Lenzburg

Zahlreiche Wechsel bei Lenzburger Altstadtgeschäften – mit Night-Shopping gegen Image-Verlust

Mit Night-Shopping demonstrieren die Geschäfte in der Altstadt von Lenzburg gegen einen schleichenden Image-Verlust. Nun mischen Frauen die Rathausgasse neu auf.

Ein letztes lilafarbenes Röschen noch. Dann dreht Valerie Dietiker Schumacher den üppig gebundenen bunten Strauss und nickt zufrieden.

Ob sie wohl verrät, wofür er gedacht ist? «Die Botschaft dieses Blumenstrausses ist purer Frühling», sagt sie.

Schmunzelt ein wenig und meint dann, dieses Bouquet werde wohl jemand kaufen, «der in Eile ist und keine Zeit für eine Beratung hat.»

Die Chefin von Blumen Impression in der Rathausgasse zweifelt jedoch keinen Moment, dass dieser Strauss schon in wenigen Stunden nicht mehr im Laden stehen wird.

Ausser Frage steht für Dietiker auch ihre weitere Zukunft und die ihres Blumengeschäfts im Herzen Lenzburgs.

Eben hat sie ihren Mietvertrag verlängert. Und dies, obwohl in der Nachbarschaft ein Laden nach dem andern dicht macht und die Altstadt deswegen derzeit kein Ruhmesblatt ist.

«Der Stadtrat beobachtet die Entwicklung mit Sorgenfalten», sagte Stadtammann Daniel Mosimann deswegen vergangene Woche an der Generalversammlung des Gewerbevereins Lenzburg und Umgebung.

Solche Worte hört Valerie Dietiker nicht gerne. Sie ist Mitglied des Centrums Lenzburg, der Vereinigung der Lenzburger Altstadt-Geschäfte und leitet dort den Marketing-Ausschuss.

Dietiker bedauert, dass ständig nur über die unbenutzten Ladenflächen gesprochen werde, wo doch schon die leeren dunklen Schaufensterflächen genug Tristesse verbreiteten. Dabei würden die vielversprechenden Signale in der Gasse geschmälert.

Schliessungen und Neue halten sich Waage

Positive Zeichen gibt es Dietikers Ansicht nach nicht wenige. Doch würden diese Boten in Form von kleinen feinen Boutiquen, die in der jüngeren Vergangenheit aufgegangen sind, in der Öffentlichkeit offenbar wenig wahrgenommen, sagt sie.

Vor sich auf dem Tisch hat die Blumen-Fachfrau eine wie sie sagt «nicht abschliessende Zusammenstellung der Läden liegen, und zwar jener Geschäfte, die kürzlich schlossen oder schon bald zugehen und jener, die neu aufgegangen sind oder aufgehen werden».

Nach diesem Papier halten sich Schliessungen und Öffnungen die Waage: Zu ersteren gehören Jori Silber und Stein, Haushalt Plus, Porzellangeschäft Tischlein Deck dich, Geschenkboutique Himmelrych, Buchhandlung am Rathaus und Uhrenmanufaktuhr Hauri.

Neu aufgegangen sind in dieser Zeit Fräulein rosarot, Feines Kleines, Katrina Fashion, Boutique Ferasi und die Kleider-Galerie. Übermorgen bekommt die Stadt das erste Tee-Fachgeschäft, gleichentags geht die Boutique Schuhwerk wieder auf mit einem geänderten Geschäftsmodell und neuer Führung.

Dietiker freut sich, dass «viele Frauen, vor allem junge Frauen hier den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.»

So will die Stadt helfen

Das ist auch dem Stadtrat nicht entgangen. Stadtammann Mosimann spricht von «kleinen, feinen Geschäften», die sich angesiedelt haben. Und er sagt: «Diese Efforts dürfen von der aktuell negativen Entwicklung keinesfalls überschattet werden.»

Mit einem gemeinsamen Night-Shopping tritt die gebündelte Altstadt-«Frauenpower» am kommenden Freitag an die Öffentlichkeit. Mitmachen dürfen alle Innenstadt-Geschäfte, nicht nur die neuen.

Eine brennende Fackel im Blumentopf vor der Ladentür signalisiert, dass offen ist. Rund 40 weitere Leuchten werden die Rathausgasse beim Einnachten in ein Lichtermeer tauchen. Für Organisatorin Dietiker ist dies zusätzlich ein «Signal nach aussen, dass die Rathausgasse zusammensteht.»

Einige der rund 24 mitwirkenden Altstadt-Läden haben für die Besucher zusätzliche Überraschungen bereit. In Valerie Dietikers Blumenladen wird es «nach Frühling duften».

Zusammen mit dem benachbarten «Hömlilade» richtet die Blumenfrau in der Gasse eine Heubar ein. Viel mehr will sie nicht verraten. Nur etwas: «Einen Kaffee werden Sie an der Bar nicht bekommen. Den können Sie vis-à-vis bei Kleines Feines trinken.»

Dessen Betreiberin Camilla Widmer lacht und ergänzt: «Wir sind da. Wir werden die Gasse rocken.»

Zu den Läden, die beim Night-Shopping mitmachen, gehört die Boutique Fashion-Corner. Dort gibt es bis am Samstag Mode-Apéro.

Bereits seit 35 Jahren preist Hanspeter Huber in der Rathausgasse «exklusive Damen-Mode für die anspruchsvolle Kundin» an.

Er hat bereits bei anderer Gelegenheit betont, dass sich die Lenzburger Altstadt in der Vergangenheit positiv entwickelt habe. Sein Fazit: «Die Altstadt ist lebendiger geworden.» An diesem Punkt will Valerie Dietiker mit dem Night-Shopping anknüpfen. «Auch wenn die kleinen Läden, die grossen leeren Flächen derzeit nicht kompensieren können, sind positive Impulse da. Man muss sie nur sehen wollen.»

Centrums-Präsidentin Brigitte Becker sagt zur aktuellen Situation, die Vereinigung könne Ideen einbringen und versuchen, neue Geschäfte zu gewinnen.

Die Vermietung der Ladenlokale sei aber Sache der Hausbesitzer. Hier setzt der Stadtrat an. Laut Stadtammann Mosimann will er sich mit Hausbesitzern, Geschäftsinhabern und der national tätigen Organisation «Netzwerk Altstadt» an den Tisch setzen und über weitere Entwicklungsmöglichkeiten reden.

Night-Shopping in der Altstadt am Freitag, 4. März, bis 21 oder 22 Uhr

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