Beinwil am See
Worte aus dem Seetaler Nebel: «Hochstaplergeschichten haben mich schon immer fasziniert»

Der renommierte Zytglogge Verlag gab das Erstlingswerk von Anna Hitz (35) heraus. Die 35-Jährige, die als Tochter einer Schwedin und eines Österreichers in Beinwil am See aufgewachsen ist, über ihr Buch «Der Schwindel».

Janine Gloor
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Anna Hitz gestern an der Buch-Vernissage in der «Konservi» Seon.uhg

Anna Hitz gestern an der Buch-Vernissage in der «Konservi» Seon.uhg

Urs Helbling

Die Idee für die Geschichte ihres ersten Buchs kam Anna Hitz, als sie von einem Bekannten hörte, dessen Kreditkarte kopiert und verwendet wurde. Die Geschichte liess sie nicht mehr los. «Ich habe mir überlegt, wie weit man in dieser digitalisierten Zeit ohne Geld und Pass kommt», sagt sie.

Mit Ehrlichkeit wohl nicht sehr weit. Doch Hitz’ Protagonist wählt einen anderen Weg, wie der Titel ihres Erstlings verrät: Der Schwindel. «Hochstaplergeschichten haben mich schon immer fasziniert. Die Möglichkeit, in ein anderes Leben zu schlüpfen wie in neue Kleider», sagt Anna Hitz (35). Die Figur Jan wird in einem Nobelhotel in St. Moritz für einen anderen gehalten und entschliesst sich, mitzuspielen – immer auf der Suche nach Glück und einem besseren Leben.

«Da steckt viel Handwerk drin»

Die Schriftstellerin aus Beinwil am See liest jeden Tag. Und schreibt jeden Tag. «Ich wollte schon immer ein Buch schreiben», sagt sie. Ihr erstes Werk ist im Rahmen der Diplomarbeit ihres Studiums «Literarisch schreiben» an der Höheren Fachschule für Sprachberufe entstanden. Das Schreiben des knapp 100-seitigen Buchs war ein Prozess, der Anna Hitz zwischen zwei Polen hin- und herpendeln liess.

Manchmal habe sie beim Schreiben gedacht, «das ist so ein Schrott». Und manchmal sei ihr das Geschriebene geradezu vollkommen erschienen. Und wenn die Wörter mal nicht rauswollen, schreibt sie sie trotzdem auf. Jeden Tag. Selber hat sie die Geschichte immer wieder überarbeitet. Herausgefunden, wo sie noch nicht «verhebt», wo die Figuren noch nicht authentisch waren.

«Da steckt viel Handwerk drin», sagt Hitz. Und mit dem Schreiben war es nicht getan. Anna Hitz wollte ihr Werk veröffentlichen. Sie hat ihr Manuskript unzähligen Verlagen geschickt. Geklappt hat es beim renommierten Basler Zytglogge Verlag. «Ich habe mich riesig gefreut.»

Anna Hitz ist als Tochter einer Schwedin und eines Österreichers in Beinwil am See aufgewachsen. Ihr Dialekt, der so gar nicht nach Böju klingt, verrät ihre internationale Herkunft. Hitz ist in den Sprachen ihrer Eltern gross geworden, hat an der Uni Zürich Germanistik, Kunstgeschichte Ostasiens und Nordistik studiert. Nach dem Studium ist sie mit ihrem Mann nach Beinwil am See zurückgekehrt.

«Form der Erinnerung»

Die Schriftstellerin, die nebenbei als freie Mitarbeiterin für Zeitschriften Reportagen, Kurzgeschichten und Gedichte verfasst, sagt: «Man ist stark mit dem Ort verwurzelt, an dem man aufgewachsen ist.» Und: «Ich hänge sehr an der Landschaft. Und natürlich am Freundeskreis.»

Und so spaziert sie mit ihren drei Hunden am Ufer des Hallwilersees, statt durch schwedische Landschaften. Hier, am See, an einem Herbstmorgen, erlebte sie einst einen Moment; als der Nebel die Landschaft umschloss und den Sonnenaufgang nur widerwillig zuliess, den sie animierte, den Stift in die Hand zu nehmen und genau diesen Moment aufzuschreiben. «Schreiben ist die eleganteste Form der Erinnerung», schreibt Hitz auf ihrer Website.

Ihr aktuelles Buch spielt in St. Moritz, in der Welt der Reichen und derjenigen, die so tun als ob. Der richtige Ort für eine Hochstaplergeschichte. Doch mit ihrem nächsten Buch, an dem sie momentan arbeitet, kehrt Hitz auch literarisch in die Heimat zurück. «Die Geschichte spielt im Seetal», sagt sie. «Es geht um einen Verleger auf der Suche nach seinem ersten Erfolgsroman, der nach langer Zeit wieder auf die Menschen aus seiner Vergangenheit trifft.»

Als Anna Hitz ihr Buch «Der Schwindel» schrieb, war sie schwanger. «Die Schwangerschaft und das Schreiben des Buches waren ähnliche Prozesse», sagt sie. Beide sehr schön, doch zum Schluss wolle man endlich das fertige Produkt in den Händen halten. Das Buch hat sie herausgegeben und ihr Sohn ist mittlerweile neun Monate alt.

Lesungen 13. April, 19 Uhr, Wynabuchhandlung, Reinach. 30. Mai, 19 Uhr, Löwen, Beinwil am See. 24. Juni, 19 Uhr, Sofalesung, Aarau (www.sofalesung.ch).