Lenzburg

Zu lange kein Kanonendonner? – Absage des Freischarenmanövers sorgt für Kritik

Das Jugendfest Lenzburg wurde abgesagt. (Archivbild Freischarenmanöver 2018)

Das Jugendfest Lenzburg wurde abgesagt. (Archivbild Freischarenmanöver 2018)

Nach der Absage des Lenzburger Manövers gerät der Stadtrat in die Kritik. Scharfes Geschütz wird seitens der Ortsbürger aufgefahren.

Kein Honolulu, kein Kanonendonner, kein prächtiges Landschaftstheater in diesem Jahr: Am vergangenen Donnerstagmorgen hat der Stadtrat das Jugendfest und das Freischarenmanöver 2020 pandemiebedingt abgesagt.

Demnach kommt es am 10. Juli zu keinen spielerischen Scharmützeln zwischen den Freischaren als ewige Verlierer und den traditionsgemäss siegreichen Kadetten. Zur Auseinandersetzung kommt es trotzdem, duelliert wird hingegen auf einer ganz andern Ebene: Das stadträtliche Vorpreschen ist in verschiedenen Kreisen gar nicht gut angekommen, namentlich bei den Mitgliedern der Ortsbürgerkulturkommission (OBKK). Als notabene vom Stadtrat gewählte Hüterin des vielfältigen Lenzburger Brauchtums sei sie von der Behörde im Voraus nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen worden, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt, moniert OBKK-Präsidentin Barbara Gurini. Der vom Stadtrat im Vorfeld eingesetzten Taskforce hatten nebst Jugendfestpräsidentin Vizeammann Franziska Möhl und deren Stellvertreter einzig Vertreter von Schule, Freischaren und Regionalpolizei angehört.

Ganz besonders stösst sich die OBKK daran, dass der Stadtrat entschieden hat, das Manöver nicht einfach um ein Jahr aufzuschieben, sondern dieses erst 2022 wieder durchführen will. Begründet wird dies mit der Aufrechterhaltung der fast hundert Jahre alten Tradition, wonach die Freischarenmanöver in die geraden Kalenderjahre fallen. Damit würde eine Lücke von vier Jahren entstehen seit dem letzten Manöver 2018.

Von der Kriegserklärung bis zum sicheren Sieg: das Lenzburger Freischarenmanöver 2018 im Video

Von der Kriegserklärung bis zum sichereren Sieg: das Lenzburger Freischarenmanöver 2018 im Video

Alle zwei Jahre fordern die Freischaren die Kadetten heraus und auch dieses mal waren sie ihres Sieges sicher. Doch es kam anders: Nach entbehrungsreichen Schlachten auf dem Schlossberg und Gofi mussten sie auf der Schützenmatte schliesslich kapitulieren. Das Lenzburger Jugendfest-Spektakel im Video. 

Flexibilität der Tradition zuliebe

Für die OBKK kommt diese Lösung nicht in Frage: Dieser Weg führe zu gravierenden Konsequenzen, Leidtragende seien nicht zuletzt die Kadetten. In einem Widererwägungsgesuch fordert sie den Stadtrat ultimativ auf, den Entscheid, das Manöver erst 2022 wieder durchzuführen, zu korrigieren. Geht es nach dem Willen der OBKK, soll 2021 ein Jugendfest mit Freischarenmanöver stattfinden.

In der Begründung führt OBKK-Präsidentin Barbara Gurini an: «Es kann nicht sein, dass man vielen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit nimmt, als Kadettenkader am Manöver teilzunehmen, und es kann nicht sein, dass man dem extrem grossen Engagement von Lehrerschaft, Kadetteninstruktoren, Freischaren-Commission und vielen anderen Beteiligten eine Zwangspause von vier Jahren auferlegt.» Die OBKK-Präsidentin zeigt sich besorgt darüber, dass eine allzu lange Zeitspanne zwischen zwei Manövern die Akzeptanz des jahrhundertalten Brauchtums beeinträchtigen und dessen Kontinuität bei allen beteiligten Chargen gefährden könnte. Zwar gesteht Gurini dem Stadtrat zu, auf Grund der aktuellen Umstände folgerichtig auf eine Durchführung des Anlasses in diesem Jahr zu verzichten.

Doch damit sei es nicht getan. Schweizweit würden Anlässe, ja sogar Jubiläen, welche an das Kalenderjahr gebunden seien, auf das kommende Jahr verschoben. «Was die vielen Kulturschaffenden und auch die Behörden andernorts können, muss auch der Stadtrat von Lenzburg wollen», folgert die OBKK-Präsidentin.

An der Tatsache, dass das Freischarenmanöver alle zwei Jahre stattfinden soll, will die OBKK nicht rütteln. Am geraden Kalenderjahr hingegen schon. «Es ist an der Zeit, gewisse festgefahrene Abläufe zu entstauben und der Zeit anzupassen», so Gurini.

Die Impressionen vom Freischarenmanöver 2018:

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