Schweizer Mälzerei AG

Zigarren, Whisky und jetzt Bier: Ein Lenzburger will Malz für regionales Bier produzieren

Ab November nächsten Jahres will der Lenzburger Christoph Nyfeler Malz für regionales Bier herstellen.

Wer Bier brauen möchte, braucht Hopfen und Malz. In der Schweiz werden dafür heute mehr als 75'000 Tonnen Malz benötigt, welches aus dem Ausland importiert wird, grösstenteils aus Frankreich und Deutschland. Christoph Nyfeler möchte dies nun ändern: Bereits im November 2021 will er Malz aus der eigenen Mälzerei an die Brauereien vertreiben. Aus diesem Grund lud der Einwohnerrat am Montag zur Pressekonferenz der Schweizer Mälzerei AG.

Es habe in der Vergangenheit schon einige Projekte dieser Art gegeben, die aber alle verworfen wurden, so Nyfeler. «Ich bin froh, dass wir heute hier ­stehen und sagen können: Wir ­starten.»

Er habe vor elf Monaten erste Gespräche mit Matthias Müller, dem Abteilungsleiter für Landwirtschaft des Kantons Aargau, geführt. Der eigentliche Start sei für ihn im März 2020 erfolgt, sagt Nyfeler. Da habe er ein Gespräch mit Felix Müller, dem Geschäftsführer der Brauerei Müller aus Baden, geführt, um herauszufinden, ob es überhaupt Brauereien gibt, die das Malz kaufen würden. Felix Müller sagte zu, sofern die Qualität des Malzes stimme.

Ein Befürworter des Projektes ist auch Regierungsrat ­Markus Dieth. Mit der geplanten Mälzerei werde eine Lücke in der Wertschöpfungskette ­geschlossen, so der Landwirtschaftsdirektor und beken­nende Biertrinker.

Standort der Halle noch nicht entschieden

Das Projekt hat einen straffen Zeitplan. Die Halle, in der einst das Malz verarbeitet wird, soll bereits im Dezember dieses Jahres gebaut werden. «Wir hoffen, dass wir die Baubewilligung im November erhalten», so Nyfeler. Wo die Halle einst stehen werde, ist jedoch noch nicht entschieden. Es stehen drei verschiedene Grundstücke zur Auswahl, sagt Christoph Nyfeler. «Wir sind am Evaluieren, welches sich am besten eignet.» Die drei potenziellen Grundstücke liegen jedoch alle in Gemeinden, die an Lenzburg grenzen.

Nyfeler, der im Januar dieses Jahres als geschäftsführender Teilhaber des Whiskeyproduzenten Langatun Distillery und des Getränkehersteller Vinazion ausgestiegen ist, arbeitet für das Projekt mit der IG Mittelland Malz zusammen: «Ich bin kein Agronom, ich bin ein Verkäufer», sagte er. Er werde weder selbst anbauen noch die Qualitätskontrolle durchführen. «Die IG Mittelland Malz ist ein Verein aus Schweizer Landwirten, Bierbrauern und Personen, die sich für den Anbau von Braugerste und deren Verarbeitung zu Malz einsetzen», so Präsident Dominik Füglistaller. Zweck des Vereins sei es, den Anbau zu organisieren, die Qualität der Braugerste sicherzustellen und sich für deren Verarbeitung in der Schweiz einzusetzen.

Die Braugerste, die einst in der Aargauer Mälzerei veredelt werden soll, wird bereits Ende September angebaut, wie Füglistaller sagt.

Produktionshalle aus Holz vom Lenzia Forst

Für die Ernte 2021 ist eine Anbaufläche von rund 200 Hek­taren geplant. Angebaut wird nicht nur im Aargau, sondern unter anderem auch in Basel, Bern, Uri und Fribourg.

Die Konzeption soll es aus- serdem erlauben, das bio­zer-tifizierte Malz pro Charge bis auf die Felder zurückzuverfolgen. So soll es also möglich sein, dass zukünftig für Aargauer Bier auch Aargauer Braugerste verwendet wurde.

Die Verträge für die Mälzereianlage unterschrieb Christoph Nyfeler gestern noch vor Ort mit Johannes Schulz-Hess, dem Geschäftsführer der Kaspar Schulz GmbH, die in Bamberg in Deutschland Brauereianlagen herstellt. Die angelieferte Rollgerste wird zukünftig in Silos gelagert, dann 48 Stunden aufgeweicht und anschliessend während rund fünf Tagen in der Mälzereianlage aufbereitet. Die bestellte Mälzereianlage wird in einer Produktionshalle mit rund 900 Quadratmeter Fläche stehen. Dabei wird unter anderem mit Holz der Forstdienste Lenzia gebaut. Die grossen Fenster sollen der Bevölkerungen einen Blick ins Innere der Mälzerei erlauben, wie Architekt Adrien Barras sagt: «Wir sind der Meinung, dass ein gewisses öffentliches Interesse besteht.» Gebaut wird die Halle durch die Schäfer Holzbautechnik AG.

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