Das Schwimmbad Lenzburg hat zwei innovative Badmeister. Mit ihrer Schaumparty locken Christof Hübscher und Erwin Wiedmer jeden Mittwoch Kinder aus der Stadt und der Region ins Schwimmbad Walkematt. Wie es sich für Innovatoren gehört, ruhen sie sich auf dem Schaum nicht aus, sondern denken weiter. Anfang Jahr stellten sie das Projekt einer Rutschbahn vor. Vom Dach der Garderoben hätte die Breitrutsche ins Nichtschwimmerbecken führen sollen, 18 Meter Rutschspass aus Plastik. Die Kosten: 150 000 Franken. Die Badmeister hatten gehofft, dass die Stadt zwei Drittel davon übernehmen würde. Für den Rest hätten sie Sponsoren gesucht und Spenden gesammelt.

Nun ist klar: Die Rutsche kommt nicht. Der Stadtrat hat den Betrag aus dem Budget gestrichen, das er dem Einwohnerrat zur Beratung vorlegen wird. «Es hat schon Diskussionen gegeben», sagt Stadtrat Martin Stücheli. Doch der Stadtrat sei zum Schluss gekommen, dass eine Rutschbahn einfach zu teuer sei. «Damit sind nicht nur die Anschaffungskosten gemeint.» Eine Rutschbahn sei sehr unterhaltsintensiv und verursache auch beim Personal höhere Kosten, da der Betrieb mehr Aufsichtspersonen verlange. Ein weiterer Grund für den negativen Entscheid seien die Platzverhältnisse in der Badi Lenzburg. «Wir haben nicht so viel Platz wie andere Schwimmbäder.» Eine Rutschbahn führe schnell zu viel Rummel. Zudem müsse man ja nicht jeden Trend mitmachen. Der Stadtrat schätzt den Innovationsgeist der Badmeister. «Natürlich wollen auch wir, dass die Badi attraktiv bleibt», sagt Stücheli. «Wir sind nicht generell gegen Neuerungen. Man könnte zum Beispiel in der Badi alte und junge Gäste fragen, was sie denn gern möchten.» Schon vor ungefähr 20 Jahren, zu Stüchelis Zeiten als Einwohnerrat, sei eine Rutschbahn in der Badi diskutiert worden. Das Projekt sei jedoch aus den gleichen Gründen wie heute gescheitert.

Folie hat einen Riss

Zudem, sagt Stücheli, könne man nicht auf der einen Seite viel Geld für eine Rutsche ausgeben, wenn Sanierungen anstehen. Zumindest eine Reparatur muss auf die kommende Saison unbedingt erledigt werden: Am südlichen Ende des Schwimmerbeckens ist die Folie beschädigt. Daniel Käppeli, bei der Stadt für den Unterhalt von Liegenschaften zuständig, nimmt an, dass man den Riss flicken kann. «Noch ist es zu keinem Wasserverlust gekommen», sagt er. Er schätzt die Kosten für eine Reparatur auf ungefähr 5000 Franken. Teurer wird es, wenn die Folie ganz ersetzt werden muss. Dann kommt schnell ein Betrag zusammen, der den Preis einer Rutschbahn übersteigt.

Könnten die Badmeister wählen, gäbe es ein Becken aus Chromstahl, so wie in der Badi Rupperswil-Auenstein. Es wäre einfacher zu putzen. Aber deutlich teurer als ein Folienbecken. Doch das dunkle Chromstahlbecken hat einen weiteren, für Lenzburg entscheidenden Vorteil: An einem sonnigen Tag kann es das Wasser um ein Grad aufheizen.