Langsam senkt der Kran die Holzbox in das Stahlgerüst hinab – Millimeterarbeit, die vom Kranführer viel Konzentration erfordert. Er muss das vorgefertigte Baumodul mit Wohnzimmer und Küche genau in das Gerüst einsetzen. Die Koordination mit den Bauarbeitern, die sich auf dem Gerüst befinden und beim Einpassen helfen, ist extrem wichtig. In wenigen Minuten ist das Modul an seinem Platz. Aus 36 solchen Holz-Modulen entsteht in Lenzburg in fünf Monaten ein Mehrfamilienhaus. Dieses enthält 20 Wohnungen, die Baukosten belaufen sich auf 8,8 Millionen Franken.

Das Gerüst trägt das Gewicht der einzelnen Holz-Elemente. Dank der neuen Modulbau-Variante können Häuser bis zu acht Stockwerke hoch gebaut werden. Die Bauzeit ist neun Monate kürzer, die Kosten sind tiefer als bei der herkömmlichen Massivbauweise. Auch ökologisch muss es sein: Das Haus hat Minergie-A-Standard. Geheizt wird mit einer Erdsonden-Wärmepumpe, die Photovoltaik-Anlage produziert Strom für den Eigengebrauch.

Das Wohnhaus in Lenzburg ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes der Holzbaufirma Renggli AG aus Schötz (LU), der Bauherrin AXA IM Schweiz AG und der Berner Fachhochschule BFH. Für die Luzerner Holzbau-Spezialisten ist es nicht das erste Projekt, das sie initiierten und mit Institutionen wie der BHF oder der ETH umsetzten. Innosuisse, die schweizerische Agentur für Innovationsförderung des Bundes, hat das drei Jahre dauernde Projekt mit 600'000 Franken unterstützt. 

Millimeterarbeit: Erst zirkelte der Schwertransporter mit dem Baumodul durchs Quartier an seinen Bestimmungsort, dann hievte der Kran dieses langsam an seinen Platz.

Millimeterarbeit: Erst zirkelte der Schwertransporter mit dem Baumodul durchs Quartier an seinen Bestimmungsort, dann hievte der Kran dieses langsam an seinen Platz.

Halbe Wohnungen montiert

In Lenzburg entsteht jetzt das erste Haus dieser Art als Ersatz für eine alte Liegenschaft der AXA. «Der Wettbewerb auf dem Wohnungsmarkt ist in Lenzburg gross», sagt AXA-Mediensprecher Urban Henzirohs. Das seien gute Voraussetzungen, um zu testen, wie markttauglich diese neue Art zu bauen sei. 

Im Dezember wurde das Betonfundament erstellt, im Januar folgte das Stahlgerüst. Die einzelnen Module für Wohnzimmer, Bad oder Schlafzimmer baut die Renggli AG auf ihrem 50'000 Quadratmeter grossen Areal in Schötz. Sie liefert die Elemente fixfertig auf die Baustelle – WC, Küchen, Türen, Fenster, Bodenheizung, Beläge und Leitungen sind bereits eingebaut. Eine Wohnung besteht aus zwei Modulen, die je nach Kombination Wohnzimmer sowie Küche und ein oder zwei Zimmer mit Bad enthalten. Auf der Baustelle können die Arbeiter ein solches rund drei auf elf Meter grosses Modul in wenigen Minuten im Stahlgerüst einsetzen. «Wir kalkulieren dafür jeweils eine Stunde», sagt CEO und Verwaltungsratspräsident Max Renggli.

Denn beispielsweise der Wind könne die Arbeit verzögern. Danach verbinden die Arbeiter das Modul mit den anderen und schliessen es an die Gebäudetechnik an. 18 Tage soll es dauern, um die insgesamt 36 Module zu montieren. Danach folgt die Umgebungsgestaltung. «Durch die Vorfertigung und die Standardisierung der Wohnungen können die Kosten pro Wohnung in Zukunft deutlich gesenkt werden», sagt Renggli. 

Das schlägt sich auf die Mieten nieder. 2½-Zimmer-Wohnungen sind ab 1130 Franken zu haben, 3½-Zimmer-Wohnungen ab 1420 Franken. Preiswerten Wohnraum zu haben, sei für einen institutionellen Investor wichtig, sagt Simon Haus, Leiter Asset Management der AXA. Denn teure Wohnungen stehen häufiger leer, was weniger Mieteinnahmen bedeute. «Durch die kurze Bauzeit können wir im Idealfall bei einem Ersatzneubau die bestehenden Mieter halten.» Auch ein Teil der Mieter in Lenzburg zieht im Juli wieder ein.