Lenzburg

Wo sich Stein und Beton in Lenzburg begegnen

Stadtplaner Richard Buchmüller (Mitte) zeigt bei der Überbauung Sandweg/Eisengasse, wie sich Stein und Beton ergänzen.

Stadtplaner Richard Buchmüller (Mitte) zeigt bei der Überbauung Sandweg/Eisengasse, wie sich Stein und Beton ergänzen.

Eine Zeitreise zu Bauten verschiedener Epochen am Tag des Denkmals. Beton in allen Varianten beherrscht das Stadtbild im Hoch- und Tiefbau, wobei Mauern und Tunnels der Kerntangente den gröbsten Eingriff in die Stadtstruktur bilden.

Die «Steinzeit» begann in Lenzburg um 1375. Aus Angst vor den marodierenden «Guglern» mussten die Bewohner auf obrigkeitliches Geheiss Stadt und Wehranlagen schleifen. Beim Wiederaufbau wurde statt Holz dann Stein verwendet. Letzter Zeuge dieser Zeit ist die Stadtmauer. Im Verein mit deren restaurierten Resten entstand an Sandweg/Eisengasse eine neue Häuserzeile im Altstadtkern.

Hier begegnen sich Stein und Beton in geglückter Symbiose. So jedenfalls sehen es Planer und Bauherren, welche nach jahrzehntelanger Projektierung jetzt in der Endphase stehen.

Wehrbauten machen die Stadt aus

Stadtplaner Richard Buchmüller vermochte mit seinen versierten Ausführungen die Teilnehmer an der Stadtwanderung zum Europäischen Tag des Denkmals davon zu überzeugen, dass der verhinderte Abbruch der Ringmauern mehr als nostalgische Gefühlsduselei Ewiggestriger ist: Die Wehrbauten geben Lenzburg das städtische Gepräge, die Betonbauten nehmen viele historische Elemente im heutigen Zeitgeist auf.

Beton in allen Varianten beherrscht das Stadtbild im Hoch- und Tiefbau, wobei Mauern und Tunnels der Kerntangente den gröbsten Eingriff in die Stadtstruktur bilden – dies allerdings zur Erhaltung der geschützten Altstadt als Wohn-, Gewerbe- und Begegnungszone. Das älteste Beton-Denkmal steht versteckt zwischen Wisa-Gloria- und Landi-Areal: Das einstige Seetalbahn-Brüggli über den Aabach ist eine der ersten Betonbrücken der Schweiz. 1895 ohne Armierung erstellt und zur Kaschierung mit Steinplatten-«Fournier» beklebt.

Währenddem Baumeister Theodor Bertschingers «Türmlihaus» in der Nähe ein klassisches Beispiel vom Heimatstil um 1910 repräsentiert, präsentiert sich vis-à-vis das mächtige Fabrikationsgebäude der einst berühmten Spielwarenfabrik Wisa Gloria als Referenz des Pioniers der Gegenbewegung dazu. Architekt Richard Hächler (1897–1966) erstellte 1930 eine Betonbaute von genial einfacher Struktur. Von ihm sind noch andere Zeugen damaliger Moderne erhalten, wie das Bezirksgebäude, welchem 1937 die historische Ringmauer weichen musste.

Brutaler Beton wird bald veredelt

Brutaler Beton pur nicht weit davon dann die beiden Ufa-Silos von 1957 und 1974; die «Veredlung» durch Umnutzung in zwei Bürotürme ist in Planung. Eine letzte Begegnung von neuem Beton und altem Stein findet im ehemaligen Seetalbahn-Tunnel unter dem Bahndamm statt. Hier feierte der Verein Industriekultur am Aabach sein 10-Jahr-Jubiläum mit Projektionen zum seligen «Seetaler», original Wisa-Gloria-Spielzeugen und einer Festwirtschaft.

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