Lenzburg
Zu brisant: Die Jugendfestsprüche wurden zensiert

Die Verse, die am Jugendfest Lenzburg zieren, waren schon immer frech. Ein Rundgang am Jugendfest zeigte aber: Vier Verse des Spruch-Komitees wurden nicht aufgehängt, drei ersetzt – und die Hypothekarbank verzichtete ganz auf ihren Spruch am Brunnen.

Sabine Kuster
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Der Brunnen vor der Hypothekarbank Lenzburg blieb dieses Jahr ohne Spruch –die Bank hängte ihn nicht auf.

Der Brunnen vor der Hypothekarbank Lenzburg blieb dieses Jahr ohne Spruch –die Bank hängte ihn nicht auf.

Ruth Steiner

Wie ist das nun mit dem Zensieren der Lenzburger Jugendfestsprüche? Weil das frühere Spruch-Komitee vor dem Fest verlauten liess, dass es nicht sehr geschätzt wurde, wenn die Brunnenschmücker eigene Verse aufhängten, warf man den anonymen Dichtern, beziehungsweise den Ortsbürgern, welche neue Dichter gesucht und gefunden hatten, Zensur vor.

Wie sich nun zeigt, ist es umgekehrt: Es hängen längst nicht alle Sprüche an den Brunnen und in den Gassen, die das Spruch-Komitee vorgesehen hatte. Der – ebenfalls anonyme – Sprecher der Dichter sagt, dieses Jahr seien Sittenwächter am Werk gewesen: Drei Verse wurden ersetzt, einer gar nicht erst rausgehängt.

zvg

Schulleiter könnte beleidigt sein

So sollte der Bogenspruch beim Kafi West ursprünglich lauten: Bald wird d’Bez is Länzhard cho. / Vellecht stiigt det denn aus s’Niveau?

Jene Frau mit schöner Handschrift, welche die Sprüche jeweils auf die Tafeln schreibt, hatte bei diesem Spruch jedoch Bedenken, das könnte für den Schulleiter beleidigend sein. So stand am Ende dort: Im Lenzhard / send mir spruchlos glücklich!

Es ist nicht die Präsidentin der Ortsbürger, Barbara Gurini, die Einfluss auf die Sprüche nimmt. Die Dichter leiten ihre Werke zwar an Barbara Gurini weiter, doch sie übergibt diese bloss der Tafelschreiberin. Diese wiederum ist auch im Kontakt mit den Brunnenschmückerinnen und Brunnenschmückern, also jenen, die es sich ab und zu erlauben, selber zu dichten. So hätte der Spruch für den Klausbrunnen am Metzgplatz in Anlehnung an alt Stadtammann Hans Huber, der gerne von einem blühenden Lenzburg sprach, eigentlich lauten sollen: Theatertäg im Bluescht und Fleder – / Blüeht öis jetzt de Huber weder?

Doch die Frauen der «Business Professional Women» baten die Tafelschreiberin, folgenden Spruch zu notieren, ebenfalls in Anlehnung an den begrünten Metzgplatz während der Theatertage: Vorhär rolle d Gärte uf Rädli, / jetz nähmes im Brunne es Bädli.

Ja keine Probleme ansprechen

Ebenfalls nicht den Spruch des Jugendfestspruch-Comitées trug der Schwanenbrunnen am Unteren Haldenweg. Hier hätte stehen sollen: De Kromer bout im Gexi / Bald wärded d’Laschter wäg si!

Dies in Anlehnung daran, dass sich manche Anwohner am Lastwagenverkehr am Unteren Haldenweg stören. Die Firma Kromer wäre von diesem Spruch nicht angetan gewesen. Jedoch erschien er gar nicht, weil ein neues Brunnenteam am Werk war, das einen eigenen, hochdeutschen Spruch passend zum Thema des Brunnens dichtete: Die Grünabfuhr nimmt nur noch Kübel mit / Mobile Gärten sind nun der Hit! Zum Abklären, ob das in Ordnung sei, habe man keine Zeit mehr gehabt, sagt Sabine Sutter, Koordinatorin des Schwanenbrunnens.

Hypi verzichtete auf den Spruch

Beim Hypibrunnen vor der Hypothekarbank Lenzburg war es die Bank selber, welche den Spruch nicht aufhängte. Auf der Tafel wäre gestanden: Vell het gwächslet be de Bank / No finded’s immer guet de Rank / D’Kunde wärde au no riich / Doch oni Furter Max esch’s nömme s’gliich!

Dies als Erinnerung an das inzwischen pensionierte und über 40 Jahre wirkende Geschäftsleitungsmitglied der Bank. Marianne Wildi, CEO der Hypi, findet: «Die Sprüche am Jugendfest sollten nicht persönlich sein, allenfalls können sie sich auf eine Institution beziehen, aber nicht auf eine einzelne Person.»

Das Spruchkomitee seinerseits ist der Auffassung, dass die Jugendfestsprüche im Gegensatz zu den teils deftigen Schnitzelbänken der Fasnacht «absolut harmlos» seien. Der Sprecher des Spruchkomitees lässt sich dichtend zitieren: «Me üebt Zensur, het kei Humor / Schad, chonnt das au z’Länzburg vor / D’Censore sind so druf versässe / D’Sprüch send morn doch scho vergässe!»

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