Peter Studler (49) ist der vorläufig letzte Vertreter einer Seetaler Bäckerei-Dynastie. Kurz nach der Jahrtausendwende hat er das Stammhaus in Seengen von seinem Vater übernommen.

Als Beck hatte Peter Studler einen guten Ruf. Er war 1994 sogar Weltmeister. Und er amtete eine Zeit lang als Obmann Lehrlingsausbildung des Aargauischen Bäckermeisterverbands.

Studlers Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Neben den Bäckereien in Seengen und Mellingen (bis 2015 auch in Seon und bis 2017 im Pfister-Center Suhr) eröffnete er «Local»-Betriebe in Lenzburg, Wohlen und Suhr (hier auch mit einem Hotel).

Als Unternehmer kämpft Studler mit grossen Schwierigkeiten. Sein Ruf ist ramponiert. Im Sommer 2018 berichtete der «Kassensturz» unter dem Titel «Entlassen wegen schlechter Pizza: Chef schikanierte Angestellte».

Kassensturz zum Fall Studler

Es ging um das Hotel/ Restaurant Local in Suhr. Letzte Woche war das «Local» Suhr zwei Mal Thema im «Blick». Dies unter anderem unter dem Titel «Lohn gekürzt, weil die Zimmer dreckig waren».

Die AZ berichtete Anfang Mai, dass über die Bäckerei Studler der Konkurs eröffnet worden war. Dieser wurde dann aufgehoben, nachdem Studler die geforderten 350 Franken bezahlt hatte.

Nach der Begleichung des Ausstandes verzichtete das Aargauer Obergericht auf eine «weitere Prüfung der Zahlungsfähigkeit der Beklagten». Im Juni sind Peter Studler und seine Partnerin wegen mehrfacher versuchter Nötigung, Hausfriedensbruch und geringfügiger Sachbeschädigung verurteilt worden (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig). Es ging um einen Streit im Zusammenhang mit einer Baustelle.

Schon zwei Anzeigen vom Amt für Verbraucherschutz

Jetzt wird bekannt, dass die Betriebe von Peter Studler grosse Probleme mit der kantonalen Lebensmittelkontrolle haben. So grosse, dass es bereits zwei Anzeigen gibt und eine dritte in Aussicht gestellt worden ist.

Bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ist in zwei Fällen Anzeige gegen die Local Group AG eingereicht worden. Im Raum stehen Widerhandlungen gegen das Lebensmittel- gesetz. Derzeit sind die polizeilichen Ermittlungen im Gang. Aufgrund der laufenden Ermittlungen kann Fiona Strebel, die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, keine nähere Auskunft geben.

Der dritte Fall bezieht sich auf eine Inspektion am 21. Mai im «Local» in Suhr. Damals sind unter anderem Lebensmittel mit abgelaufenem Verbrauchsdatum aufgefunden worden. Im hinteren Bereich der Küche wurden Abfälle eine Woche lang gelagert.

Und der Lebensmittelkontrolleur vermerkte: «Beim Treppenabgang zum Lager türmen sich volle Abfallsäcke.» Unter dem Titel «Täuschung» wird darauf hingewiesen, dass «dem Kunden Bio-Produkte angeboten werden, die in Wahrheit gar keine sind».

Etwa Bio-Feta, Bio-Eier, Bio-Brie oder Bio-Schlagrahm. «Es erfolgt Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft», heisst es im Bericht, welcher der AZ vorliegt. Derartige Anzeigen sind eher selten. Gegen die Inspektion hat Local Group Einsprache eingereicht.

Trotz Urteil 1388 Franken nicht bezahlt

Studler hat auch immer wieder grossen Ärger mit seinen Angestellten. Und die Bereitschaft, allfälliges Fehlverhalten einzusehen, ist klein – selbst wenn es um Bagatellbeträge geht. Die Rezeptionistin Samantah Hauri (sie trat vor einem Jahr im «Kassensturz» auf) gewann vor Arbeitsgericht Lenzburg (rechtskräftig).

Peter Studler müsste ihr 1388 Franken bezahlen. Er weigert sich, sie musste ihn betreiben, er machte Rechtsvorschlag – und wenn er administrativ nicht wahnsinnig aufpasst, droht ihm erneut ein Konkursverfahren.

Schlechte Erfahrungen mit der Local Group machte auch Patrick David (29). Der Deutsche, der seit zwei Jahren in der Schweiz tätig ist, sagt:

Sein Arbeitsvertrag begann am 1. Juni 2019, er arbeitete aber seit dem 25. Mai im Betrieb. Am 27. Juni hat er fristlos gekündigt. David hatte im «Local» in Suhr (59 Hotelbetten) die Funktion eines Frontmitarbeiters und eines Supervisors gehabt (in mündlicher Absprache mit Studler seine rechte Hand). Studler habe ihm bisher noch gar kein Geld bezahlt. Und er habe ihm in einer Abmahnung einen Abzug von 299 Franken in Aussicht gestellt – für ein Zimmer, das das Housekeeping laut David nicht richtig gemacht habe.

Und was sagt Peter Studler zu all den im «Blick» und in der Strafanzeige erhobenen Vorwürfen?