Die Stadtzürcher haben etwas, was viele Lenzburger auch gerne hätten: eine provisorische Personenüberführung. Weil für den Umbau des Bahnhofs Altstetten eine Unterführung geschlossen wird, wurde aus Gerüstelementen eine Überführung erstellt. Eine solche Überführung hatte die Grünliberale Partei Lenzburg mit einer «petitio.ch»-Petition gefordert, um den völlig übervölkerten Bahnhof Lenzburg, dessen Ausbau frühestens 2022 beginnt, mit einer Sofortmassnahme zu entlasten. Die Lösung wurde geprüft und abgelehnt. «Rein technisch wäre dies möglich gewesen», sagt Christian Brenner, Leiter des städtischen Tiefbauamts. Doch aus Sicherheitsgründen sei die Überführung nicht realisierbar. Da auf der Nordseite der Gleisanlage überall Häuser stehen, hätte die Überführung bis zum Knick der Wolfsackerstrasse verlegt werden müssen. «So weit im Westen wären die Perrons zu schmal für die Treppen oder Rampen einer Überführung.»

Das lange Warten auf «Bern»

Deshalb muss der Bahnhof weiter mit einer Unterführung auskommen, und die Pendler können höchstens neidisch nach Altstetten schielen, wo der Umbau des Bahnhofs im vollen Gang ist. Bis zum Baustart in Lenzburg sind noch viele administrative Schritte nötig. Für die Finanzierung von Bahnhofumbauten ist der Bund zuständig. «Das Vorprojekt wurde ausgearbeitet und wird jetzt dann ausgelöst, das heisst, vom BAV den SBB in Auftrag gegeben. Voraussichtlich im Herbst wird der Bundesrat die Botschaft zum Ausbauschritt 2030/35 verabschieden», sagt Marco Lombardi, Stellvertretender Leiter Sektion öffentlicher Verkehr beim Kanton. Das Parlament wird über das Projekt, in welches der Umbau des Bahnhofs Lenzburg eingebettet ist, befinden – irgendwann im nächsten Jahr. Danach sind Gelder für die Projekte verfügbar.

Die Stadt Lenzburg hat unterdessen zusammen mit den SBB und dem Kanton durch die Firma Metron Verkehrsplanung aus Brugg eine funktionale Studie für den Bahnhof erarbeiten lassen. «Die Studie zeigt auf, welche verkehrstechnischen Funktionen der Bahnhof erfüllen muss», sagt Christian Brenner. Sie ist die Grundlage für die weitere Planung des Bahnhofs und seiner Umgebung, die Stadtplanerin Helen Bisang zusammen mit den Grundeigentümern in Angriff nehmen wird.

Bushof weiter im Westen

Fakt ist: Der neue Bahnhof wird ganz anders aussehen als der heutige. Die Studie liefert zwar kein Bild des zukünftigen Bahnhofs, doch sie gibt Auskunft über die für Gebäude nutzbaren Flächen. Damit die ausgebauten Perrons Platz haben, wird die gesamte Gleisanlage breiter. Die SBB-Gebäude müssen weichen, und auch für den Bushof wirds am heutigen Standort zu eng. «Er wird weiter in den Westen rücken», sagt Brenner.

Bei der Unterführung zeichnet sich nach langem Hin und Her eine Lösung ab. Ursprünglich sei die Tendenz zu einer einzigen Riesenunterführung gegangen, sagt Christian Brenner. «Wir finden das aber keine gute Lösung, da am Bahnhofplatz alle Personen an der gleichen Stelle rauskommen», so seine Begründung. So, wie es momentan aussieht, bestehe die Möglichkeit für eine zweite Unterführung westlich der bestehenden.

2200 Personen pro halbe Stunde

In der funktionalen Studie wird aufgezeigt, wie viele Personen den Bahnhof ab 2025 frequentieren werden. Dann werden die Perrons voraussichtlich schon ausgebaut sein. Bei den Passagierzahlen für die Studie spielen nicht die täglichen Benutzerzahlen die wichtigste Rolle, sondern die maximale Anzahl Personen, die während der Spitzenzeiten am Bahnhof ankommen und abfahren können. Während der Morgenspitze zwischen 7.15 und 7.45 Uhr sind das zirka 2200 Personen in einer halben Stunde. «Mehr Leute können aufgrund der Kapazitätsgrenzen bei den Zügen gar nicht ankommen oder wegreisen», sagt Brenner.

Bis Ende September ist die funktionale Studie fertiggestellt, die Ergebnisse werden öffentlich präsentiert. «Uns ist wichtig, dass wir die Studie offiziell durch die Fachstellen der SBB sowie vom Kanton und der Stadt verabschieden lassen können, damit wir eine offizielle Grundlage für die weitere Planung haben», sagt Brenner.