Lenzburg
Zwei Brüder mit unzähligen Geschäftsideen

Den Jungunternehmer Florian und Nicholas Hänny mangelt es nicht an Geschäftsideen: Handdesinfektionsgel, über das Turnsäckli, bis hin zur Website über das Skiwetter.

Janine Gloor
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Florian (li.) und Nicholas Hänny sind noch keine 25 Jahre alt und haben schon mehrere Ideen, wie sie sich selbstständig machen wollen.

Florian (li.) und Nicholas Hänny sind noch keine 25 Jahre alt und haben schon mehrere Ideen, wie sie sich selbstständig machen wollen.

Chris Iseli

Auf den ersten Blick gleichen sich die Brüder nicht. Auch im Gespräch unterscheiden sie sich. Der Jüngere, Florian Hänny, ist zurückhaltender. Wägt seine Worte vorsichtig ab, die Hände bleiben still auf dem Tisch. Der Ältere, Nicholas, ist spontaner und unterstreicht seine Aussagen mit Gesten.
Ein Gedanke lässt sie beide nicht los. Sie sind unermüdlich auf der Suche nach neuen Ideen und Geschäftsmodellen. «Ich habe schon immer über Gschäftli nachgedacht», erklärt Nicholas (24). An der Kanti konnte er zum ersten Mal eine Idee in Tat umsetzen. Für ein Schulprojekt hat er in einer Gruppe ein Handdesinfektionsgel entwickelt. Sein Unternehmergeist wurde geweckt.
Ein neues Projekt war schnell gefunden, als die Turnsäckli wieder Mode wurden. «Ich habe mich geärgert, weil ich in diesen Taschen nichts fand.» So beschloss er, sein eigenes Modell mit Aussen- und Innenfächern zu entwerfen. Nicholas gründete das Unternehmen Nikit, fand Hersteller und hat bis heute schon 500 Taschen verkauft. Auch für die Ausbildung haben die Brüder verschiedene Wege eingeschlagen. Florian studiert seit letzten Herbst Informatik an der Fachhochschule, Nicholas hat einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre von der Hochschule St. Gallen, ein Master soll folgen.

Jede Idee wird aufgeschrieben

Die Brüder wirken vertraut, tauschen Blicke aus und übergeben einander das Wort. Nicholas hat mit seiner Suche nach freien Domains den Stein für Florians bisher grösstes Projekt ins Rollen gebracht. Die Adresse www.skiwetter.ch war noch frei. Florian (22) hat sie kurzerhand gekauft und hat grosse Pläne. «‹Skiwetter.ch› soll die wichtigste Anlaufstelle für das Wetter von Skiorten werden», sagt er.
Doch damit ist nicht genug, Florian hat so viele Ideen, dass es manchmal langweilig wird, sich nur mit einer zu beschäftigen. Häufig kommen die Inspirationen, wenn er an etwas ganz anderes denkt. Oder beim Duschen. Beide Brüder führen einen Ordner, neue Geschäftsmodelle werden sogleich festgehalten. Wenn die Skiwetter-Seite läuft, wird sie verkauft. Reut ihn das nicht? Florian lächelt. Ganz sicher sei er noch nicht.

Tatendrang trotz Gegenstimmen

Die Jungunternehmer stossen nicht überall auf Begeisterung. «Es gab Kollegen, die haben mich belächelt, als ich mein Label gegründet habe», sagt Nicholas. Er hat jedoch unbeirrt an der Idee festgehalten. Auch als die Anwälte einer ähnlich klingenden Marke bei ihm angeklopft hatten. «Das beste Gefühl war für mich, als ich einen meiner Bags an einer Person sah, die ich nicht kannte.»
Die Brüder schwärmen von Erfahrungen im Ausland, wo es mehr Raum für Kreativität und Start-ups gibt. «In der Schweiz sind die Leute weniger offen für Neues», sind sie sich einig. Florian war schon einmal in Indien an einem Kurs. Die Lebensqualität der Schweiz möchte er aber nicht missen.

Das Ziel ist für beide klar. Selbstständig zu sein, von den Ideen leben zu können. Florian, ganz der Analytiker, weiss auch schon, welcher Weg dafür eingeschlagen werden muss. Das Stichwort heisst Internetwerbung. Mit Anzeigen, die so gut platziert und personalisiert ist, dass sie nicht mehr als solche wahrgenommen wird, lässt sich gutes Geld verdienen.
Nicholas arbeitet im Moment bei der Fluggesellschaft Swiss im Bereich Internetwerbung. «Vielleicht steige ich ja mal bei Florian ein». Er hat aber auch noch eine andere Idee in den Startlöchern: «Ich will im Internet Tee verkaufen.» Die ersten Teemuster sind bereits eingetroffen.