Erst vor dreieinhalb Jahren wurde das Zentralgefängnis an der Wilstrasse eröffnet. Die 107 Arrestplätze sind massiv überbelegt, das Gefängnis platzt aus allen Nähten. Zur Überbrückung des Engpasses müssen gar zusätzliche Matratzen in die Zellen gelegt werden.

«Die durchschnittliche Auslastung betrug im Jahr 2014 rund 120 Prozent. Es besteht deshalb dringender Handlungsbedarf für die Schaffung von 60 zusätzlichen Haftplätzen für Untersuchungshaft und kurze Freiheitsstrafen», sagt Samuel Helbling, Kommunikationsleiter im Departement Volkswirtschaft und Inneres auf Anfrage.

Aufgrund der Dringlichkeit wird sogar auf das ordentliche Submissionsverfahren verzichtet. Das Submissionsdekret gestatte in akuten Fällen eine freihändige Vergabe, sagt Helbling. «Die Durchführung eines offenen Verfahrens hätte zu einer mehrmonatigen Verzögerung des Projektierungsprozesses geführt, die nicht in Kauf genommen werden konnte.» Die Immobilien Aargau habe die Honorare und weiteren Entschädigungen in der Vereinbarung mit dem Architekturbüro im Rahmen der üblichen Ansätze festgelegt.

Mit dem Projekt beauftragt wurde das Architekturbüro Bollhalder + Eberle AG, St. Gallen. «Sie waren bereits für die Projektierung des bestehenden Zentralgefängnisses zuständig und verfügen damit über umfassende Kenntnisse der bestehenden Situation», erklärt Helbling.

60 zusätzliche Haftplätze

Weil das Geschäft pressiert, ist das Baugesuch bereits Anfang Januar eingereicht worden. Dieses liegt noch bis zum 16. Februar auf der Bauverwaltung Lenzburg auf. Damit resultiert laut Helbling ein zusätzlicher Zeitgewinn von zwei bis drei Monaten.

In der Botschaft an den Grossen Rat und im zugehörigen Projektbericht werde darauf hingewiesen, dass das Baubewilligungsverfahren angesichts der Dringlichkeit der Haftplätze bereits parallel zur Beratung des Geschäfts durch den Grossen Rat durchgeführt werde. Die zuständige Kommission des Grossen Rates hat sich am 20. Januar für das Projekt ausgesprochen.

Laut Baugesuch wird der viergeschossige Neubau 53,2 Meter lang und 24 Meter breit. Er kommt nordseitig direkt neben das bereits bestehende Zentralgefängnis zu stehen, innerhalb der dafür ausgewiesenen Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Der Erweiterungsbau wird längsseitig an den bestehenden Hof ausgerichtet. Struktur und Konstruktion schliessen sich dem Zentralgefängnis an.

Im Untergeschoss werden die Technikzentrale und Nebenräume eingerichtet. Im Erdgeschoss befindet sich der Haupteingang mit einer Portierloge sowie der Besucherbereich. Hinzu kommen Räume für die medizinische Betreuung und die Logistik.

Im ersten und zweiten Obergeschoss werden in vier Abteilungen mit je 18 Einer- und sechs beziehungsweise fünf DoppelArrestzellen 60 Haftplätze eingerichtet. Von den Abteilungen führt ein direkter Zugang zum Spazierhof.

Baubeginn im vierten Quartal

Zwar wird der Erweiterungsbau als selbstständiges Gebäude erstellt. Doch wird es an zwei Orten mit dem heutigen Zentralgefängnis eine direkte Verbindung geben: oberirdisch über den bestehenden Hof und unterirdisch über einen Verbindungsgang.

Grundsätzlich soll der Erweiterungsbau über das bestehende Zentralgefängnis erschlossen werden. Als Synergie wird der Neubau über die bestehende Holzschnitzelheizung versorgt.

Verläuft alles nach Plan, wird mit dem Bau im vierten Quartal 2015 begonnen. Die Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus ist für das zweite Quartal 2017 vorgesehen. Neben der gut 150-jährigen JVA und dem bisherigen Zentralgefängnis hat Lenzburg dann drei «Kisten».