Dem Bahnhof Lenzburg steht ein Eingriff in einer derzeit kaum vorstellbaren Grössenordnung bevor: Kein Stein mehr wird auf dem andern bleiben. Das ist das Resultat der vom Stadtrat Lenzburg in der vergangenen Woche publizierten «Funktionalen Studie Verkehr». Diese hat die Stadt Lenzburg in den letzten 1½ Jahren in Zusammenarbeit mit den SBB, dem Kanton und dem Verkehrsplaner Metron AG, Brugg, erarbeitet.

Wichtiger Bestandteil des neuen Bahnhofs ist die Verbesserung der Sicherheit für die wartenden Reiseteilnehmer. Dazu müssen die Perron- und Gleisanlagen verbreitert werden. Die SBB planen, diese den Platzbedürfnissen während der Spitzenzeiten anzupassen mit Passagierbewegungen im Fern- und Regionalverkehr von bis zu 2200 Personen innerhalb einer halben Stunde. Die SBB haben die Gleisgeometrie festgelegt. Die Anlagen werden sich mit teilweise bis zu 50 Prozent breiteren Perrons in südlicher Richtung ausweiten. Für den Ausbau des Bahnhofs Lenzburg hat der Bund Ende letzten Jahres 192 Millionen Franken reserviert.

Die Verbreiterung von Perron- und Gleisanlagen hat Folgen für das heutige Aufnahmegebäude der SBB: Es muss weichen und andernorts neu erstellt werden. Ebenso muss Raum für einen neuen Bushof mit total 13 Buskanten geschaffen werden. Rund 260 Park&Ride-Abstellplätze sind vorgesehen. Hinzu kommen Flächen für Mobility-Autos, Taxi, Kurzzeitparking sowie Kiss&Ride-Stopps. An mindestens vier Standorten rund um den neuen Bahnhof sollen 1500 Velos abgestellt werden können.

Als weiterer Eckpfeiler des künftigen neuen Bahnhofs soll die Seetalbahn in Zukunft auf das südlichste Gleis in den Bahnhof geführt werden. Wohl weniger zur Freude des motorisierten Verkehrs: Die Ein- und Ausfahrt des «Seetalers» in den Bahnhof Lenzburg stoppt deren Fahrt in Zukunft gleich zweimal: Zur heutigen Barriere auf der Augustin-Keller-Strasse kommt eine zweite auf der Bahnhofstrasse hinzu. Die Schranken werden in der Regel viermal pro Stunde (Halbstundentakt) für einige Minuten geschlossen sein.

Während die Gleisgeometrie der SBB definitiv festgelegt ist, ist alles Übrige in der als «Bestvariante» bezeichneten vorliegenden Studie heute noch unverbindlich. Fakt ist jedoch: Dem Ausbau des Bahnhofs sind in städtebaulicher Hinsicht Grenzen gesetzt: In östlicher Richtung sind es die Geschäftshäuser Arcamala und Lenzportal, im Norden das bestehende Wohnquartier. Auf der Südseite wurde vor einem Jahr das neue Stapferhaus eröffnet. Eine künftige Erweiterung des Bahnhofs dürfte also gegen Westen erfolgen.