Lenzburg

Zukünftige Aktivitäten von Lebensraum Lenzburg Seetal: Jetzt redet die Wirtschaft mit

Blick vom Eichberg über den «Lebensraum Lenzburg-Seetal». Der Standort soll in Zukunft stärker gefördert werden.

Blick vom Eichberg über den «Lebensraum Lenzburg-Seetal». Der Standort soll in Zukunft stärker gefördert werden.

Der Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal ändert seine Organisationsstruktur und setzt jetzt voll auf Standortförderung — die Geldgeber dürfen ab nun im Ausschuss Einsitz nehmen.

Der Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) will die Standortförderung in Zukunft noch höher gewichten. Und zwar so hoch, dass er die operative Ebene, das heisst die heutige Geschäftsstelle, umbenennt. Sie wird ab 2020 unter dem Namen «Standortförderung des LLS: Geschäftsstelle» geführt.

Mit dieser Namensänderung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sämtliche Aktivitäten des LLS dem Ziel dienen, die Region Lenzburg Seetal im Dreieck zwischen Aarau, Brugg und Baden noch stärker zu positionieren: Regional- und Verkehrsplanung, Wirtschaftsförderung, Stärkung als Wohnregion und das Engagement für günstige politische Rahmenbedingungen werden unter einen Hut gebracht.

Dieser Neuausrichtung des Gemeindeverbandes hat der LLS-Vorstand an seiner Sitzung vorgestern Abend grossmehrheitlich zugestimmt. Zuvor hatte LLS-Präsident Daniel Mosimann die Vertreter der 26 Trägergemeinden mit Voten wie «Standortförderung ist mehr als reine Wirtschaftsförderung. Sie betrifft alle Aktivitäten des Gemeindeverbands» und «die Wichtigkeit der Standortförderung wird aus der neuen Organisationsstruktur heraus ersichtlich» zu überzeugen versucht.

Noch kein Musikgehör für Wirtschaft vor zwei Jahren

Dieser Beschluss hat nicht unerhebliche Konsequenzen: Ab jetzt wird die Wirtschaft mitreden. Die regionale Wirtschaft, welche im Gremium bisher vor allem als Geldgeber willkommen war und in der bisherigen Kerngruppe Standortförderung eine beratende Stimme einnahm, erhält deutlich mehr Bedeutung zugemessen. Sie darf nun im Ausschuss Einsitz nehmen und erhält damit auf der strategischen Ebene eine wichtige Stimme. Dort, wo es darum geht, die Weichen für die zukünftigen Aktivitäten des LLS zu stellen.

Der Ausschuss umfasst acht Mitglieder und wird präsidiert von Lenzburgs Stadtammann Daniel Mosimann, der gleichzeitig auch dem Vorstand vorsteht. Hinzu kommen je ein Vertreter aus dem Seetal, dem Aabachraum, Maiengrün und Lotten sowie die Vorsitzenden der drei Kerngruppen Politik, Regionalplanung und der bisherigen Standortförderung.

Der Entscheid, der regionalen Wirtschaft im LLS mehr Mitsprache zukommen zu lassen, kommt einer Kehrtwende gegenüber der bisherigen Haltung des LLS-Vorstands gleich. Noch vor zwei Jahren, als die Standortförderung aus der Taufe gehoben wurde, lag ebendiese Frage bereits zentral auf dem Tisch: Soll der LLS-Ausschuss mit Vertretern der regionalen Wirtschaft erweitert werden?

Damals wurde das Anliegen von den Gemeindevertretern noch deutlich ausgeschlagen. Kritiker befürchteten bei einer Stärkung der Wirtschaft könnte die Gemeindeautonomie geschwächt werden. Auch jetzt war die Haltung der 26 Gemeindevertreter im Vorfeld nicht ganz klar gewesen. Die schon nach kurzer Diskussion deutliche Zustimmung zur beantragten Optimierung der LLS-Organisationsstruktur kommt deshalb eher überraschend.

Doch: Was hatte eine Anpassung der Organisationsstruktur nur gerade mal zwei Jahre nach der letzten Revision wieder nötig gemacht? Damals war die separate Position für die Standortförderung in der Region geschaffen worden. Stelleninhaberin Mani Sokoll hat im August 2019, nach knapp anderthalb Jahren, jedoch bereits wieder gekündigt. Eine durchgeführte Analyse der Organisation hatte Schwächen und Unklarheiten in der Führungs- und Organisationsstruktur geortet, erklärte Mosimann an der Vorstandssitzung am Mittwoch. Mit der Neuorganisation könne nun Klarheit geschaffen werden.

Beirat Standortförderung anstelle Kerngruppe

Was bleibt und was ändert sich in der angepassten Organisation? «Es wird mit denselben personellen Ressourcen und finanziellen Mitteln gearbeitet wie bisher», hielt Mosimann fest. Die Geschäftsstelle umfasst heute 150 Stellenprozent und bleibt auch in Zukunft unverändert dotiert. Nebst der bestehenden Geschäftsleitung und dem Sekretariat wird die Position einer Stellvertretung der Geschäftsleitung geschaffen.

Eine Änderung erfährt die aktuelle Kerngruppe Standortförderung. Sie wird ersetzt durch einen Beirat Standortförderung. Dieser soll vor allem eng mit der Geschäftsleitung zusammenarbeiten. Der Beirat erhält jedoch auch auf der strategischen Ebene mehr Gewicht. Nebst dem Präsidium wird ein weiteres Mitglied in den Ausschuss gewählt werden und kann so direkt Einfluss nehmen auf die Entscheide.

Weiterhin Zusammenarbeit mit Idee Seetal

Ebenso wird die Begleitgruppe «Kantonsübergreifendes Entwicklungskonzept» (KEK) direkt der Geschäftsstelle angegliedert. KEK ist eine Kooperation mit Idee Seetal, dem regionalen Entwicklungsträger auf der Luzerner Seite.

Nichts ändert sich hingegen für die beiden übrigen Kerngruppen Politik und Regionalplanung (Repla) im Zusammenhang mit den Anpassungen in der Organisation des Gemeindeverbands. Sie bleiben auch in Zukunft der LLS-Geschäftsstelle unterstellt.

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