JVA Lenzburg

Zwei Häftlinge stellen tonnenweise 5-Sterne-Joghurt her

Seit zwei Wochen wird in der Joghurterie der Justizvollzugsanstalt Lenzburg (JVA) wieder produziert. Unerlässlich sind dabei Timing und die richtige Temperatur. Die eine Hälfte wird über den 5-Sterne-Laden des Gefängnisses verkauft.

Im Keller des zweiten Flügels der Justizvollzugsanstalt Lenzburg arbeiten von 7.20 Uhr bis etwa 16.30 Uhr zwei Gefangene in der Joghurterie so selbstständig, wie es in einem Gefängnis eben geht: Zum einen ist da Herr M., Lieblingsjoghurt Erdbeere, seit drei Jahre in der Joghurterie beschäftigt und zum anderen arbeitet hier seit zwei Jahren auch Herr N., Lieblingsjoghurt Birchermüesli. «Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen», betont M.

In anderen Abteilungen habe man immer jemanden, der einem auf die Finger schaut. «Hier bekommen wir am Morgen die Bestellungen und teilen den Tag selber ein.» Ausserdem hätten sie hier ihre Ruhe, fügt N. an.

Die beiden Männer sind entspannt, aber auch konzentriert bei ihrer Arbeit. Sie konnten den Job in der Joghurterie nur durch gutes Betragen und gewissenhafte, saubere Arbeit in der Küche erhalten. «Es ist wichtig, dass die Arbeiter vertrauenswürdig sind», sagt Andrea Klee, Leiterin der Hauswirtschaft. Ihr Lieblingsjoghurt ist die Sorte Maroni. «Denn in der Joghurterie arbeiten die Gefangenen sehr selbstständig.» Zudem sei es wichtig, dass sich die beiden Männer gut verstehen.

Halbes Jahr Unterbuch

«Bei der Joghurtproduktion kommt viel auf Timing und Temperatur an», erklärt M. Selbstbewusst referiert er über die Produktion: erwärmen, mit Milchpulver vermengen, erhitzen, beimischen der Milchsäurebakterien, abkühlen lassen. «Mann muss auch viel rechnen», sagt er. «Gerade, wenn es darum geht, die Geschmacksnoten in der richtigen Dosierung hinzuzufügen.»

Besonders motivierend bei ihrer Arbeit ist für die beiden Häftlinge, dass ihre Familien vom 5*-Laden der JVA etwas nach Hause nehmen können, was sie produziert haben. So bekommen dann auch die Töchter von N. ihre Lieblingsjoghurt: Erdbeere.

In einem Jahr stellen die zwei Mann im Keller der JVA 17 Tonnen Joghurt her. Diese Zahl werden sie aber wohl dieses Jahr nicht erreichen: Durch die Sanierung des «Fünfsterns» musste die Joghurt-Produktion für ein halbes Jahr unterbrochen werden.

In dieser Zeit wurde die im JVA-eigenen Landwirtschaftsbetrieb produzierte Milch extern weiterverarbeitet. Das in dieser Zeit erhältliche Joghurtsortiment war dadurch eingeschränkt. Nicht alle Joghurtsorten konnten angeboten werden.

Doch nun sind die Arbeiten am Flügel zwei beendet und es stehen wieder alle 16 Joghurtsorten im Kühlregal des 5*-Ladens. Etwa die Hälfte der in der JVA produzierten Joghurt geht an den Laden und ist ein wichtiges Standbein für dessen Erfolg. Die andere Hälfte wird für die Mahlzeiten der momentan 250 Gefangenen gebraucht. Ein kleiner Teil wird jedoch auch an Lebensmittelläden geliefert.

Die Sanierung der JVA schreitet derweil voran: Nachdem nun der Flügel zwei wieder genutzt werden kann, wird nun Flügel drei erneuert. Das hat zur Folge, dass die Bäckerei vorübergehend geschlossen werden muss.

Für die nächsten sechs Monate wird daher im 5*-Laden Brot aus externer Produktion angeboten.

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