Niederlenz

Zwei Jahre nach der Vermessung: Sollen die Giganten im Wald gefällt werden?

4,3 Meter Umfang: Willi Bürgi vor dem grössten Niederlenzer Baum.

4,3 Meter Umfang: Willi Bürgi vor dem grössten Niederlenzer Baum.

Die Gemeinde ist stolz auf ihre vielen alten Bäume. Trotzdem stellt sich die Frage: abholzen oder nicht? Ein besonderer Wettbewerb soll dazu Antworten liefern.

Willi Bürgi steht im Niederlenzer Wald. Er zeigt auf eine Buche und sagt stolz: «Das ist unsere Königin der Bäume!» Dann setzt der Präsident der örtlichen Landschaftskommission einen Fuss vor den anderen und geht langsam um den Baum. Dieser ist ein Gigant: Durchmesser 1,37 Meter, Umfang 4,3 Meter.

Die Schneitelbuche ist damit der dickste Baum in Niederlenz. Nur zwei Zentimeter mehr und er wäre vielleicht sogar der grösste im ganzen Forstrevier Lenzia, zu dem nebst Niederlenz auch Ammerswil, Othmarsingen, Staufen und Lenzburg gehören. Doch auf Lenzburger Boden steht eine 1,39 Meter breite Buche, was den einen oder anderen Niederlenzer ziemlich fuxen dürfte.

Drei Förster in 100 Jahren

Die Niederlenzer Schneitelbuche ist dennoch ein Prachtexemplar und einen Besuch wert. Gelegenheit dazu gibt es am Samstag: Die Landschaftskommission lädt zu einem herbstlichen Waldspaziergang zu den zwölf mächtigsten Bäumen. Wer mitläuft, darf die Bäume bewerten. Der Baum mit den meisten Punkten wird beim Zvieri zum «Baum des Jahres 2016» gekrönt.
Die Landschaftskommission geht mit diesem besonderen Waldumgang neue Wege. Dies aus zwei Gründen: «Wir wollen der Bevölkerung zeigen, was der Wald bietet, und gleichzeitig eine Diskussion anstossen», sagt Willi Bürgi. Was soll mit den alten Baumgiganten passieren? Sollen sie irgendwann geerntet werden und die notleidende Forstkasse entlasten? Oder sollen sie als lebende Baumdenkmäler stehen bleiben und die Biodiversität fördern?

Auf diese Fragen braucht es Antworten. Denn Niederlenz hat im Vergleich zu anderen Gemeinden überdurchschnittlich viele alte Bäume. «Das verdanken wir der Weitsicht mehrerer Generationen von Förstern», sagt Bürgi. In den vergangenen knapp 100 Jahren waren drei Förster für den Wald verantwortlich. Jeder blieb mehrere Jahrzehnte. Der aktuelle Stadtoberförster Frank Hämmerli ist seit 1992 im Amt.

Jeder Baum ist genau vermessen

Frank Hämmerli und sein Team ist es auch zu verdanken, dass die Niederlenzer wissen, wo die grössten Bäume stehen. Vor zwei Jahren haben die Forstdienste Lenzia alle Bäume im Niederlenzer Wald im Lenzhard vermessen. Zwei Mann waren zwei Wochen am Werk. Das war ein besonderer Einsatz, denn heutzutage werden Bäume geschätzt statt von Hand vermessen. Doch Hämmerlis Team wollte es ganz genau wissen.

Dank dieser Arbeit liegt heute eine Liste mit den 60 mächtigsten und speziellsten Bäumen im Niederlenzer Wald vor. Die Top 12 gibt es am Samstag zu bewerten. Willi Bürgi hat Favoriten, die Wahl fällt ihm jedoch schwer. «Jeder Baum hat eine Persönlichkeit», sagt er. Und: «Jeder verdient es, König zu sein.»

Herbstspaziergang: Samstag, 22. Oktober, 13.30 Uhr, Parkplatz «Hundehütte». Nach einem Rundgang wird der «Baum des Jahres 2016» gewählt. Anschliessend offerieren die Ortsbürger ein Zvieri.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1