigenes Ferienhaus zu besitzen. Beim Lagerhaus handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Liegenschaft, sondern um ein ehemaliges Engadiner Herrschaftshaus an zentraler Lage im Dorf Samedan. Das Gebäudeinnere wurde den Nutzerbedürfnissen entsprechend umgebaut und bietet heute Platz für 91 Personen.

Eine baldige Trennung soll erfolgen

Nun hat der Stadtrat beschlossen, sich vom Ferienhaus im Bündnerland zu trennen. Das geht aus der aktuellen Aufgaben- und Finanzplanung der kommenden vier Jahre hervor. Die Trennung soll schon bald erfolgen. Bereits im nächsten Jahr soll die Liegenschaft auf den Markt gebracht werden. Ist allenfalls bereits eine Käuferschaft vorhanden? Vizeammann Franziska Möhl verneint. Ihr sind keine Interessenten bekannt. Das Haus sei noch nicht zum Verkauf angeboten worden.

Verkaufspreis hat sich fast halbiert

Zur Erinnerung: Vor 14 Jahren scheiterte ein Versuch, das Lagerhaus zu verkaufen. Zwar hatte der Einwohnerrat grünes Licht gegeben für die Veräusserung, jedoch gingen in gewissen Kreisen anschliessend die Wogen hoch. Nach einer emotional geführten Debatte wurde der Verkaufsentscheid in einer Referendumsabstimmung im Frühjahr 2006 über den Haufen geworfen. Lenzburg war nicht bereit, sein Ferienhaus aufzugeben. Dies, obwohl die tiefen Belegungszahlen im Verlaufe der Jahre immer wieder zu Reden gaben.

Zwei Millionen Franken für die Stadtkasse

Während 2006 von Kritikerseite mit dem «Verscherbeln des Tafelsilbers» argumentiert wurde, ist anzunehmen, dass Lenzburg sich jetzt in den Verkauf des Hauses schicken wird. Diesmal wurde «Samedan» im Einwohnerrat bei der Besprechung des Aufgaben- und Finanzplans 2020–2024 vergangen Woche mit keinem Wort mehr erwähnt. Finanziell ist das Ferienhaus eine Belastung für die Stadt und führt jedes Jahr zu Verlusten in fünfstelliger Höhe.

Die Immobilie dürfte nicht mehr so viel Geld einbringen wie einst angenommen. Früher wurde von einem Verkaufserlös für das ehemalige Herrschaftshaus von bis zu 3,8 Millionen Franken gesprochen. Jetzt soll die Veräusserung zwei Millionen Franken in die Lenzburger Stadtkasse spülen. «Der geschätzte Verkaufspreis wurde vorsichtig und damit tiefer angesetzt», kommentiert Möhl den Betrag. Das habe mit der Preisentwicklung der Immobilien zu tun und den Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative auf den Markt.

Bescheidenes Interesse der Lenzburger Schulen

Den Entscheid, sich vom Lenzburger Ferienhaus zu trennen, begründet Möhl unter anderem mit den hohen Investitionen in Schulhäuser. «Schulbauten lösten in der Vergangenheit hohe Investitionen aus und werden es auch in Zukunft tun. Der Erlös kann für die Infrastruktur vor Ort eingesetzt werden.» Allein schon zehn Millionen Franken kosten die 2. Etappe des Schulhauses Mühlematt sowie Sanierung/Umbau der Bleiche, welche im Frühling 2021 vors Volk kommen.

Als weitere Argumente für den Verkauf des Lagerhauses führt Franziska Möhl die spärliche Belegung durch die Lenzburger Schulen an und dass der Betrieb eines Ferienhauses nicht zu den Kernaufgaben einer Stadt gehöre.

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