Von solch einem Start in die Selbstständigkeit träumt so mancher: Als Hanspeter Hugelshofer seine Einzelfirma Elektro Hugelshofer in Rupperswil gründete, zog er unmittelbar darauf einen grossen Auftrag an Land. Er erhielt den Zuschlag für die Überbauung Mitteldorf in Rupperswil mit Apotheke, Café, Heizungsgeschäft und Coiffeur – und konnte gleich zwei Monteure einstellen. Das war 1979. Heuer feiert das Unternehmen das 40-Jahr-Jubiläum.

«Die Kunden von damals zählen auch heute noch zu unseren Kunden», sagt der 77-jährige Hanspeter Hugelshofer, dessen Basler Akzent auch nach knapp 50 Jahren im Aargau noch immer durchdrückt. Hierhergezogen sei er berufshalber, erzählt er. Nach einer Elektromonteur-Lehre in Basel und anschliessendem Ingenieur-Studium am Abend-Technikum in Zürich erhielt er eine Stelle bei der damaligen BBC in der Region Baden. «Ich lief der Arbeit nach, nicht dem Vergnügen», sagt Hugelshofer mit einem Schmunzeln. Mit 40 Jahren gründete er seine eigene Firma. «Ich wollte meine eigenen Entscheide fällen – und dafür auch die Verantwortung übernehmen.»

Eine grosse Unterstützung dabei war seine holländische Frau, die er am Abend-Technikum kennen gelernt hatte. Sie betreute nicht nur ihre drei Kinder und arbeitete als Krankenschwester, sondern tippte auch Offerten und Rechnungen auf der Schreibmaschine. Und wenn irgendwo der Strom ausfiel, stieg sie aufs Velo und radelte auf die Baustelle, um ihren Mann zu benachrichtigen. Denn Elektro Hugelshofer leistet seit Anfang der 80er-Jahre den Pikettdienst für das Elektrizitätswerk Rupperswil. Ab den 90er-Jahren erleichterte das erste, fünf Kilogramm schwere Handy den Dienst.

Von der Garage in eigenes Gebäude

Schon bald nach der Gründung zählten einheimische Betriebe wie die Zuckermühle oder das Baustoff-Unternehmen Haga AG zu den Auftraggebern. Das Elektro-Geschäft lief so gut, dass die Firma bereits nach kurzer Zeit Büroräume in der Überbauung Mitteldorf kaufte – im selben Gebäude, wo Hugelshofer seinen ersten Auftrag ausgeführt hatte. Zuvor befand sich das Büro im Wohnhaus am Haldenweg 10, die Garage hielt als Magazin her.

Doch die Schweizer Immobilienkrise in den 90er-Jahren machte auch Hanspeter Hugelshofer und seinem Unternehmen zu schaffen. «Das waren schwierige Zeiten. Wir hatten zeitweise nur für zwei Tage Arbeit», erinnert er sich. «Das braucht Nerven wie Drahtseile, damit man nicht aufgibt.» Und das tat er auch nicht: Er klapperte telefonisch seine Kontakte ab, um Werbung zu machen, lieh seine Mitarbeitenden aus, damit er sie nicht entlassen musste, und realisierte Übergangsprojekte wie die Verkabelung von Siemens-Röntgenanlagen in Spitälern.

Und es sollte sich auszahlen. Nach einer kurzen Durststrecke ging es wieder aufwärts. Mitte der 90er-Jahre stieg Sohn Rainer ins Geschäft ein. «Das ist für mich der schönste Moment in der Firmengeschichte», sagt Vater Hugelshofer. «Er kann kompetent mit Menschen umgehen und ist im Dorf aufgewachsen.» Doch dass der gelernte Elektro-Installateur Rainer Hugelshofer einmal in die Fussstapfen seines Vaters treten wird, war nicht von Anfang an klar. Er arbeitete zuerst einige Zeit in Frankreich, bis er sich mit 25 Jahren dazu entschied, die Meisterprüfung zu absolvieren und ins Geschäft einzusteigen. Vater und Sohn verstehen sich gut. «Wenn es doch mal laut wird, glättet unsere langjährige Sekretärin die Wogen», sagt Rainer Hugelshofer (49) schmunzelnd.

Als die Einzelfirma 2001 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, übernahm Rainer Hugelshofer die Gesamtleitung. Heute teilt er sich diese mit dem gelernten Elektro-Installateur, Planer und Projektleiter Huss Hanna (43). Heute beschäftigen sie an der Metzgergasse 18 Mitarbeiter, die im ganzen Bereich Wohnungsbau, Gewerbe- und Industrie, Photovoltaik, Telematik und Gebäudeautomation Anlagen installieren.

Staatsbetriebe drücken Preise

Vier Lernende bildet das Unternehmen zurzeit aus. Über 50 waren es insgesamt. «Gerade schliesst unsere erste Lehrtochter ab – mit sehr guten Abschlussnoten», sagt Hanspeter Hugelshofer, der seit 13 Jahren pensioniert ist. Die Ausbildung ist anspruchsvoll, es braucht eine grosse Vorstellungskraft, Kenntnisse in Mathematik und Physik. Über Nachwuchsmangel könne sich die Firma nicht beklagen, so Hugelshofer. Was Vater und Sohn aber beschäftigt, sind staatsnahe Betriebe, die in der Privatwirtschaft mitmischen. «Als Teilmonopolbetriebe verzerren sie den Markt», sagt Rainer Hugelshofer. Und sein Vater ergänzt: «Es ist eine Schweinerei, dass Staatsbetriebe mit Privatabteilungen die Preise drücken und ihre Privatabteilungen querfinanzieren.»