Früher sprang bei Berufstätigkeit der Mutter das Grosi oder die Nachbarin ein, heute leisten diese Betreuungsarbeiten häufig Tagesfamilien. Tagesmütter helfen nicht nur, die Grundbedürfnisse der Kinder zu befriedigen, sie unterstützen die kleinen Persönlichkeiten auch in ihrer sozialen Entwicklung. Der Verein Tagesfamilien Region Lenzburg engagiert sich seit 20 Jahren für die Vermittlung von Plätzen in Tagesfamilien.

Wie so oft beginnt Grosses ganz klein. Vor 20 Jahren betreuten vier Mütter aus Egliswil gegenseitig ihre Kinder. Um gesetzlich besser abgesichert zu sein, gründeten sie einen Verein. Die Jugend-, Ehe- und Familienberatung sowie die Pro Juventute unterstützten den jungen Verein. Seit 4 Jahren sind Tagesfamilien-Vereine schweizweit losgelöst von der Pro Juventute und als Mitglieder des neu gegründeten Dachverbands Tagesfamilien Schweiz den Kita (Kindertagesstätten) gleichgestellt.

Nicht immer Friede und Freude

Der Verein ist in der Region Lenzburg in 32 Gemeinden tätig. Er zählt fünfzig Familien, welche über hundert Kinder betreuen. Präsidentin Magdalena Bärtschi freut sich über den grossen Zuwachs. «Zurücklehnen – das ist ein Ding der Unmöglichkeit», schreibt sie im Jahresbericht. Die Vereinsstrukturen haben sich in den Jahren verändert. Nicht alle Betreuungspersonen sind begeistert, wenn sie hören, dass ein Basiskurs absolviert werden muss. Eine fundierte Ausbildung haben auch «Familienvermittlerinnen». Sie suchen passende Tageseltern für die Kinder und wirken nach Vertragsabschluss wie ein Coach. Haben sich Tagesfamilie und Kind gefunden, läuft anfangs oft alles reibungslos.

Fremde Kinder können auch Probleme in der Familie schaffen. Dank der in Supervision, Pädagogik oder kulturellen Anliegen geschulten Vermittlerin werden sie oft im Anfangsstadium erkannt und entschärft. Myriam Riesen, Geschäftsstellenleiterin des Vereins, betont, dass die Vermittlerin stets beratend zur Seite steht.

Manchmal beginnt die Herausforderung bereits beim Finden einer passenden Tagesfamilie. «Tagesmütter im Nachbarhaus gibt es praktisch nie.» Die Eltern müssen eine gewisse Flexibilität mitbringen. Den Einwand, dass die Organisation von Eltern, die es sich leisten könnten, ihre Kinder selbst zu betreuen, ausgenutzt wird, und bedürftigen Familien solche Plätze wegnimmt, lassen Magdalena Bärtschi und Myriam Riesen nicht gelten. Bisher konnten praktisch alle Anfragen positiv erledigt werden. Da die Bezahlung über einen Sozialtarif abgerechnet wird, das heisst, besser gestellte Eltern bezahlen mehr, gehe die Rechnung auf.

Bereicherung für die Familie

Magdalena Bärtschi ist überzeugt, dass der finanzielle Anreiz nicht der Hauptgrund für die Aufnahme fremder Kinder ist. Die kleinen Gäste sind für die Familie oft eine grosse Bereicherung. Das eigene Kind ist für einen oder mehrere Tage nicht mehr das jüngste oder das älteste Kind und geniesst die neue Stellung. In Tagesfamilien kann zudem – im Gegensatz zu Kita – flexibler und individueller auf die Betreuungszeiten eingegangen werden. Dank Spenden, Mitgliederbeiträgen und Gemeindezulagen steht der Verein auf gesunden Füssen. Für die engagierte Präsidentin ist das, wie gesagt, kein Grund zum Zurücklehnen. Ihr Ziel ist es, noch mehr Professionalität zu schaffen und als verlässlicher Partner für die Gemeinden bereitzustehen.

Konzert: Kinderliedermacher Christian Schenker spielt am Samstag, 20. November, im Zopfhaus in Staufen. Beginn um 14.30 Uhr. www.tagesfamilien.ch