Lenzburg
Zur Lösung der Verkehrsprobleme fehlt Platz

Wie soll der Verkehr in Lenzburg flüssiger werden? Es gab viele Ideen, die an der Podiumsdiskussion an der «Lega 14» diskutiert wurden, aber nur wenig Konkretes.

Fritz Thut (Text) und Ruth Steiner (Umfrage)
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Wie kriegt man die Lenzburger Verkehrsprobleme, hier auf dem A1-Zubringer, in den Griff? Darüber wurde am Samstag an der Lega diskutiert.

Wie kriegt man die Lenzburger Verkehrsprobleme, hier auf dem A1-Zubringer, in den Griff? Darüber wurde am Samstag an der Lega diskutiert.

Archiv/Toni Widmer

Die Verkehrsprobleme rund um Lenzburg seien «für viele ein tägliches Ärgernis», hielt Jörg Kyburz, der Geschäftsführer des Gemeindeverbandes «Lebensraum Lenzburg Seetal», zu Beginn der von der Organisation initiierten Podiumsdiskussion im Rahmen der regionalen Gewerbeausstellung «Lega 14» in Lenzburg fest.

Trotz den «fünf kompetenten Teilnehmern» (Kyburz) kam die Runde zu keinen konkreten Vorschlägen, wie der Verkehrsfluss rund um den Bezirkshauptort in absehbarer Zeit beschleunigt werden kann.

Der kantonale Baudirektor Stephan Attiger räumte ein, dass auch Lenzburg «eine verkehrstechnisch grosse Herausforderung» darstelle. Mit punktuellen Massnahmen sei da wenig herauszuholen, solange das nationale Strassennetz (gemeint ist die Autobahn 1) nicht «wieder funktionstüchtig» sei, also den aus der Region zugelieferten Verkehr übernehmen könne. Noch müssen aber bis zum Sechs-Spur-Ausbau Jahrzehnte erduldet werden.

Um auf diesen entscheidenden Moment vorbereitet zu sein, haben Kanton und Gemeinden die «Netzstrategie Unteres Seetal» verabschiedet. Während Dölf Egli, als Ammann der von Durchfahrtsverkehr geplagten Gemeinde Schafisheim, auf eine schnelle Umsetzung und Realisierung drängte, signalisierten die Redner aus dem Publikum Sorgen über den Verlust von zusätzlichem Boden bei den angedachten Umfahrungen. Attiger beruhigte diesbezüglich: Noch sei man «weit weg von konkreten Projekten».

Brigitte Vogel «Mit der Bildung von Fahrgemeinschaften könnte der Verkehr zu Stosszeiten entlastet werden. Auch das wäre ein Lösungsansatz.»
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Herbert Flury, Seengen «Priorität haben die Ostumfahrungen von Seon und Schafisheim – Umsetzung wie in der ‹Netzstrategie› vorgeschlagen.»
Roland Berner, Staufen «Zuerst muss der Knoten Lenzburg entlastet werden, denkbar wäre eine ‹Seetal-Autobahn›. Ideen zur Umfahrung sind da.»
Margrit Schmid, Lenzburg «Der Bahnhofplatz ist eine Katastrophe. Die Villa Langenbach hätte man der Linienführung der Seetalbahn opfern müssen.»

Brigitte Vogel «Mit der Bildung von Fahrgemeinschaften könnte der Verkehr zu Stosszeiten entlastet werden. Auch das wäre ein Lösungsansatz.»

Ruth Steiner

Neue Modelle gefordert

Keine Freude an der «Netzstrategie» hat die Lenzburger Grossrätin Irène Kälin (Grüne), die auch auf dem Lega-Podium die These vertrat, neue Strassen würden nur neuen Verkehr «produzieren»: «Nach kurzer Zeit verlagern sich die Probleme an einen neuen Knoten.» Aus ihrer Sicht nachhaltiger wäre, wenn die Gesellschaft neue Arbeitszeitmodelle schaffen könnte, denn während 20 Stunden pro Tag würde die Verkehrsinfrastruktur ausreichen.

Eine Entlastung des Drucks von immer mehr Autos auf das Netz könnten schnelle, sichere Radwege für Pendler schaffen: «Dies könnte ein wesentlicher Beitrag zur Lösung des Verkehrsproblems darstellen», zeigte sich Werner Christen (Präsident der IG Velo) überzeugt.

«Es fehlen Trassees»

Dabei handelt es sich um ein relativ neues Phänomen, räumte Regierungsrat Attiger ein. Beim touristischen Radwegnetz sei der Aargau gut aufgestellt, doch bei diesen «Veloautobahnen» müsse man die Chancen und Möglichkeiten neu prüfen. Eine zusätzliche Hürde taucht auch hier auf. Attiger: «Bei uns ist alles dicht bebaut; da fehlen uns Trassees.»

«Uns fehlt der Raum – auch für bessere Velolösungen.» Der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann nahm dieses Argument auf und räumte auch innerstädtische Versäumnisse ein. Nachdem Christen das Abenteuer der Stadtdurchquerung von der Widmi zum Bahnhof per Zweirad drastisch geschildert hatte, gab sich Mosimann selbstkritisch: «Hier ist Lenzburg eine Stadt mit Ecken und Kanten.»

Ein Patentrezept lieferte also niemand. Mosimann, als «Lebensraum»-Präsident in Doppelfunktion präsent, rief zu mehr Toleranz und Gelassenheit auf: «Eine Lösung zu friedlicher Koexistenz finden wir nur, wenn wir aufeinander zugehen.» Und: «Es gibt kein Menschenrecht, staufrei von A nach B zu kommen.»

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