Wer kennt es nicht, das Lied mit dem Zündhölzli, das eine Feuersbrunst und eine weltpolitische Krise auslöst. Mani Matter konnte in seinem Chanson diesen Ausgang zum Glück wieder wegsingen. In Wildegg ist es im April vor zwei Jahren nicht so glimpflich ausgegangen. Ein Mann aus der Region Aarau, er soll in diesem Artikel Beat heissen, war an einem Samstag um 6.45 Uhr am Bahnhof Wildegg angekommen.

Er hatte einen Auftrag als Plättlileger angenommen und traf sich mit seinen Arbeitskollegen im Café Moosberger. Doch zuerst stand er vor der Metzgerei Schnyder auf dem Trottoir, rauchte eine Zigarette und trat diese auf dem Gitter eines Lichtschachts aus. Während er mit seinen Kollegen Kaffee trank, begann es in der Waschküche unter der Metzgerei zu brennen.

Als Beat nach dem Kaffee auf die Strasse trat, sah er den Rauch, der aus dem Schacht aufstieg. Sofort musste er an die Zigarette denken. «Ich habe gezittert», sagt er vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Doch er unternahm nichts und sagte nichts. «Ich habe nicht gewusst, wie handeln», sagte er vor Gericht. «Ich war schockiert.»

Nach erfolglosen Löschversuchen alarmierten die Metzger die Feuerwehr. Als Beat aus der Ferne die sich nähernden Sirenen hörte, fuhr er mit seinen Kollegen auf die Baustelle. Am Gebäude entstand ein Sachschaden von 195'000 Franken.

Geständnis bei der Polizei

Doch die Gedanken an den Brand liessen Beat nicht mehr los. Am nächsten Tag stellte er sich der Polizei und erzählte von der Zigarette, die noch glühend in den Schacht gefallen war. Dieses Geständnis hatte zwei Folgen: Beat konnte wieder ruhig schlafen. Und hatte ein Jahr später einen Strafbefehl im Briefkasten. «Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst.» Beat habe fahrlässig gehandelt und mit seiner pflichtwidrigen Unvorsichtigkeit eine Feuersbrunst verursacht.

Diesen Strafbefehl hat Beat angefochten und ist zusammen mit seinem Verteidiger vor dem Lenzburger Bezirksgericht erschienen. Beat hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, erzählt von Drogen und negativen Erfahrungen mit der Polizei in Zürich. Doch seit zehn Jahren sei er abgesehen von den Zigaretten abstinent und mit Feuer habe er noch nie etwas zu tun gehabt.

Der 56-Jährige trägt eine Brille und einen blauen Pulli und wirkt absolut unbedrohlich. Auffallend ist auch vor Gericht sein Hang zur Ehrlichkeit, die seinen Anwalt einige Nerven kostete. 900 Franken Schadensersatz und Genugtuung fordert eine Zivilklägerin, die im brennenden Keller Kleider aufbewahrt hatte. Mehrmals betonte Beat, er wäre bereit, diesen Betrag zu bezahlen, während ihn der Anwalt kopfschüttelnd anflehte, gefälligst Nein zu sagen. Zu diesem Zeitpunkt im Verfahren war die Schuldfrage noch nicht geklärt und die Branchenversicherung des Metzgers hat offenbar auch noch eine Forderung von 60'000 Franken gestellt.

Ohne das Geständnis wäre Beat wohl nicht mit dem Brand in Verbindung gebracht worden, sagte Gerichtspräsident Daniel Aeschbach. Ob er sich mit diesem Wissen auch gestellt hätte? Beat überlegt. «Eher schon. Ich hätte nicht damit leben können.»

Dass Beat seine «Sigi», wie er sie nennt, in den Schacht geworfen hatte, ist unbestritten. Doch hat sie den Keller angezündet? «Es hatte überall Stummel und es waren viele Leute im Café, die rauchten», plädierte der Anwalt. «Der Kausalzusammenhang ist nicht vollständig gegeben.» Das Geständnis sei für die Staatsanwaltschaft ein Blankoscheck gewesen. In diesem Sinne fiel auch das Urteil aus.

Aeschbach spricht von einem minimalistischen Gutachten des Brandexperten. «Sobald das Geständnis da war, wurde von der Zigarette als Brandursache ausgegangen.» Weil eben doch nicht hundertprozentig sicher sei, ob Beats Zigarette schuld war, sprach Aeschbach den Beschuldigten frei. Die Moral für die anwesende Schulklasse: «Ehrlichkeit währt am längsten.» Wenigstens in diesem Fall. Die 900 Franken muss Beat trotzdem zahlen, weil er die Forderung anerkannt hat.